Im KS warteten 15 bereits zugeschnittene Blätterteig-Quadrate, die übrig geblieben waren, weil sich zwei Esser weniger als geplant eingefunden hatten, auf Verwertung. Ich wollte Teigtaschen mit einer interessanten Fülle. Fleisch war gerade keines vorhanden, also dachte ich an Prawns, ging zum Freezer und sah eine angebrauchte Packung Seelachsfilets, OK, so wurde es Fisch.
Zutaten für 7 Taschen (2 Personen)
2 Seelachsfilet, in Quadrate von 1 cm geschnitten
Ricotta oder anderer sahniger Frischkäse
Zitronensaft
1 TL rote Chili, gehackt
Dill, reichlich
Salz, Pfeffer, Aceto Balsamico
Paniermehl (falls nötig)
1 Ei, in Eigelb und –weiss getrennt
14 Blätterteigquadrate, ca.8-9 cm Seitenlänge
Zubereitung
Backofen auf 225 °C vorheizen.
Fischfilet, Frischkäse, Zitronensaft, Chili, Dill vermengen. Ein Faden Balsamico dazugeben (bei mir erstmals von richtigem, einer sehr teuren Sorte). Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Gemenge soll nicht auseinander fliessen. Bei mir wurde es etwas dünnflüssig, vielleicht zuviel Zitronensaft, so dass ich Paniermehl beifügen musste.
7 Blätterteigquadrate auf Backfolie im Backblech legen. Je ein Häufchen des Gemenges draufgeben, den Rand frei lassen. Teigrand mit Eiweiss bepinseln, mit den anderen 7 Teigblättern bedecken und die Ränder andrücken. Mit Gabel den Deckel 2-3 mal einstechen, damit Luft und Dampf beim Backen entweichen können, mit Eigelb bemalen. 20 Minuten bei 200 °C backen.
Improvisation ist alles, was es zum Erfolg braucht. Es könnte ein anderer Fisch sein, andere Zutaten, Fleisch, Gemüse, was immer, just do it, falls Du einmal Blätterteig übrig hast. Die Fisch-Täschchen schmeckten übrigens ausgezeichnet. Da ich 3 Filets hatte und die Menge an Gemenge
zuviel war für die vorhandenen Blätterteigquadrate, vermengte ich das übriggebliebene Eiweiss und -gelb mit dem Gemenge und briet es wie eine spanische Tortilla oder einen Fischburger, auch lecker, assen wir als Vorspeise zum Salat.
Zu den Täschchen gab es Spitzkohl Federkohl, direkt aus dem verschneiten Garten. Hier links der noch unberührte Kohl, rechts Rosenkohl, kommt Zeit, kommt Verwertung, er leidet in der Kälte nicht.
Wo kommen aber die Wühlmäuse ins Spiel? Wohl kaum als Beilage auf den Tisch, jedoch als Beilage zu diesem Bericht, um meinen Frust loszuwerden und über das zu berichten, was ich vorher nicht wusste. Helen hatte bereits am Vortag gesagt, mit dem jungen Feigenbäumchen, einem Abschiedsgeschenk von Arbeitskollegen, es sei irgendwas nicht in Ordnung, es stehe nur lose. Bei der Kohlernte sah ich den Feigenstrauch liegend, alles Wurzelwerk war abgefressen, unter dem Stamm ein grosses Loch mit 2 Seitengängen.
Die Internet-Recherche deutet auf Wühlmäuse oder vielleicht eine Schermaus hin. Schermäuse machen Erdhügel mit dem Auswurf, und solche gibt es bei uns nicht. Die Wühlmäuse seien eine grosse Plage, würden ganze Obstplantagen derart zurichten wie unsere Feige, und ein Hobbygärtner klagte, alle seine Sträucher seien wegen ihres Wurzelfrasses abgestorben.
Ein versöhnlicher Abschluss: Die Kohlernte gab Anlass zum Kochen einer Gemüsebrühe, die zu Fond reduziert und portionenweise eingefroren wurde, in Einweg-Bechern, wie bereits die Kalbs- und der Hühnerfonds. Einige EL der Brühe gingen natürlich an den gedämpften Kohl.
Begleitmusik
Super Trio – Corea, Gadd, McBride, 2006 Live at the World Theater in Austin Texas on April 3, 2005


22 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Februar 18, 2010 um 08:08
chriesi
Jez bini e chli verwirrt! I ha am letschte Samschtig im Bioläderli Federkohl gseh, aber ha nöd kauft will i nöd wirkli gwüsst ha was i damit mache sött. Jez hasch mi inspiriert aber e Frag: Isch das uf em Teller jez Spitz- oder Federkohl?
