Schon einige Zeit wartete ein entknochtes “Leg of Lamb” aus Neuseeland auf seine Verarbeitung, oder wir warteten eher auf seine Verspeisung, und es versperrte Platz im Freezer, anyway, es wurde Zeit und es ist ja auch Winter.
Üblich bei uns war bis anhin für diese Schafschenkel das Ofengaren, was einen recht leckeren Braten ergibt, der in Scheiben tranchiert auf die Teller kommt. Genau weiss ich nicht mehr, wieso ich die ganze Zeit an Ragout, oder Voressen, denken musste, wenn ich an den Lammschlegel dachte. Diesmal sollte es also ein Ragout werden, und wer sind die grossen Schafesser, die Nordafrikaner, die Araber, vielleicht noch die Türken.
Stöbern in einigen türkischen Kochbüchern und im Internet, kurz noch bei Jamie reingeschaut und entschieden: nordafrikanisches Lammragout.
Ausgangsmaterial war 1 Schenkel,
2230 g netto, ohne Knochen. Hier sind die Ragoutstücke bereits vorbereitet, 1620 g.
Das sind die anderen 2 Produkte: links 233 g kleine Stücke für Gehacktes oder Geschnetzeltes, rechts 377 g Abfall, Sehnen, Häute, etc., für die Gartenmauer, zur Freude der Geier.
Die geputzten kleinen Stücke ergaben ein fantastisches Hackfleisch, händisch gehackt, ein andermal mit Linsen und Reis verkocht, wie schon berichtet.
Einblick in meine indische Gewürzdose, die hier auch zum Zuge kam. Indisch? Nordafrikanisch! Die Wahl der Gewürze machen es.
Die Ragoutstücke mit der Würzmischung vermantscht, mit Folie zugedeckt und 2-3 Stunden zum Marinieren in den KS oder, bei winterlichen Temperaturen, nach draussen.
Hier köchelt es bereits seit einiger Zeit und ist bald fertig.
Zutaten
1620 g Lammvoressen, oder wieviel ihr wollt
250 ml Rotwein
2 Dosen Pelati
Für die Marinade:
5 Zehen Knobli
2 Romano-Tomaten
1 EL getr. Chili aus Maras, darf auch weniger sein
2 TL Paprika edelsüss
2 TL Turmeric (Kurkuma, Gelbwurz)
3 cm Ingwer, gerieben
Saft einer Zitrone
1-2 TL Kreuzkümmel, zerrieben
1-2 TL Koriander, zerrieben
Alles im Mörser zerstossen und zum Fleisch geben, siehe oben.
Nach dem Marinieren die Marinade so gut es geht abstreifen, Marinade behalten, die Fleischstücke portionenweise heiss anbraten und beiseite stellen. Mit dem Rotwein ablöschen, den Bratenfond aufnehmen, etwas einkochen, die Pelati dazu und alles Fleisch inclusive der abgestreiften Marinade wieder in die Pfanne geben und köcheln, bis das Fleisch weich ist. Das dauert 2-3 Stunden. Einfach früh genug beginnen und abschalten, wenn das Fleisch gar ist, vor dem Servieren nochmals aufwärmen.
Bei uns gab es dazu Polenta mit Bramata aus Graubünden und Broccoli.
Begleitmusik

Leonard Cohen, Live in London, 2009 
24 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Januar 20, 2010 um 03:19
kulinaria katastrophalia
Wahnsinn, Hackfleisch aus Handproduktion (während der stundenlangen Marinierzeit nichts zu tun gehabt? ;p ). Turmeric musste erst ergoogelt werden, aber was ist Bramata, eine besondere Polentavariante?
Januar 20, 2010 um 07:32
lamiacucina
Liest sich interessant, die Sauce. In der Ofenbratenversion kommen die Geier aber schlechter weg. Ist das eine Machete, die Du zum Hacken des Fleisches benutzt ?
Januar 20, 2010 um 07:41
kitchenroach
Ok….das ist es …mein Nachkochrezept mit Lamm…auch meines ist im TK , von NZ, und die Geier werden sich freuen! Und dass Suzanne noch mitkocht, laesst es hoffentlich doppelt gut schmecken.
Januar 20, 2010 um 08:22
Bolli's Kitchen
selbstgeschnittenes Hackfleisch ist viel besser als alles gekaufte und gedrehte!
Januar 20, 2010 um 09:37
Petra
Klingt sehr gut und sieht auch so aus. Nur Tumeric hat mich irritiert, aber ich habe gerade nachgeschaut, das ist Curcuma und den gibt es hier im Haus natürlich auch. Viele Grüße
Januar 20, 2010 um 09:54
chriesi
Das Hackfleisch sieht genial aus!
Januar 20, 2010 um 10:33
Erich
@kulinaria: Das Hacken geht rasch, mit dem grossen Hackmesser aus Fernost, das auch für feine Schnitte sehr geeignet ist. Bramata ist grob gemahlenes Maismehl und meines kam aus Graubünden, könnte auch anderswo herkommen, zB aus dem Veltlin.
Im italiensichen Wikipedia steht unter Polenta u.a.:
La farina da polenta è solitamente macinata a pietra (“bramata”) più o meno finemente a seconda della tradizione della regione di produzione.
Bramare heisst auf Deutsch wünschen, bramata = gewünscht, aber manche wünschen Polenta fein, nicht grob?
@lamiacucina: Siehe Kommentar an kulinaria. Die Klinge ist etwa 10×17 cm, geschätzt.
@roach: Viel Spass mit dem Bein. Ich höre Suzanne jetzt gerade auch wieder.
