Die ersten Skifahrer am Morgen, unmittelbar bei unserem Skihaus
Es ist schön, nach der Skiwoche wieder zuhause zu kochen, und ich freute mich gegen Ende der Woche richtig darauf, denn auf Dauer langweilte mich das Gemüsebouillon-Pulver von Knorr, mit dem alles ausser dem Dessert gewürzt wurde, wie es entweder in den Rezepten aus dem schweizerischen Schulkochbuch “Tiptopf” vorgeschrieben wird, was ich nicht nachgeprüft habe, oder wie es aufgrund der langjährigen Erfahrung meiner Küchenchefin von hungrigen Teenagern in Skilagern geschätzt wird. Wie auch immer, möchte ich meine eigenen Erfahrungen sammeln und habe vor, bei nächster Gelegenheit, sofern ich dazu autorisiert und nicht nur als Küchenhelfer engagiert werde, für Teenager abwechslungsreich und interessant zu würzen.
Der Speiseplan bestand aus für Kinder im Schulalter sehr bewährten Gerichten, mit deren Wahl keine Fehler begangen werden, Lagergerichte eben.
| Mo Mittag | mitgebrachter Lunch |
| Mo Abend | Spaghetti mit 4 Saucen, Basilikum-Pesto, Cinque P, Bolognese, Carbonara, Caramelköpfli als Dessert |
| Di Mittag | Pizza auf grossen Kuchenblechen, teils mit Schinken, teils Salami, teils Tuna mit Pilzen, teils Margherita / gemischter Salat |
| Di Abend | geschnetzelte Hühnerbrust an Rahmsauce, gedämpfte Karotten, Reis, Schokoladen-Crème als Dessert |
| Mi Mittag | Gerstensuppe mit Wienerli, Resten von Spaghetti mit verschiedenen Saucen |
| Mi Abend | Käseknöpfli, darüber je nach Wunsch geröstete Zwiebeln und geröstete Speckwürfel, Rote Beete Salat, gemischter Salat, Fruchtsalat als Dessert |
| Do Mittag | Pommes aus der Restaurant-Küche, Hack-Bratlinge (Hamburger), grüne Bohnen, Erbsen und Karotten |
| Do Abend | Hackfleisch-Lasagne, gemischter Salat (Eisberg und Chicorée), Apfel-Tiramisu und Orangen-Tiramisu als Dessert |
| Fr Mittag | Nach dem Frühstück durch die Schüler selbst bereitete belegte Brote |
Beim Hackfleisch wurde ausschliesslich Rindfleisch eingesetzt, bei der Pizza war eines der Backbleche mit Margherita- und Tuna/Champignon-Belegung, nebst Schweine-Wienerli servierten wir auch welche mit Geflügelfleisch, bei den belegten Broten am Freitag war neben Fleischkäse, Wurst, Schinken und Käse auch Truten-Schinken aufgelegt, auch Essiggurken und Oliven.
Die Mädchen mit Gluten-Intoleranz hatten vorab den Speiseplan nach Hause mitgekriegt und brachten entsprechende Alternativprodukte mit, wie glutenfreie Crème-Pulver, Teigwaren aus Mais, halb gebackene Pizzaböden, spezielle Cereals für das Frühstück. Für alle drei wurde statt Béchamel nur Sahne zur Lasagne gegeben. Sahne und Butter war auch für die Lactose okay, da der Milchzucker in der wässrigen Phase verbleibt. Milch, Quark, Joghurt und Käse waren nicht erlaubt.
Für die beiden mit Gluten-Allergie wurden statt der Käseknöpfli zwei Portionen Mais-Spaghetti zubereitet, und bei der Gerstensuppe erhielten sie eine schöne, durch mich mit Freude zubereitete Suppe mit Gemüse-Brunoise und Maispasta-Einlage, ohne Knorr Bouillon-Pulver. Beinahe bei jeder Kochaktion musste aufgepasst werden, ja nichts falsches zuzugeben, also ja beim Anbraten von Hackfleisch kein Mehl zugeben, keine Croutons zum Salat, die richtigen Lasagneblätter verwenden, nichts verwechseln!
