Im Rahmen von Roberts Weinrally no. 29 stelle ich hier einen interessanten Rotwein aus der Ostschweiz vor. Es ist ein Rotwein aus den älteren Rebsorten Maréchal Foch und Léon Millot und dem bekannteren Cabernet-Jura. Denise und Ueli Halter vom Spatzehof in Schönholzerswilen TG produzieren seit 2005 in Kreuzlingen gute Bioweine. 2003 haben Halters ein Grundstück im Osten des Seeburgparks übernommen und auf 50 Aren vier Rebsorten angepflanzt, neben den genannten noch Solaris, eine weisse Sorte. Halters arbeiten nach den Richtlinien der BIO-Suisse, die Flaschen tragen die Bio-Knospe. Der Mariage Beta Assemblage ist ein für Thurgauer Verhältnisse fruchtiger Wein von kirschroter Farbe und lässt beim Trinken die lauen Sommernächte und das Klima des Bodensees spüren. Er lässt sich am besten bei 14-18 °C trinken.
Wein aus Kreuzlingen?
Das Gebiet der heutigen Stadt Kreuzlingen bestand während fast eines halben Jahrtausends aus einem einzigen Rebberg, der sich von Bottighofen bis nach Tägerwilen erstreckte. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Weinanbau in Kreuzlingen weit verbreitet. Ein paar Strassen- und Gebäudenamen erinnern daran: Trotten-, Reben- und Weinbergstrasse oder Torggel Rosenegg.
Für Leser aus Mittel- und Norddeutschland sei hier Konstanz erwähnt, das ihnen geläufiger sein könnte. Es ist zusammengebaut mit Kreuzlingen, die beiden Orte sind praktisch eine Stadt, heute vereint, bis vor wenigen Jahren getrennt durch einen Grenzzaun. Aus einer Mitteilung der Stadt Kreuzlingen:
Der Grenzzaun auf Klein Venedig ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Grenzzaun, der zwischen den beiden Städten im Zweiten Weltkrieg errichtet wurde. In dieser Zeit gab es Klein Venedig noch nicht, oder genauer: es gab hier nur Wasser. Das Gebiet wurde erst in den fünfziger und sechziger Jahren aufgeschüttet, indem es als Müllkippe ausgewiesen und am Ende mit einer Erdschicht bedeckt wurde. Die Aufschüttung wurde 1968 abgeschlossen. 1973 wurde dieser Grenzabschnitt dann mit dem Zaun und dem Seetor gesichert. Weiter: Im Jahr 2004 starteten … den Abriss des Grenzzauns zwischen Deutschland und der Schweiz …. Die Grenz- und Zollbehörden …. unter der Voraussetzung, … andere Markierung den Verlauf der Landesgrenze sichtbar macht. So entstand die Idee, den Grenzverlauf mit Kunstobjekten zu kennzeichnen. Das taten sie dann auch, den Berliner Mauerfall mit künstlerischer Ader nachvollziehend.
Zu den Rebsorten
Folgendes aus Ernesto Pauli’s Weinlexikon : Maréchal Foch ist eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Elsass gezüchtete rote Rebsorte, eine Kreuzung zwischen (Vitis riparia x Vitis rupestris) x Goldriesling (zweitere ist eine Kreuzung Riesling x Courtillier Musqué Précoce). So viel wird gemischt beim Züchten!! Maréchal Foch zeigt Pilzresistenz gegen die Mehltaukrankheiten wie auch gegen Botrytis. Es lässt sich je nach Art der Vinifikation ein interessanter, kräftiger Wein mit leichtem Fox-Ton bereiten, mit etwas südländischem Charakter. Diese Sorte ist speziell für kühlere Gegenden geeignet.
Die heute in der Praxis meistverbreiteten Sorten dieser Gruppe sind Regent, Léon Millot, Maréchal Foch und Seyval blanc. Die Maréchal Foch war früher an der Loire weit verbreitet, heute belegt sie dort nur mehr etwa 100 ha Rebfläche. Nebst der Schweiz wird sie im Staate New York, in Kalifornien und in Kanada kultiviert. Da sie eine Hybride ist, wurde der Anbau in Deutschland in den 1930er-Jahren verboten. Léon Millot (Kuhlmann 194.2) und Maréchal Foch (Kuhlmann 188.2) sind aus derselben Kreuzung hervorgegangen und sind demnach Geschwister.
Zur Rebsorte Cabernet Jura schreibt ein Rebbauer im Jura, sie sei ein Sammelbegriff von Kreuzungen mehrerer Jahre, er besitze davon so gegen 15 genetisch verschiedene, phänologisch unterschieden sie sich nicht so sehr, jedoch olfaktorisch und gustativ im Wein schon sehr. Für die Weinqualität sei es gut wenn mehrere Geschmacksrichtungen vorhanden seien, denn nur so seien die Säure, die Gerbstoffe und die gesamte Aromatik ausgeglichen. Anderswo las ich, auch sie sei frosthart und ist sehr resistent gegen Mehltau, ergebe einen farbintensiven Wein mit komplexem Bouquet.
Halters Mariage Beta Assemblage ist ein kein schwerer Wein, er eignet sich sehr gut zu schweizerischer grossbürgerlicher Küche. Denise Halter beschreibt den Mariage Beta als den charakterstarken ihrer Weine, er sei ein kräftiger Rotwein mit markanter Struktur und kirschroter Farbe, passe zu kräftigen Gerichten wie Risotto, Pasta, Wild oder Fleisch.
Obwohl es sich um neue Rebstöcke handelt, darf der Wein unter den Ostschweizern als überaus gut eingestuft werden, mehrfach durch Gäste bestätigt, denen ich gerne zustimme. Ja, er ist wirklich sehr gut, ich mag ihn, er ist sehr zu empfehlen.
Begleitmusik

Stephan Eicher, Engelberg, 1991 
5 Kommentare
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Januar 13, 2010 um 08:38
lamiacucina
Bei den interspezifischen Rebsorten kenne ich mich wenig aus. Ausser Maréchal Foch und Seyval kenne ich die Sorten deiner Assemblage nicht. Diese sind mir als fruchtbetonte Weine in Erinnerung. Auffallen tut mir, dass man diese Sorten in der Schweiz viel häufiger sieht als anderswo. Das mag wohl am hohen Stellenwert liegen, den der biologische Landbau in der Schweiz besitzt. Danke für deinen interessanten Beitrag !
Januar 13, 2010 um 09:52
Isi
Ihr schließt ja alle riesige Lücken heute bei mir. Ich trinke sehr gerne Wein. Schweizer Wein habe ich nur einmal bisher getrunken und ich weiß noch, dass ich ihn toll fand und bestellen wollte. Danke für den interessanten Beitrag, das macht wirklich Lust auf mehr Schweizer Weine.
Januar 13, 2010 um 15:17
Peter
Fast zwei Jahre (84/85) habe ich in Konstanz gearbeitet, Kreuzlinger Weine habe ich leider nicht getrunken. Schade, da habe ich wohl etwas versäumt.
Januar 20, 2010 um 12:29
weinnase
Ich beneide Euch Schweizer um Eure exklusiven Weine. Da weiß ich glatt, was ich mir nächstes Mal als Souvenir mitbringe, wenn ich wieder in der Schweiz bin. Gibt es denn nicht einen Online-Shop, der nach Deutschland liefert?
Januar 20, 2010 um 19:03
Erich
@weinnase: Schau mal bei Delinat rein, die haben einen Ableger in Deutschland, wie ich bei Mestolo las.