@Bolli: Na klar! Werde nie mehr Hackfleisch kaufen (ist meine Absicht).
@Petra: Sorry wegen des Turmerics. Ich studierte am anderen Wort herum, aber es kam mir nicht in den Sinn. Ist Kurkuma Deutsch? Was ist mit Gelbwurz? Es sind nämlich Wurzeln, die getrocknet und gemahlen werden.
@chriesi: Es ist so, kann ich 100% empfehlen, je nach Budget ein Stück Fleisch kaufen, zB Voressen, Entrecôte bei Rind, Schnitzel, Filet beim Schwein, “putzen” und selber hacken.
Januar 23, 2010 um 18:27
kulinaria katastrophalia
Grad entdeckt bramata steht auf unserer gelbtütigen Polenta auch drauf
die nehmen wir immer, um die Polenta vor dem Anbraten in Rosmarin-Olivenöl nochmals zu panieren
Januar 20, 2010 um 11:02
Susa
In Deutschland sagt man wohl inzwischen eher Kurkuma als Gelbwurz, steht halt immer auf den Verpackungen so.
Deine Begeisterung für das Hackfleisch teile ich, leider ist unser Werkzeug nicht halb so beeindruckend wie Deines.
Januar 20, 2010 um 11:46
alissa
WOW ich wusse doch es lohnt sich wenn Du das bloggst… Du hast Küchenwerkzeug – beeindruckend na und das Hackfleisch sowieso
Januar 20, 2010 um 12:21
weinnase
Respekt für das Lammhack, ist bei hiesigen Metzgern ja nicht ohne weiteres zu bekommen – die haben immer Angst, ihr Rinderhack zu kontaminieren.
Ich liebe Lammcurry, bei mir kommt aber unbedingt immer noch Kokosmilch dazu.
Januar 20, 2010 um 16:39
Erich
@Susa: zum Werkzeug
*breit grins*, Kurkuma ist OK für mich, kein Problem, die Inder sagen Hadli oder Haldi, müsste Googlen.
@alissa: Meinst Du das Hackmesser, das Schneidmesser, den Holzklotz oder den Thai-Mörser?
@weinnase: Ist mein Ragout ein Lamm-Curry? Spass à part, Kokosmilch könnte ich mir nicht vorstellen da drin.
Januar 20, 2010 um 17:28
Ellja
bloß keine kokosmilch da ran! ich finds gerade interessant, so wie es ist. Aber was hast du eigentlich mti dem Hackfleisch gemacht?
Januar 20, 2010 um 17:29
Petra aka Cascabel
Wunderbar!
Dass ein Mann Leonard Cohen hört – und dann noch Suzanne! Ich muss mir immer nur Verunglimpfungen meines Bruders und meines Mannes anhören, die mich mit meiner Cohen-Vergangenheit aufziehen (ich konnte in den 70ern jede Menge Lieder auswendig und habe die auch gerne zur laienhaft gezupften Gitarre zum Besten gegeben
)
Januar 20, 2010 um 18:27
mipi
Irgendwie finde ich das indisch, aber toll sieht es allemal aus.
Januar 20, 2010 um 18:47
Erich
@Ellja: Siehe letzter Abschnitt meiner Mujadarra.
@Petra: Bin ich nun nur ein 1/2 Mann?
@mipi: Ich weiss nicht, ob die Maghrebiner Kurkuma verwenden oder nicht, aber beim Jamie Oliver war ein ähnliches Lammvoressen nordafrikanisch benamst.
Januar 20, 2010 um 20:19
Petra aka Cascabel
Nein, absolut nicht
Glückwunsch zum guten Geschmack!
Januar 20, 2010 um 19:10
Isi
Meine Güte, was für ein Mörser…toll, ich bin beeindruckt. Das Ragout gefällt mir auch, ich habs ja nicht sooo mit Lamm, aber die Rezepte dafür gefallen mir immer sehr.
Januar 21, 2010 um 10:25
alissa
Ich meine Dein ganzes Sortiment – toll.. ich bin ab März Einkäuferin für einen Gastronomieversender – von der Pfanne bis zur Stuhlhusse – so langsam arbeite ich mich da rein…
Januar 21, 2010 um 11:24
Arthurs Tochter
jetzt schau ich hier das erstemal bei Dir rein – und dann entdecke ich gleich Lammfleisch. Da fühle ich mich direkt wie zuhause!
Sind die inoffiziellen foodblogger-Lammtage also auch bei Dir angekommen!
lg
Januar 22, 2010 um 09:44
Erich
@Isi: Dann beeindruckt Dich dies hier vielleicht noch mehr

@alissa: Ab März bestellen wir über Dich die tollsten Küchendinger zu Grosshandelspreisen, hurrah!!
@Arthurs Tochter: Die Keule war fällig, aber passte somit zu der Zeit.
Januar 22, 2010 um 22:41
Claudia
Wow, das ermutigt, es einmal selbst mit dem Hacken von Lamm zu probieren. Der hiesige Schlachter mag das erst ab 1kg durch den Wolf drehen (wobei auch er gutes Fleisch nimmt) – so kann ich auch einfach einmal eine kleinere Portion verarbeiten. Und den guten Cohen mal wieder hervorzukramen – danke für die Inspiration!
Januar 23, 2010 um 13:45
Barbara
Beim Hackfleisch-Hacken ärgere ich mich, dass ich das nicht halb so gut kann wie die Asiaten…
Schönes Gericht!
Januar 24, 2010 um 21:13
Erich
@Claudia: Es geht genau so gut mit Rind und Schwein.
@Barbara: Übungssache. Ich bin nur halber Asiate und es funzte auf Anhieb.