Vor meiner Küchenhelfer-Woche kommentierte Robert, warnte mich, eine Hauswirtschaftslehrerin koche anders als ein Koch. Hat was an sich. Ich traute mich nicht, meine sehr nette Chefin zu fragen, ob sie zuhause neben dem offiziellen Schul-Lehrmittel “Tiptopf”, das immer griffbereit in der Küche lag und rege konsultiert wurde, noch andere Kochbücher habe. Ein zusammen mit einer Hauswirtschaftslehrerin kochender Erwachsener kriegt zu spüren, dass eine Lehrperson dieser Fachrichtung viel Zeit ihres Lebens mit Kindern in der Küche verbracht hat und immer noch verbringt. Sie versäumte selten, mir mit guten Ratschlägen die Arbeit zu erleichtern. Sicher sei sicher, dachte sie wohl, wer weiss, wie der Erich ohne Anweisung die Zwiebeln schneide, das Hackfleisch anbrate, die Sauce auf die Lasagne schöpfe. Einmal, als ich beim Rösten von Croutons angewiesen wurde, nicht noch mehr Butter zu nehmen, und es dann arg trocken aussah, fragte ich meine Chefin, ob sie nicht im anderen Raum nach der Pizza schauen wolle, sprintete zur Olivenölflasche, gab etwas Öl zu, stellte sie zurück, schaute an die Decke und pfiff vor mich hin. Als sie zurück kam, nahm sie ohne in die Pfanne zu schauen die Ölflasche und wollte Öl zu meinen Croutons giessen. Breites Grinsen meinerseits und Beichte war die Folge.
Hin und wieder konnte ich eine Spitze nicht verkneifen, sagte, ich frage sie etwas, weil ich es so machen wolle, wie sie es wünsche, nicht weil ich nicht wüsste wie, sagte, es sei mir noch nie etwas in der Bratpfanne schwarz geworden, wenn ich dabei gestanden sei, sagte, ich sei nicht ins Lager gekommen, um die heute auch für Buben obligatorische Kochschule nachzuholen. Meine Chefin war, ich wiederhole mich gerne, sehr freundlich, nett und umgänglich, ich würde mit ihr wieder in ein Lager fahren, weil ich sie jetzt kenne und sie mich, aber mit einer anderen Hauswirtschaftslehrerin nur, sofern sie unter 30 wäre, bei einer älteren hätte ich Bedenken, sie fahre zu stark in ihrem Karrengeleise. Lieber jedoch übernähme ich die Verantwortung für alles, Speiseplan, Einkauf, Organisation.
Bei Ruedi Loretz im Bergrestaurant Schönbühl, im Skigebiet von Wangs-Pizol im St.Galler Oberland, war unsere Gruppe bestens untergebracht. Wir hatten eine Küche allein für uns, abgetrennt von der Restaurantküche.
Die Küche war für unsere Zwecke ideal eingerichtet, und auf der anderen Wandseite waren zusätzlich noch mechanisch kippbare Kochtöpfe für schätzungsweise bis weit über 100 Personen. Freude machten auch die beiden walk-in Freezer und Fridge.
Wir teilten den Dampf-Ofen, von Gisi, kein Manzfred, mit dem Restaurant. Der Ofen ist phantastisch, mit verschiedensten Programmen, massiver Dampfentwicklung zum Dämpfen, auch während des Backens, sofern gewünscht.
Brot vom Vortag oder auch gefrorenes wurde in einer Weise regeneriert, dass es kaum von frischem zu unterscheiden war.
Der ebenfalls mit dem Restaurant gemeinsam benützte Geschirrspüler war ein Hit, die gesamte Anordnung für den Warenfluss war ideal abgestimmt: Trays füllen, reinschieben, raus auf die andere Seite, neue rein, los, ein Zyklus in etwa 3-4 Minuten.
