Ein Freund, der mir anscheinend handwerkliches Geschick zutraute und der von meinen Renovationsarbeiten in einem Haus einer Freundin wusste, erzählte mir von seinem Wunsch, sich einen Sternenhimmel über die Badewanne bauen zu lassen und von der für ihn prohibitiv hohen Offerte einer örtlichen Schreinerei und meinte, das wäre doch etwas für mich, um mir die Zeit auszufüllen. Grosse Aufgaben gerne anpackend, ich erinnere an die Verköstigung von 281 Essern mit Mah Mee, sagte ich zu.
Zutaten
1 Bild aus dem Atlas, siehe oben
1 MDF-Platte 145 x 185 cm
Holzlatten
Winkelprofile
diverse Stahlwinkel
3 Lichtgeneratoren mit je 200 Lichtleitfasern
Sprühkleber
Zubereitung
Himmel im Rohbau erstellen, Aussenseiten spachteln und schleifen, Sterne auswählen, Anzahl Lichtleiter für jeden Stern festlegen (es gibt ja hellere und weniger helle, respektive kleinere Sterne), Sterne anhand der Sternenkarte einzeichnen, Löcher bohren mit Bohrergrösse entsprechend der Anzahl Lichtleiter, Himmel zur Spritzwerkstätte fahren (auf dem Autodach, not so easy), dem Lackierer sagen, er solle die Löcher nicht voll spritzen, wobei die kleinsten 1 mm Durchmesser aufweisen, warten, Himmel wieder abholen (mit gemietetem Kleinbus, zwecks Erhalt der schönen Lackierung). Forts. s. unten.
Unten rechts erholt und erfreut sich der ermattete Kunde und stolze Himmelbesitzer nach getaner Montagearbeit
Forts. Zubereitung: Lichtleiter zuteilen und einziehen, vorne überstehen lassen, Lichtgeneratoren montieren, 3-4 x Sprühkleber von hinten an die Löcher sprühen, warten bis der Leim genügend trocken ist, Lichtleiter auf der Vorderseite mit Nagelclipser bündig abknipsen, Himmel zum Kunden fahren (mit gemietetem Kleinbus, zwecks Oberwähntem und des Lichtleitergewirrs), 6 Löcher à 10 mm Durchmesser in die Betondecke bohren, Halterung mit Schwerlastanker aus Stahl in die Decke schrauben, Elektrisch anschliessen, Himmel zu Zweit anheben, auf die Badewanne steigen, ganz nah an die Decke hochheben und versuchen, den Himmel in die 3 Halterungen zu schieben, wieder runter, Halterung abschrauben, für diesen Notfall vorbereitete Unterlege-Distanzscheiben einlegen, Halterungen wieder anschrauben, hochheben wie gehabt, einschieben, erleichtert über das ganze Gesicht strahlend „give-me-five“ schlagen, fertig.
Da hängt er nun, der Sternenhimmel. Alexander hat eingesehen, dass die Stange und der Vorhang weg müssen, duschen kann er ja auch in der Glaskabine.
Die im folgenden zitierte Stelle aus Robert Walser’s „Der Gehülfe“, die ich zufällig heute Morgen gelesen habe, trifft auch für mich in gewissem Sinne zu:
Zitat
Das war vielleicht auch so eine schlechte Gewohnheit von ihm, dass er zufrieden, ja glücklich war, sobald es ihm vergönnt wurde, körperlich zu arbeiten. Strengte er denn wirklich seinen Geist, die bessere Menschenhälfte, so ungern an? War er zum Holzhauer oder zum Kutscher geboren? Hätte er in Urwäldern oder auf Meerschiffen als Matrose leben sollen? Schade dass es in der Nähe von Bärenswil keine Blockhäuser zu bauen gab. …… Das Baden in kaltem Wasser war ihm lieber als das Nachdenken über hohe Dinge. Er schwitzte gern, das liess unter Umständen tief blicken. War er der geborene Ziegelsteinträger? Hätte man ihn vor einen Karren spannen sollen? Herkules war er jedenfalls nicht.
Ja er hatte schon Geist, wenn er nur wollte, aber er machte zu gern Pausen im Denken.
Ende Zitat
Begleitmusik zum Blog-Erstellen
Ray Charles, The Definitive Ray Charles
Doppel-CD


5 comments
Comments feed for this article
September 8, 2009 um 18:38
Robert
Mein lieber Houdini,
mir bleibt vor soviel Geschick gleich der Mund offenstehen.
Machst du sowas auch für ein Wohnmobil?
Mir gefällt die Aussicht aus meinem Bett in dem Fall auch nicht. Sollte dann aber mit 12V funktionieren…
Wirklich Klasse
Robert
September 8, 2009 um 23:07
Jutta
Um dir die Zeit auszufüllen? Du bist Foodblogger, du hast keine Zeit!
Trotzdem ist es toll, dass du etwas freischaufeln konntest, denn der Himmel ist einmalig schön.
Mal davon abgesehen, dass er schon seit Jahren tot ist, bin ich froh, dass Ray Charles nur gesungen und nicht geholfen hat.
September 9, 2009 um 09:18
Erich
@Robert:
Du hast mich erinnert, wieder mal bei Euch vorbei zu schauen, und es war schön, zu sehen, was Ihr so treibt. Wegen Wohnmobil: Ein Himmel kann überall montiert werden, aber negativ ins Gewicht fällt, na klar, sein Gewicht und die Kopffreiheit. Ich war allerdings bereits am Überlegen, wie ich ihn leichter machen könnte. Für ein Womo würde er vermutlich auch kleiner.
@Jutta: Wäre ich Foodblogger, hätte ich keine Zeit; wegen Aktivitäten wie dem Sternenhimmel und anderem kann ich Foodblogger nur halbbatzig (schweiz. für ungenügend, unzulänglich) sein.
September 9, 2009 um 16:59
Petra aka Cascabel
Wow, jetzt bin ich aber schwer beeindruckt. Gesegnet mit einem Mann mit zwei linken Händen (sagt er selbst), kann ich mir einen so penibel arbeitenden Hausherrn gar nicht vorstellen.
September 9, 2009 um 22:02
Petra
Ich bin hin und weg – das ist ja ein phantastischer Himmel. Ich glaube nach diesem Beitrag kommen einige Aufträge an Himmel auf dich zu
Wirklich toll – Hut ab!