Ja, liebe Leut, bei diesem Rezept müsst Ihr die Quantitäten umrechnen, sorry, denn es wird wohl kaum jemand gleich 281 Portionen Mah Mee, ein asiatisches Nudelgericht, kochen wollen. Ich wollte dies auch nicht wirklich, als ich zusagte, denn da dachte ich noch, es  ginge allein um das Aufbraten/-wärmen in den grossen Paella-Pfannen, wozu ich einmal für die gleiche Anfragerin an einer Geburtstagsparty für gegen 100 Leute volontiert hatte.

Erst nach dem Ja, das ich leichtfertig der Anfragerin, meiner Schwiegertochter in spe, gegeben hatte, traf mich die Wahrheit mit voller Wucht. No big deal, mehrere Wochen lagen ja noch vor mir, zu überlegen, wie ich wohl 20 kg Nudeln kochen könnte, ohne 20x mit unserer grössten Pfanne je 1 kg zu sieden, und dazu natürlich auch noch all die anderen Zutaten irgendwie vorzukochen oder direkt dort vor den Gästen, oder den Schulkindern auf dem Pausenplatz, in den grossen Paella-Pfannen zu braten. Das Glück kam in Form eines Caterers, an den ich mich in der Not erinnert hatte, und der gab mir gute Ratschläge, lieh mir einen 50-Liter-Kochtopf aus und stellte seinen Kühlraum zur Verfügung.

So sah es bei mir nicht aus beim Vor- oder Zubereiten, aber das Bild steigerte den Enthusiasmus, und es ist mir ohnehin eine schöne Erinnerung an Thai-Nudelsuppe in einem abgelegenen Food Stall an einer Strasse auf Koh Chang, weitab vom nächsten Dorf. Bei mir sah es dann so aus:

 

Das Rezept ist absolut nichts besonderes, vor allem nicht auf diese Art zubereitet, und an sich nicht ein Posting wert. Trotzdem hier aufgeführt ist es wegen der Herausforderung, die sich mir stellte, und wegen der für mich und meine Gerätschaften/Einrichtungen abenteuerlichen Zubereitung. Für Nachahmer ein Mutzuspruch: mit präziser detaillierter Planung des Zeitbedarfs und des Ablaufs kann nichts schief gehen.

Zutaten für 281 Portionen
20 kg Barilla Bavette no. 13
20 kg Pouletbrust, geschnetzelt
3 Ltr Erdnussöl
7 kg Zwiebeln gehackt
28 kg Peperoni, gelb, rot, grün, in Streifen
15 kg Chinakohl, geschnitten in Stücke von ca. 2×2 cm
3 Fl. Sherry medium dry à 600 ml
6 Fl. Soja Sauce à 700 ml, salzig, dünnflüssig
350 g Thailand Curry Hot
1.5 Fl. Oyster Sauce à 700 ml
2 Fl.Sesam-Öl à 200 ml
10 Knollen Knoblauch
Pfeffer schwarz

Zubereitung
Fleisch anbraten und mit Sherry ablöschen, auf die Seite stellen, Zwiebeln andünsten, dann Knoblauch, Peperoni, Chinakohl dazugeben, Soja Sauce, Oyster Sauce, Sesam-Öl, Curry und etwas Pfeffer dazu, dünsten bis das Gemüse knapp gar ist, dann die vorgekochten Nudeln dazugeben und alles vermengen, gebratenes Geschnetzeltes dazu, fertig wenn alles heiss ist. Es braucht kein Salz, ausser natürlich für das Sieden der Nudeln, da die Soja Sauce genügend salzt.

Wegen der 80 cm Pfannengrösse musste ich 6 Ansätze machen, und sowohl das Gemüse wie auch das Fleisch (!?) hatte ich vorgängig in Wasser vorgekocht. Dies ist nicht gerade das Ideale für den Taste und das Auge, aber bei dieser für meine Infrastruktur riesigen Menge und der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit verzeihbar, denke ich. Und geschmeckt muss es vielen der Gäste wohl haben, glaubt man den Komplimenten und der Nachfrage nach Nachschlag, oder Supplément, wie wir Schweizer sagen.

Mir hat die Sache einen anhaltenden Adrenalin-Spiegel gegeben, jedoch auf einem anturnenden Niveau, kein wirklicher Stress, im Gegensatz zu Frau Houdini, die 2 Wochen miserabel schlief, obwohl es sie ja nicht hätte belasten sollen. Mir machte es Spass; man denke allein ans Einkaufen: „Legen Sie mir bitte 7 Kartons Peperoni auf den Trolley … etc“, oder an den mir noch nie vorher so für den Einkauf dankenden Metzger. Beim Anbraten vor Zuschauern fühlte ich mich wie ein Küchenchef, fehlte nur Kochhose und -bluse und vor mindestens eine schöne Kochmütze, wie die von lamiacucina beim Backen der Quiche Provençale. Das weisse Hemd, das ich mangels standesgemässer Montur übergezogen hatte, musste allerdings wegen eines Riesen-Soja-Sauce-Tolggen bereits nach dem ersten Bratansatz gegen ein blaues Reservehemd ausgetaucht werden. Vom Planen bis zum guten Gelingen bereitete mir das Abenteuer viel Freude.