Begleitmusik
Sein Harfenspiel klingt teils (rar) sehr anders als vor 30 Jahren, leider sind aber viele Stücke im uralten Sound dabei, schön, wo ist die Entwicklung? Hier reinhören


17 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Januar 31, 2010 um 07:50
alissa
Toller Bericht den ich mit viel Schmunzeln und Freude gelesen habe… schön was man so alles in der Küche einen Skilagers für Teenager lernen kann! Das ist eine schöne Bereicherung Deiner Kocherfahrungen naja und ein Brühwürfel wird sicherlich gerahmt einen Platz in Deiner Küche finde ebenso wie das berühmte Kochbuch
)
Januar 31, 2010 um 08:30
lamiacucina
Eine interessante Erfahrung. Auch ich musste schmunzeln. Die Tiptopf-Bücher sind in der Kochschule, die ich besuche, die einzigen Kochbücher, die ich bis jetzt gesehen habe. Die Unterweisung von Jugendlichen braucht offensichtlich andere Lehrmittel.
Januar 31, 2010 um 10:35
Bolli's Kitchen
was soll denn der teppich vor dem Herd?
Beim nächsten dann mal Pension all incl…..
Januar 31, 2010 um 11:22
Peter
War sicher ein schöner Aufenthalt!
Januar 31, 2010 um 11:32
chriesi
Die Berge sind wunderschön! Es war sicher eine tolle Zeit!
Januar 31, 2010 um 14:14
Toni
Interessanter Bericht, schön zu lesen
! Das ist mal eine ganz andere Art zu kochen.
Dass hungrige Teenager in allem die Gemüsebouillon-Pulver von Knorr brauchen bezweifle ich…
Januar 31, 2010 um 17:31
Jutta
Da habe ich auch schmunzeln müssen und kann mir richtig vorstellen, wie du verschmitzt die Chefin aufs Glatteis (oder den Pulverschnee) geführt hast. Stell dir vor, du verdirbst die Kinder und sie wollen dann nur noch ohne Geschmacksverstärker Gekochtes essen
Kein Manzfred? Oh je! Aber das wäre sowieso nicht das richtige Gerät gewesen. Der Dampf im Manzfred entwickelt sich aus den Speisen selbst und wird nicht zugeführt. Allerdings habe ich einen Miele-Combi-Dampfgarer, der kann das schon mit dem Regenerieren. Aber bestimmt nicht so professionell wie das Gerät in der Restaurantküche. Für den Hausgebrauch bin ich aber recht zufrieden.
Ich bin auf die Fortsetzung gespannt, ob du tatsächlich einmal für die Küchenorganisation zuständig sein wirst. Wenn ich Kind wäre, mir würde es bestimmt gefallen. Sonst aber auch.
Februar 1, 2010 um 10:45
Erich
@alissa: Ich bin zur Zeit am Fertigen eines Bilderrahmens, aber da kommt kein Brühwürfel hinein, nie und nimmer
@lamiacucina: Bist Du als Kochlehrer an der Kochschule? Tiptopf ist das Kochbuch, das in den Kantonen SG und TG und vermutlich auch anderen im Kochunterricht der öffentlichen Schulen verwendet wird. Ich möchte das Buch nicht schlecht machen, es ist perfekt für den Level der Jugendlichen, vermittelt die Grundlagen wie Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden, Nudeln kochen, Tomatensauce oder Geschnetzeltes kochen.
@Bolli: Ich wunderte mich auch, stand auch drauf beim Kochen, spürte wegen meiner Clogs aber keinen Unterschied ob drauf oder daneben. Vermutlich ist der Teppich für dasselbe gedacht wie ein langer Streifen Wellpappe vor der Spüle, zur Verhinderung von Ausrutschern auf dem glatten Boden.
@Peter, chriesi: Ja, war es.
@Toni: Ja, brauchen tun sie sie sicher nicht, die Knorr-Pulver, könnten gut ohne überleben.
@Jutta: Ich hatte mir den Manzfred als Kombi-Steamer-Ofen vorgestellt, in dem ohne oder mit Dampf gebacken oder gedämpft werden kann, letzteres natürlich nicht ohne Dampf. Für einen Miele-Combi-Dampfgarer bin ich seit langem immer mal wieder am Lobbyieren, kam aber noch nicht ans Ziel: “Brauchen wir nicht, das Brot wird ja auch in unserem Backofen fantastisch”.
Geduld bitte, die Lagerküchen-Forts. kommt vielleicht erst nächstes Jahr.