Februar 18, 2010 um 08:21
lamiacucina
Pikantes Gebäck ist auch bei uns sehr beliebt. Wir nennen es nur nicht Samosa. Die Wühlmäuse wissen offenbar zwischen Feigen und Kohl zu unterscheiden. Im Jura hatten mir letztes Jahr die Wühlmäuse unter dem Schnee alle Graswurzeln einer Wiese abgefressen. Das sah nach der Schneeschmelze aus wie ein umgepflügter Acker.
Februar 18, 2010 um 08:31
Suse
Wülmäuse können in der Tat eine Plage sein. Ich hätte aber nicht gedacht, dass ich im Winter ebenfalls ihr Schabernack treiben.
Bist du sicher, dass du Spitzkohl verwendet hast? Mir sieht das eher wie Grünkohl aus.
Februar 18, 2010 um 09:16
Nathalie
Warum komme ich nicht auf die Idee, meine Blätterteigtaschen mit Fisch zu füllen? Ich denke da irgendwie nur an Fleisch.
Februar 18, 2010 um 09:39
Erich
@chriesi: I am so sorry for my mistake! Es isch natürli Federkohl, Spitzkohl hani no nie im Garte gha, nur scho gchauft, Hirnverwirrig. Ufem Teller isch gschnittene und dämpfte Federkohl.
@Robert: Samosa ist nicht korrekt für diese Art Täschchen. Samosa sind indische Dreiecks-Krapfen mit Bläschen in der Oberfläche, frittiert, auch nicht Blätterteig. Der Name Samosa, der auch zB in Burma verwendet wird für Curry-Puffs und dergleichen, gefällt mir gut und klingt exotisch, deswegen.
Ich kann mit Dir mitfühlen wegen der Mäuse, jetzt, nach meinem Schaden. Dass sie kleine Graswürzelchen abfressen hätte ich noch erwartet, aber nicht dickes Wurzelholz, wie Biber einen Baumstamm. Was hast Du gegen die Wühlmäuse unternommen?
@Suse: Im diesjährigen harten Winter kriegen die Mäuse vermutlich wenig Körnchen und so, also wird am Holz genagt. Füttern, Körner und Käse auslegen wäre die Lösung der Tierfreunde. Ich werde nach der Schneeschmelze radikalere Massnahmen ergreifen, hoffe auf gute Tips.
Natürlich bin ich sicher, dass es Federkohl ist, wie der Grünkohl in der Schweiz genannt wird. Ich entschuldige mich für mein Blackout.
@Nathalie: Das ging mir auch so vorher. Als grossen Schritt empfand ich die Idee mit den Garneelen, dann kam mir der Fisch aber gerade recht. Ich fand das Gemenge (Mischung, eine Paste ist es ja nicht wirklich) mit Ricotta, Dill und Chili sehr lecker und auch optisch ansprechend.
Februar 18, 2010 um 09:40
alissa
Die Samosas sehen super aus und die Füllung gefällt mir sehr gut!! Die Wühlmäuse dagegen weniger… ich hoffe Ihr bekommt das in den Griff…
Februar 18, 2010 um 11:04
Toni
Improvisierte Gerichte sind bei uns sehr beliebt, Deine Blätterteigtäschchen gefallen mir sehr gut. Und netter Naturkühlschrank
!
Februar 18, 2010 um 11:27
zorra
Wir hatten auch mal eine Wühlmaus im Garten. Zuerst wollten wir sie mit dem Spaten erschlagen, aber sie war zu schnell. Schliesslich mussten wir Rattengift anwenden.
Februar 18, 2010 um 11:58
Sivie
Klingt gut. Ich fülle auch immer nur mit Fleisch, aber Fisch ist hier auch nicht so beliebt.
Februar 18, 2010 um 17:45
Suse
@Erich,
)
gar kein Problem, ich hatte schon angefangen an mir selbst zu zweifeln
Menno, warum heißen die Sachen woanders immer viel netter als Zuhause: Federkohl klingt total schön…
Februar 18, 2010 um 21:47
kulinaria katastrophalia
Wahrscheinlich hat der Fisch noch nachgewässert. Blätterteig war auch schon lange nicht mehr bei uns zu verspeisen, der wird alsbalde eingelagert
Februar 18, 2010 um 23:15
Petra aka Cascabel
Hier wüten auch die Wühlmäuse, bevorzugt im Gemüsegarten und bei den Rosen
Momentan sind die verräterischen Spuren unter der Schneedecke verborgen. Ich bin gespannt, ob im Frühjahr noch Tulpenzwiebeln übrig sind… Deine Teigtaschen sehen köstlich aus!
