Appenzeller Käsekuchen ist für mich nebst schweizerisch auch eine Jugenderinnerung, denn die Mame hat ihn jeweils gebacken, fast so wie hier beschrieben, und sie musste ja wissen wie, als Urnäscherin, aufgewachsen zur Zeit des 1. Weltkrieges, geboren vor 102 Jahren.

Eine Eigenheit der Ostschweizer ist das Wort “Flade” für diese Art flacher Kuchen, andernorts in der Schweiz Weie oder Dünne genannt. Eine Übersetzungsliste Deutsch-Schweizerdeutsch für Kochausdrücke fand ich im Internet. Schwierig ist es nicht und Zutaten braucht es auch nicht viele:

Brotteig
300 g Mehl, 10g frische Backhefe, 1 tl Salz, 1/2 tl Zucker, 210 ml Wasser

Belag
1 grosse Zwiebel (ca 200 g), gehackt, glasig gedämpft
200 g Appenzeller Käse, grob gerieben

Guss
3 EL Mehl, 1 dl Milch, 2 dl Vollrahm (Sahne), 2 Eier, 1 Prise Salz, gemahlener Koriander, geriebene Fenchelsamen

Zubereitung
Ofen auf 250°C vorheizen, Teig rechteckig auf ca 30×35 cm oder ein anderes Seitenverhältnis, oder rund, auswallen oder besser von Hand ziehen, vorteilhafterweise auf einem Back-Trenn-Papier in ein Kuchenblech legen, Rand 2 cm hochstellen oder -rollen, den Boden mit Gabel löchern, Zwiebeln zuerst verteilen, Käse oben drauf, dann den Guss schön gleichmässig langsam über die Masse giessen, bei 200°C etwa 40 Minuten backen bis die Oberfläche schön goldbraun und der Rand angebräunt ist.

Anstelle des Brotteigs kann auch Mürbteig (Kuchenteig, schwz.) oder Blätterteig verwendet werden. Meine Mutter nahm Anis anstelle der Fenchelsamen und 2.5 dl Sahne, aber ich mag Anis nicht besonders und unsere Sahnebecher sind 200 g.  Andere nehmen für den Appenzeller Käsekuchen mehr Zwiebeln, aber dann wird er m.A. eher ein “Chäs-Böllä-Flade”; wieder andere würden den obigen bereits so nennen. Mag jemand von den Essern Zwiebeln nicht, so kann man easy 1/4  der Fläche davon frei lassen und nur mit Käse belegen, wie ich dies wegen Cibollaphobie eines Essers heute auch machte.
Anm.: Wegen der Cibolla heisst die Zwiebel in der Ostschweiz Böllä, siehe “Chäs-Böllä-Flade”.

Koch-Begleitmusik heute
- Amalia Rodrigues, Fado Portugues (Vol. 1), 1992
- Al Jarreau, Tenderness, 1994

Dies ist mein Beitrag zum 1.August-Blog-Event.
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