Guacamole, Avocado-Dip zu Pellkartoffeln: Nachgekocht, abgeguckt bei der Buntköchin, wo mir beim Lesen diese Kombination von Avocado-Dip mit Kartoffeln das Wasser im Munde zusammenlaufen liess, speziell auch die Kartoffeln nach kanarischer Art, mit Salzkruste. Letztere redete mir Frau H allerdings aus, man solle nicht immer so viel Salz nehmen, auch Fisch mit Salzkruste sei ihr nicht sympatisch. Da keine kleinen Frühkartoffeln zuhause an Lager lagen, zeigte ich nicht viel Widerstand und kochte herkömmliche schweizerische Gschwellti, also in Wasser gekochte, eben geschwellte, Kartoffeln in Schale. Unter dem Verb schwellen findet sich im Duden aufbauschen, aufblähen, aufgehen, aufquellen, auftreiben, ausdehnen, sich ausweiten, blähen, sich entzünden, quellen, … . Angeschwollen sind die Patate nicht beim Kochen, so habe ich keine Erklärung über das Wort Gschwellti oder geschwellte Kartoffeln.
Mit diesem Beitrag möchte ich zeigen, was in der Ostschweiz, oder zumindest in meiner Familie zu Pellkartoffeln gereicht wird und auch bereits in meinem Elternhaus auf dem Tisch war. Traditionell gehören Butter, Kräuterquark und Hartkäse dazu, wie natürlich Salz und Pfeffer und in vielen Haushalten – bei uns nicht mehr – auch „Aromat“, ein stark MSG-haltiges Gewürzsalz von Knorr. Sehr traditionell, aber eher aus der Mode gekommen ist Schabziger, der heute häufiger in der Mischung mit Butter als Zibu oder Zigerbutter gekauft wird. Bei uns liegen meist auch Kümmelsamen, verschiedene Senfe und Meerrettich-Crème auf. Diesmal war sogar Wasabi-Paste und Sambal Oelek mit dabei. Häufig werden zu Gschwellti auch Tomaten und Essiggurken serviert. Die verschiedenen Zutaten sind auf dem Tisch und alle bedienen sich nach ihren Präferenzen.
Ziger oder Schabziger heisst genauer „Glarner Schabziger„, ist leicht grünlich vom verwendeten Zigerklee und ist in Kegelstumpf-Form gepresst, scheizerdeutsch ein Zigerstöckli, früher in Alufolie eingewickelt, heute in Karton. Er wird, wie der Name sagt, mit einem Messer geschabt oder einer Zigermühle gerieben und somit als feiner Reibkäse aufgestellt, der an den gepellten Kartoffelstücken kleben bleibt – oder er wird in Butter aufgenommen zu Zigerbutter.
Der Guacamole-Dip der Buntköchin passt ausgezeichnet zu Pellkartoffeln, ich bräuchte daneben fast gar nichts mehr, Gschellti und Guacamole, eine perfekte Kombination.
Begleitmusik zum Blog-Erstellen
Pat Metheny: Day Trip, 2008 
7 comments
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Mai 28, 2009 um 21:08
Anikó
Bei uns zu Hause waren es immer Salz, Butter und Kräuterquark. Wobei unsere Familie auch mal eine Phase hatte, wo wir jeden Freitagabend Ofenkartoffeln gemacht haben. Wo ich so nachdenke, wir hatten auch andere Freitagabendessen-Phasen *g*
Dieser Schabziger hört sich spannend an, mal sehen ob ich sowas hier auftreiben kann.
Mai 28, 2009 um 21:53
Buntköchin
Freut mich, dass es euch geschmeckt hat. Den Schabziger finde ich auch sehr interessant, hast du schon mal erwähnt. Muss ich bei meinem nächsten Zürich-Aufenthalt unbedingt suchen. Falls es das überhaupt dort gibt. Oder ist das was Regionales?
Mai 28, 2009 um 22:01
Erich
Schabziger gibt es in jedem Käseladen, in Zürich sicher auch im Globus Food Department, Zibu/Zigerbutter sogar im Supermarkt.
Mai 28, 2009 um 23:58
Schnuppschnuess
Im Rheinischen heißen Pellkartoffeln „Quellmänn“ – gar nicht so unähnlich. Leider muss ich die Kartoffeln pur essen, ich mag Avocado nicht. Aber Quark mit Schabzieger, das stelle ich mir herrlich vor.
Mai 29, 2009 um 01:09
kitchenroach
Den Ausdruck finde ich herrlich! Gschwellte Herdoepfl. Ich glaube in Bayern sagt man einfach „kochte Kartoffen“, mit obligatorischem Kraeuterquark.
Mai 29, 2009 um 06:20
lamiacucina
Hartkäse für beide, Kräuterquark für Frau L. und Zibu für mich. Zu mehr Beilagen für Gschwellti haben wir es noch nicht gebracht
Mai 29, 2009 um 08:31
kochundbackoase
Käse zu Pellkartoffeln kenne ich gar nicht. Hier gibt es Heringsstipp, Kräuterquark oder für die ganz „Harten“ grobe Leberwurst (ihhh).
Darf ich mich zu euch an den Tisch setzen?