Februar 19, 2010 um 16:46
Erich
@alissa: Mausefalle, Gas, Heisswasser, Gift, oder eine Katze oder einen Hund kaufen sind die Alternativen, die mir spontan einfallen.
@Toni: Es ist erstaunlich, wie dieses gemüse das mehrmalige Einfrieren und Auftauen übersteht.
@zorra: Gift ist meine Variante vor dem Hunde- oder Katzenkauf.
@Sivie: Nimm Gemüse und Käse, oder halt doch Fleisch.
@Suse: Er hat wohl keine Federn, ist aber luftig wie Federn, vielleicht. Für mich war Grünkohl eher das, wofür wir nur Kohl sagen, ihr aber Wirsing, in anderen Gegenden der Schweiz Wirz.
@kulinaria k.: Das mit dem Nachwässern ist sehr gut möglich, vor allem – Schande – war es aufgetauter aus dem Freezer, vielleicht vom Salz. Frischfisch wäre schöner, sollten wir öfter machen.
@Petra: Das mit den Mäuseschäden ist mir neu, vor allem hier, wusste nicht, dass viele die Plage haben.
Februar 19, 2010 um 18:58
Claudia
Schöne Idee mit dem Fisch. Das ist kochen: Schauen, was im Haus ist und gut kombinieren!
Die Wühlmäuse scheinen einen exquisiten Geschmack zu haben. Des Kohls hätten sie doch viel einfacher habhaft werden können …
Februar 23, 2010 um 18:42
Erich
Ja, dort ist der Boden lockerer und die Wurzeln sind zarter, aber sie mögen vielleicht den Lauch nicht oder den Kohl oder die Zwiebeln, oder sie sind noch nie bis zum Gemnüse vorgestossen, bleiben immer am Bort.
Februar 23, 2010 um 14:23
Susa
… und damit sind wir wieder beim Thema: Resteverwertung führt oftmals zu den kreativsten Kochergebnissen….
In unserem Freezer lagert auch noch eine Fischpackung, 20 Filets sauber aneinander gefroren. Hast Du einen Tipp, wie wir von dem fischeigen Eisblock zwei Stück entfernen können?
Februar 23, 2010 um 18:40
Erich
Das hätte ich letztes mal mit mit der Hobby-Bandsäge in meiner Garage machen sollen, machte es aber mit einem scharfen Messer, vorsichtig, damit nicht die Hälfte eines Filets am anderen bliebe, falls falsch geschnitten würde, blieb sie aber doch, deshalb nächstes mal mit der Bandsäge.
Februar 23, 2010 um 19:47
Isi
Leider habe ich ja keinen Garten. Ich bin so verrückt drauf, dass ich dich sogar um deine Wühlmäuse beneide
. Deine Fischsamosas finde ich toll. Zur Zeit kann ich schnelle Gerichte gebrauchen, das wäre eine Idee für mich.
März 9, 2010 um 15:49
Christina
Jetzt habe ich während des gesamten Rezepts überlegt, was wohl “Wühlmäuse” für eine regionale Spezialität sein könnten – bis zur Auflösung.
Auf einen baldigen Auszug der unpossierlichen Tierchen aus dem Garten!
Die Samosas gefallen mir sehr gut.
März 13, 2010 um 11:46
arthurstochter
ich liebe Blätterteig-Taschen, gefüllt mit (fast) was auch immer.
Das ist so ein Produkt, bei dem ich gerne auf TK zurückgreife, obwohl ja die, die ihn selber herstellen, dann Naserümpfend den Kopf schütteln.
März 30, 2010 um 11:01
Susa
Erich, wo steckst Du eigentlich?
März 30, 2010 um 14:11
Erich
@Susa: Danke, ich freue mich sehr über die Nachfrage. Ich stecke nicht in der Ferne, sondern hier, im Garten, am Duscherenovieren, im Fitness Center, am Lesen. Ich weiss, mein Blog ist vernachlässigt. Es ist wie mit jeder anderen Sucht, nach einigen Tagen oder einer Woche Abstinenz ist die Sucht schon fast besiegt, Rückfälle sind aber jederzeit möglich. Zur Zeit bin ich immer noch “food-blog-trocken”, möchte aber doch gerne wieder mal was publizieren. Bildchen machte ich hin und wieder, heute Mittag gerade von einer Rinderzunge, mmmh, oberlecker, erstmals selbst gekocht, im ganzen Leben vielleicht 2 mal gegessen.