Helen isst keine Kutteln, ihre Mutter jedoch gerne, und ich auch. Die Schwieger dient mir bestens als Mitesserin von Nierchen, Leber, Kutteln, auch ansonsten ist sie nett. Ohne sie hatte ich ab und an, eher selten, weil ich nicht Kutteln essen will mit jemandem, der sie nicht mag und die Nase rümpft und neben mir demonstrativ Gemüse isst, gefrorene Kutteln im Grossmarkt gekauft, weil ich sie beim Metzger nur mit Vorbestellung erhalte und somit gefroren kaufe und dann der grossen Menge wegen auf der Bandsäge in drei Teile schneide und zwei in den Freezer lege. Aber diese Woche ist sie ja hier, also gab es frische Kutteln, unterwegs auf der Motorradtour in einer Metzgerei in meinem Geburtsort gekauft, nicht in der, in die mich meine Mutter jeweils Posten schickte, die ist mangels Kunden zu, sondern in der noblen im Dorfzentrum. In die Migros durfte ich als Kind eines Gewerbetreibenden übrigens nie, und heute ist mir die Migros noch nicht sympathisch. Ich fahre hingegen ohne schlechtes Gewissen über die nahe Grenze zum Discounter, im Dorf gibt mir ja auch kein Gewerbler Aufträge und Verdienst.

Für uns zwei waren etwas über 400 g reichlich, für zwei gute Esser knapp genügend. Eine Zwiebel, fein geschnitten, andünsten in Erdnussöl, macht den Anfang. Vom Metzger vorgekochte geschnetzelte Kutteln dazu, etwas mitdünsten, ablöschen mit Weisswein, einem günstigen Sauvignon Blanc in meinem Fall, der Rest für den Koch. Eine Tomate in kleine Stücke geschnitten dazugeben, sowie, nun kommt das Indische: Haldi (Kurkuma, Turmeric), Kreuzkümmel zerstossen, Methi (Bockshornklee), Kalinji Seeds, Mangopulver, etwas Chili. Salz und Pfeffer natürlich.

Köcheln lassen bis es gar ist.
Geplant war nichts, ausser, dass es Kutteln sein sollten. Indisch wurde es, weil ich mich an die Rekrutenschule erinnerte, an den Tag, an dem ich das erste mal Kutteln mochte. Ich hatte beim Rüsten und Kochen mitzuhelfen, und nebst einem Riesenberg Zwiebeln, die ich unter Tränen geschält und geschnitten hatte, wurde eine Riesenmenge Kümmel an die Kutteln geschmissen, klar brauchte es viel Kümmel bei 120 Rekruten. Kümmel, so bieder, warum nicht Kreuzkümmel? Und da waren auch alle anderen indischen Gewürze in der Blechdose. Deshalb. Und es war gut so. Mal anders, wird aber wiederholt, in ähnlicher Weise.

Vielleicht essen die Inder gar keine Kutteln. Sicher die Vegetarier in Gujarat nicht und sicher auch die Hindus im allgemeinen nicht, weil die Kutteln ja von Rindern kommen, respektive in Indien von heiligen Kühen. Nicht mal ernsthafte indische Muslime hätten mit mir diese Kutteln gegessen, denn Innereien sollen auch nicht Halal sein, und wenn sie es bei richtiger Schlachtung auch wären, so wären es schweizerische Kutteln ohnehin nicht, denn Schächten ist in der Schweiz nicht gestattet, so wenig wie der Bau von Minaretten, ersteres seit einer aus Tierschutzkreisen eingereichten Verfassungs-Initiative und deren für die verkappten Judengegner erfolgreichen Volks-Abstimmung 1892, letzteres seit der von Rechtspopulisten eingereichten Initiative und darauf erfolgter Abstimmung im letzten Jahr. Es ist da noch einiges anderes neben diesen beiden Schändlichkeiten, wofür die Schweiz sich schämen sollte, und es viele Schweizer auch tun. Die direkte Demokratie hat ihre guten Seiten, ist aber auch nicht die perfekte Lösung, nicht einmal für die kleine Schweiz.

Begleitmusik

Paco Lucia/John Mc Laughlin/Al di Meola, 1996
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