Ich war hocherfreut, ja gerade begeistert, als ich kürzlich Robert’s Ochsenschwanz-Post sah, denn wer in aller Welt kennt, kocht und schreibt über Ochsenschwanz? Und mein Ochsenschwanz lag schon im Kühlschrank bereit, um nach jahrelangem Sehnen einen meiner Koch- und Essenswünsche verwirklichen zu lassen. Was für ein Zufall!
Ich wählte dann allerdings nicht genau Dein Rezept, Robert, sieh mir dies bitte nach, die Tomätelchen im beinahe gleichen anderen Rezept hatten es mir zu sehr angetan. Das Rezept ist von essen-und-trinken abgeguckt und annähernd nachgekocht. Ein schönes Video dazu ist auf der Website zu finden, reinste Kochschule.
Zutaten
Für 4 Portionen
30 g Steinpilze, getrocknet
1 Karotte, 1 grosse Karotte, 1 Stk Sellerie, etwas Stangensellerie
2 Zwiebeln
1.5 kg Ochsenschwanz, in 3 cm dicken Stücken
4 El Öl
Salz
Pfeffer
0.5 Bund Thymian
3 Lorbeerblätter
3 Nelken
1 El weiße Pfefferkörner
3 Wacholderbeeren
1 TL Tomatenmark
500 ml Rotwein (z. B. Burgunder, bei mir il Papavero, vino da tavola, CHF 8.50 /Fl.)
450 ml Kalbsfond
50 g durchwachsener Speck (in Würfelchen)
250 g kleine leider grosse Schalotten, deshalb geviertelt
300 g Kirschtomaten
Zubereitung
Steinpilze in 200 ml lauwarmem Wasser einweichen. Suppengrün putzen und in 2 cm große Würfel schneiden. Zwiebeln grob würfeln. Ochsenschwanzstücke kalt abspülen und trocken tupfen.
3 El Öl in einer großen Pfanne stark erhitzen. Ochsenschwanzstücke portionenweise bei starker Hitze unter Wenden rundherum kräftig anbraten. Mit Salz und Pfeffer herzhaft würzen. Fleisch mit der Schaumkelle herausnehmen und in eine grosse Schmorpfanne geben.
Das Suppengrün mit den Zwiebeln in die Pfanne geben und im Bratfett bei starker Hitze braun anrösten. Die Hälfte von Thymian, Lorbeer, Nelken, Pfefferkörner, Wacholder, Tomatenmark und die Hälfte des Thymians zugeben und kurz anschwitzen. Mit Rotwein auffüllen, einmal aufkochen lassen und in die Pfanne zum Fleisch geben. Wein offen auf die Hälfte einkochen lassen. Fond zugießen, aufkochen und das Fleisch zugedeckt 3-4 Stunden bei mittlerer Hitze schmoren. Die Fleischstücke dabei öfter wenden.
Währenddessen:
Steinpilze aus dem Wasser nehmen, gut ausdrücken und grob hacken, Steinpilzwasser aufbewahren. Speck in feine Würfel schneiden. Schalotten pellen und halbieren, in meinem Fall vierteln. Tomaten halbieren. Restliche Thymianblätter von den Ästchen streifen.
Restliches Öl in einem Topf erhitzen. Speck darin anbraten. Schalotten und Steinpilze zugeben und andünsten. Mit dem Steinpilzwasser auffüllen und 10-12 Minuten bei mittlerer Hitze offen kochen.
Gegen Ende des Schmorens.
Bilder des Rohmaterials können bei lamiacucina besichtigt werden.
Nach der Schmorzeit, wenn das Fleisch nach Gutdünken genügend durch ist und sich einigermassen leicht vom Knochen lösen lässt, die Ochsenschwanzstücke aus der Pfanne, dem Topf, dem Bräter nehmen und abkühlen lassen. Fleisch am besten mit einem sehr kleinen Löffel oder den Fingern von den Knochen schaben/puhlen und/oder wegschneiden, Sehnen und Knorpel entfernen. Fleisch in kleine Stücke schneiden.
Den Rückstand durch ein feines Sieb in einen anderen großen Topf giessen und die Wurzelgemüse ausdrücken, 10 Minuten einkochen lassen. Steinpilzmischung zugeben. Herzhaft mit Salz und Pfeffer würzen.
Ochsenschwanzfleisch zusammen mit den Tomaten und dem gehackten Thymian in die Sauce geben und darin erwärmen.