Februar 2, 2010 um 16:16
Suse
Irgendwie beneidenswert, irgendwie auch nicht. Beneidenswert die Umgebung, der Schnee, die Sonne, die klare Luft, das Skifahren und auch irgendwie die Kocherei in einer Großküche.
) und die Zusammenarbeit mit einer wenn auch liebenswerten, anscheinend belehrungsresistenten Hauswirtschaftlerin. Das geht wohl nur mit einer gesunden Portion dickem Fell (ist hier natürlich ausschließlich postiv gemeint)
Weniger beneideswert die Umstände des Tiptopfbuches (wirklich sehr putziger Name
Ich könnte das nicht und würde wohl mit der Dame das ein oder andere Mal anecken, wenn ich meinen eigenen Dickkopf durchzusetzen versuche. Kompliment für deine Leistung!
Februar 2, 2010 um 18:36
Erich
@Suse: Ich hatte nie die Absicht, meine Chefin zu belehren, nahm mir im voraus vor, meinen Job als Küchenhelfer so gut ich konnte ohne Dreinreden zu erledigen, so sind wir nie aneinander geraten.
Ich bin ja auch keine Frau
Februar 2, 2010 um 20:01
Suse
“Ich bin ja auch keine Frau”
=> Ich wollte das ja nicht so deutlich sagen, aber genau das habe ich so bei mir gedacht und es quasi zwischen die Zeilen gepackt, was du sehr fein herausgelesen hast. Das nenne ich “Frauenversteher”! Und damit ist auch klar, warum du dich so gut in der Großküche geschlagen hast….
Februar 2, 2010 um 20:59
Buntköchin
Ich bin auch gerade Skifahren. Allerdings das Kontrastprogramm zu eurem Speiseplan. Viele Miniportionen vom kreativen Koch. Das kann ich mir gut vorstellen, dass es sehr aufwendig ist die Ernährungsbedürfnisse so vieler Personen unter einen Hut zu bringen. Der Speiseplan bei euch ist ja wirklich ohne Risiko. Das isst ja jedes Kind oder Jugendlicher. Eine schwierige Klientel. Asiatisch und mit Stäbchen essen kommt bei dieser Altersgruppe auch oft gut an.
Februar 5, 2010 um 08:56
Schnick Schnack Schnuck
Oha, die Versorgung der ganzen Rasselbande ist sicher nicht einfach. Kein Vergleich zu unserer Kochgruppe.
Februar 5, 2010 um 10:51
Ariana
Sehr interessante und unterhaltsame Geschichte mit tollen Fotos – witzig dass manche Leute ihr Verhalten nicht den Umständen anpassen (Kindern muss man beim Kochen helfen, einem erwachsenen Koch eher nicht), sondern dasselbe Verhalten konsequent durchziehen
Februar 20, 2010 um 03:55
kulinaria katastrophalia
Köstlich, die Küche quasi vor Augen kann das Leid nachempfunden werden, unsere LehrerInnen kochten mit Vorleibe Dosengulasch vom Discounthandel für uns, da ist das ja schon das Paradies.
Februar 21, 2010 um 14:03
duni
Ich glaube, das ist ein Grundproblem von Schule: Herausforderungen sind immer gleich Probleme und zu deren Bewältigung gibts nur eine einzige, vom Lehrer autorisierte Lösung! Obs da um Matheaufgaben geht, für die es selbstverständlich nur einen einzigen Lösungsweg geben darf oder um das Rösten von Croutons…
Mai 20, 2010 um 17:54
Gottfried
Köstlich, wirklich köstlich.
Bin ziemlich zufällig auf diesen Beitrag und die zwischenzeitlich fast lieb gewonnene
Hauswirtschaftslehrerinnenpassage gestoßen und deshalb wieder mal recht spät dran.
Vermutlich wäre dies eine seltene Gelegenheit gewesen, bei der das Zusehen, na ja das Zuhören mehr Spaß machen könnte als das Kochen. Schätze mal, dass deine Kommentare den Freunden des „Trockenen“ manchen Schenkelklopfer wert gewesen wären. Nur halt nicht der „Durchdrungenen“.
Solltest Du die Wahl haben, dann mach das nächste Mal ruhig wieder die „Hilfsdienste“ und berichte dann episodenweise.