Kürzlich hatte ich das Vergnügen, frischen, selber zubereiteten Graved Lachs zu kosten, beim Umschichten zuzuschauen und mir die Herstellung erklären zu lassen. Ein Augenschmaus! Georg aus Deutschland hatte zu unseren Freunden 4 Lachsseiten mitgebracht, die er bei ihnen im Keller zu Graved Lachs reifen liess.
Der Lachs wird längs halbiert, der Kopf abgetrennt, die Rückenknochen entfernt. Darauf werden alle Gräten mit einer feinen Zange herausgezogen. Um die Gräten zu erwischen, wird der Fisch am besten mit der flachen Hand wie ein Kätzchen gestreichelt. Zarten Händen entgeht kein noch so feines Grätchen seinem Schicksal. Im vorliegenden Fall bewies das Fehlen von Gräten im fertigen Produkt, dass auch starke Hände sanft sein können, ein Nachweis, den ich jedoch lieber anders erbringen würde
Zutaten
2 grosse frische Lachse, ausgenommen
Salz (mehr), Zucker (weniger)
Wacholder-Beeren
Senfkörner
Dill (reichlich, siehe Bild)
Petersilie
Zitronen-Zesten
Zubereitung
Die entgräteten Lachsseiten mit allen Zutaten einschmieren, in eine flache Schale legen, mit Alufolie abdecken, ein passendes Brett drauf legen, Steine von 3 kg als Beschwerung oben drauf und ab in den kühlen Keller. Die Lachsseiten täglich umschichten. Nach mindestens 60 Stunden Reifezeit ist der Graved Lachs ein Leckerbissen erster Güte. Obiges Bild wurde am Abend des 3. Tages aufgenommen.
Dazu werden Saucen und Brot gereicht. Georg macht dazu eine Sauce mit Dill, Senf und Olivenöl, zubereitet wie Mayonnaise und eine mit Meerrettich und saurer Sahne.
Georgs Graved Lachs, zusammen mit von Hans aus Kanada mitgebrachtem, war Teil der Verköstigung am öffentlichen Lunchbuffet der Hochzeitsfeier von Damaris & Fabian.
100 Gläschen mit Dip-Gemüse war unser Beitrag, auf Bestellung, wir hätten auch gerne etwas exklusiveres gebracht. Als Dip-Basis nahm ich 2 Teile Crème Fraîche, 2 Teile Quark mit 20% Fett und 1 Teil Milch, bei der Milchzugabe auf die Konsistenz achten. Frisch gewaschene Petersilie bringt Wasser mit.
Das junge Brautpaar ist nach der Kirche sichtlich überrascht über die unerwartete Kutschenfahrt.
Begleitmusik
Traveling Wilburys Vol. 1, 1988
Die Traveling Wilburys waren eine Supergroup bestehend aus George Harrison († 2001), Jeff Lynne, Roy Orbison († 1988), Tom Petty und Bob Dylan. Sie bestand zwischen 1988 und 1990 und produzierte zwei Studioalben.
Aus Wikipedia folgendes:
Graved Lachs oder Gravlax heißt wörtlich übersetzt „Eingegrabener Lachs“. Diese natürliche Methode, den frisch gefangenen Lachs einige Wochen haltbar zu machen, entdeckten die Skandinavier schon vor Jahrhunderten.
Die Fische wurden nach dem Ausnehmen mit den Beizstoffen eingerieben und dann für mindestens drei Tage in Strand- oder Erdlöchern vergraben (graved) und mit Steinen beschwert. Durch den physischen Druck und den osmotischen Druck der Beize wird Wasser aus dem Lachsfleisch herausgezogen. Zugleich fermentiert der Fisch dabei etwas. Durch Trocknung und gutartige Fermentation finden andere, Fäulnis bewirkende Mikroorganismen keine guten Lebensbedingungen mehr, wodurch die längere Haltbarkeit erreicht ist.
Heute wird der Fisch nicht mehr vergraben, sondern nach Anbringung der Beize zur Reifung einige Tage lang in Kühlhäusern gelagert. Eine Fermentierung findet wegen der Kälte nicht statt, und der Fisch wird bei der modernen Methode auch nicht ganz so trocken wie in der traditionellen Herstellung.