Dazu passt Polenta. Da Freundinnen dabei waren und da ich vermutete, der Name oder die Optik des Gerichtes könnte Zartbesaitete daran hindern, den Ochsenschwanz-Schmaus in vollen Zügen und mit breitem Lächeln zu geniessen, kochte ich auch noch Gordon Ramsay’s Chili con Carne, vor kurzem getestet und für ausgezeichnet befunden, als Alternative. Wir mögen Resten.
Die extravertierten Esser lobten den hammerhaften Geschmack der Sauce und den unvergleichlichen ochsenschwanzspezifischen Biss des Fleisches. Die anderen waren ihrer Natur entsprechend etwas zurückhaltender mit dem Lob des Ochsenschwanzes, und es fiel auf, dass sie sich signifikant mehr vom Chili con Carne schöpften. Ich gehörte selbstredend zu den ersteren, auch wenn in meiner Erinnerung der von Horst Trummer, dem leider inzwischen verstorbenen ehemaligen Hilton-Küchenchef und späteren Besitzer des Chalet Swiss in Taipei, bei mehreren Weihnachtsessen in seinem Hause gekochte Ochsenschwanz noch paradiesischer schmeckte.
Begleitmusik zum Blog-Erstellen
Sophie Hunger, Monday’s Ghost, 2009


11 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Januar 9, 2010 um 02:37
kitchenroach
Der Name der Begleitmusikerin passt….bevor ihr mit dem Schlemmen fertig ward. Ich konnte mich noch nie ueberwinden, das Fleisch abzufieseln, aber wenn ich das Foto sehe bei Dir, dann muss es wohl mal sein. Die Farbe von dem Ragout ist ja der Hammer.
Januar 9, 2010 um 10:09
alissa
Ich habe noch nie Ochsenschwanz zubereitet – Deine Resultat sieht unglaublich lecker aus.. was für eine Farbe!
Januar 9, 2010 um 10:13
Bolli's Kitchen
ach, ich habe Ochsenschwanz schon mehrmals verbloggt, lange, bevor es jetzt in die Mode kam…..
Januar 9, 2010 um 10:14
Peter
Es dauert zwar etwas, aber es lohnt sich. Ja, da wär ich dabei!
Januar 9, 2010 um 21:42
lamiacucina
das macht mich jetzt derart an, dass ich es nach deinem Rezept unbedingt nochmals probieren muss.
Januar 10, 2010 um 13:18
chriesi
Gestern habe ich auch ein Ochsenschwanz besorgt.
Fein gseht das us!
Januar 10, 2010 um 17:38
Buntköchin
Ochsenschwanz habe ich noch nie gemacht. Als Kind habe ich Ochsenschwanzsuppe geliebt. Das war mein absolutes Lieblingsessen. Ich mache das demnächst auch einmal. Die Musik gefällt mir sehr gut.
Januar 11, 2010 um 21:18
Erich
@..roach: Hunger habe ich jetzt grad auch schon wieder. Wird das Abfieseln (rauspuhlen) gut gemacht, eben mit einem Löffelchen oder mit scharfem Messer schön den Knochen entlang, dann erhältst Du einigermassen anständige Stücke, nicht nur faseriges Fieselzeug.
@alissa: Versuch’s mal, lohnt.
Bolli: Pardon et félicitations, die Franzosen übersah ich leider, die essen ja alles, wenn ich an andouille (?) und ähnliches denke, was ich übrigens auch esse, aber mangels Kaufgelegenheit und damit Fotoobjekt nie bloggte.
@Peter: Während es dauert kannst Du joggen gehen.
@Robert: Viel anders als Deines ist mein Rezept ja nicht, aber ein guter Grund für scho wieder Ochseschwanz zha.
@Chriesi: Super, freut mi für di. Mach en noch eme andere Rezept.
@Buntköchin: Ochsenschwanz ist fantastisch, der Hunger kommt vom Geschmack, und der Hunger Musik gefällt mir auch.
Januar 12, 2010 um 03:59
kitchenroach
ich probiere es bald mal und werde berichten ueber meine fieselerfolge mit dem glibberigen Fleisch
Januar 21, 2010 um 11:28
Arthurs Tochter
Guck mal, ich habe vor einiger Zeit einen Ochsenschwanz gekocht nach einem Rezept von Poletto. War ganz wunderbar, vor allem das Selleriepüree ist zum festen Bestandteil in unserer Speisekarte geworden.
http://arthurstochterkocht.blogspot.com/2009/10/geschmorter-ochsenschwanz-mit.html
März 9, 2012 um 11:04
Ochsenschwanzsugo zu Pasta | Foodfreak
[...] Geschmorter Ochsenschwanz bei Houdini’s [...]