Echter Graved Lachs wird nicht geräuchert, die Haltbarkeit wird allein durch das Beizen erreicht.


13 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Februar 10, 2010 um 18:16
chriesi
Genial!
Februar 10, 2010 um 18:18
Buntköchin
Das wollte ich auch schon immer mal machen. Aber da braucht man dann viele Leute, die das aufessen. So eine fette Scheibe Lachs pur kann ich jederzeit vertragen, aber so ein ganzer Fisch ist wohl doch zuviel für mich.
Februar 10, 2010 um 19:14
Suse
Ja, das ist wahrlich ein feines Essen, wenn der Lchs dann möglicherweise noch selbst gefangen ist…es gibt wohl nix feineres.
@Buntköchin
du musst nicht gleich einen ganzen Lachs verarbeiten, es geht eben so gut mit einem kleineren Stück. Es ist nur wichtig, dass du zwei möglichst gleich große Lachsstücke nimmst, die du mit der Fleischseite aufeinander legst.
Februar 10, 2010 um 20:50
kochundbackoase
So zubereitet kenne ich Lachs aus Irland. Ein Kollege hat dort selber Lachse gefangen und gebeizt.
Jetzt merke ich, wie sehr mir der Geschmack fehlt
Februar 10, 2010 um 21:05
lamiacucina
Da habt ihr einige Säcke Rüebli und anderes Gemüse geschnitzt ! Grave L. hab ich noch nie gemacht. Uns ist das auch immer zuviel, obwohl wir bei Rauchlachs ordentlich zupacken können.
Februar 10, 2010 um 23:46
Erich
@chriesi: jo gell, denki au
@Buntköchin: Nur eine Seite kaufen, einige Wochen haltbar, Freunde einladen, Brot und Wein dazu, kein Problem
@Suse: Für das Selberfangen wäre Kitchenroach’s Haus gut gelegen, denke ich. Diese Seiten kamen vom Fischhändler, in Karlsruhe, glaube ich.
@Christel: Wirklich lecker, mmmh!!
@Robert: Nicht so schlimm, das Schnipseln, so lange die Messer scharf sind. Messerschleifen lernte ich von Georg auch, von Hand, mit Steinen immer feinerer Körnung, super.
Bezgl Lachsmenge s. mein Kommentar nach Wien, Graved Lachs ist so gut, den kriegst Du immer weg.
Februar 11, 2010 um 08:22
Bolli's Kitchen
ich mache das auch immer, manchmal auch nur mit wenig Lachs, das geht auch. Als Antwort auf Robert……..
Februar 11, 2010 um 10:50
Milliways
*neid*
An so ein tolles Stück Fisch habe ich mich bisher noch nicht herangewagt… aber ich hätte wohl auch nicht die Geduld dafür;).
Februar 11, 2010 um 11:52
alissa
Sehr schön Erich das sieht spitze aus
In Canada ess ich auch sehr gerne Graved Lachs von wild gefangenem Lachs oder Sockeye Salmon… Ich habe es mal vor langen Jahren mit meinem Ex-Schwager selbstgemacht – so ein mit Liebe gemachter Graved Lax ist eine Delikatesse….
Februar 11, 2010 um 13:52
Claus
Ist ne super Sache, hab ich auch schon oft gemacht, geht auch mit anderen Fischen…
Februar 11, 2010 um 18:34
Isi
Prima, ich mag das sehr. Mache ich meistens um die Weihnachtszeit, da esse ich am liebsten Lachs. Demnächst wollte ich es mal mit Saibling probieren.
Eure “Dip-Parade” schaut ja super aus.
Februar 11, 2010 um 23:36
Erich
@Bolli: Dachte ich mir. Und Du beschwerst dann auch mit 3 kg, vermutlich Steine.
@Milliways: Geduld braucht es nur, wenn frau mit dem Reinhauen nicht 60 Std warten kann.
@alissa: Nach Canada zum Lachsfischen möchte ich auch gerne mal.
Februar 17, 2010 um 22:51
Mestolo
Ich dachte schon, Du hättest Lachs eingegraben, als ich die Überschrift las…
Schönes Rezept.