Das Rezept dieser Sauce ist so wenig katalanisch wie die Zutaten, soweit ich weiss. Die Sauce nenne ich so, weil ich 5 Minuten nach meiner Rückkehr aus Barcelona mit Kochen begonnen habe. Unmittelbar nach 2400 km Autofahrt hin und zurück innert 32 Stunden, von Sonntags zehn Uhr bis Montags sechs Uhr, zwecks Heimholung eines wegen der Aschewolke stecken gebliebenen Sohnes mit Freundin. Der verlängerte Rücken und der Rücken selbst lassen grüssen. Die beiden waren am Samstag von Malaga aus noch bis Madrid geflogen, kriegten für den Sonntag mit Glück noch einen Zug nach Barcelona, wo sie am Flughafen auf mich warteten. Um Neun Uhr abends traf ich dort ein. Ein GPS ist gut, aber aufgepasst bei Autobahnausfahrten mit mehreren Verzweigungen, schwupp und man ist auf einer anderen Autobahn, auf der es erst nach8 km wieder eine Ausfahrt zum wenden gibt. Das Malheur passierte mehr als einmal, und einmal fuhren wir hinter dem Hotel durch, konnten aber nicht hin. Nach mehreren Schleifen gab es vor dem Schlafen noch 2 Glas Tinto und ein Sandwich, wenigstens mit Jamón Serrano, lamentable, la cocina está cerrada.
Über die Schliessung des Luftraumes will ich mich nicht weiter äussern, als dass ich denke und von Beginn weg dachte, bevor die Lufthansa sich ausliess, die Sache sei massiv übertrieben, gut, als Laie bei dem blauen Himmel und den weissen Wolken auch nicht verwunderlich. Ich frage mich, wieso der Sahara-Staub, der oft bis in die Schweiz und nach Süddeutschland kommt, in grossen Mengen, die auf Fenstersimsen und in Schneeprofilen gut sichtbare Spuren hinterlassen, den Flugverkehr seit Beginn der Fliegerei nie beeinträchtigte.
Das Rezept publiziere ich hier vor allem, um wieder einmal Mut zur Improvisation zu machen. Gut, auch weil ich fand, dass es gut war. Schon auf der Rückfahrt dachte ich an Pasta, nach zwei Tagen Brot mit Wurst und Käse verständlich, und an den bereits schön gewachsenen Liebstöckel im Garten, von dem ich am Samstag ein Blättchen gekaut und für Pastasauce geeignet befunden hatte, obwohl noch nie von solcher gehört. Auf die kleinen Shrimps kam ich wegen der zuvor zur Abrundung zugegebenen Sardellenpaste.
Zutaten
320 g Penne Rigate oder andere Pasta
4 grosse Stiele Liebstöckel, nur die Blättchen
1 kleine Zwiebel, gehackt
1 gr Schuss Sherry, medium dry, zum Ablöschen
100g Crème Fraîche
5 cm Sardellenpaste aus der Tube (gehackte Sardellenfilets für den Gourmet)
5 EL getrocknete kleine Shrimps (Rest aus Singapore vom März 2009, immer vergessen, endlich verwertet)
1 kl Schuss Thai Fish Sauce
Salz, Pfeffer
Zubereitung
Zwiebel in Olivenöl glasig dünsten, mit Sherry ablöschen, Sardellenpaste dazu, Crème Fraîche dazu, verrühren, Shrimps beigeben und einige Zeit sachte köcheln, gekochte Penne dazu geben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und zuallerletzt den geschnittenen Liebstöckel beigeben, alles vermengen und servieren.
In der Mitte auf den Penne liegt ein Häufchen frisch im Garten gepflückter Blattspinat, nur mit 2 Zehen Knobli und Salz sehr kurz bis zum Zusammenfallen gedämpft (2-3 Minuten).
Liebstöckel, der wegen seines an die braune Maggi-Würze erinnernden Geschmacks bei uns auch Maggikraut genannt wird, passt überraschend gut zu Pasta und zu der maritimen Komponente.
Begleitmusik
Piano Jazz (My Jazz), various artists
Hörbare CD, sehr günstig online beim grössten Fluss gekauft.


17 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
April 21, 2010 um 06:17
mipi
32 Stunden Rückfahrt aus Barcelona und nur an Pasta gedacht? Das ist hart. Das Improvisationsergebnis kann sich sehen lassen.
April 21, 2010 um 07:44
Erich
@mipi: 32 Std für hin und zurück und schlafen, der Stau war nicht so arg
Damit wären wir bei dem Thema des ersten Absatzes von kulinariakatastrophalias Kommentar zu den Ostereiern.
April 21, 2010 um 08:12
Freundin des guten Geschmacks
Der Spinat aus dem eigenen Garten reizt mich am meisten.
April 21, 2010 um 09:07
Toni
Eigentlich hättest Du passenderweise etwas mit Asche posten sollen, z.B. was mit Morbier
). Die Pasta sei Dir aber auch gegönnt.
Suse hat ja erst ein Liebstöckelpesto gepostet. Deine Pasta macht mich aber auch sehr neugierig. Bisher hab ich ihn fast ausschließlich für Suppen verwendet.
April 21, 2010 um 09:53
Peter
Liebstöckel habe ich auch in Massen. Man sollte wirklich noch experimentierfreudiger sein. Das klingt wirklich gut.
Zur Aschenwolkenproblematik: Die heißen Triebwerke verwandeln u.U. den Staub in Glas, das sich dann in den Triebwerken festsetzt. Ich persönlich meine, dass Sicherheit vor Profit kommen sollte. So denken hoffentlich alle, die Familienangehörige oder Bekannte in der Luft wissen.
April 21, 2010 um 11:39
zorra
Du bist aber ein lieber Papa!
April 21, 2010 um 17:49
alissa
Solche Fahrten kenne ich… unbändiger Heißhunger und Gelüste… tolel Pasta-ich mag ja sowas sehr
April 21, 2010 um 18:12
tobias kocht!
Thai Fish Sauce und sherry, sehr interessant. Hätte ich mich nicht getraut, aber wenn du es sagst
April 21, 2010 um 19:24
Suse
Hei, das find ich doppelt super.
Endlich mal ein Blogger, der nicht über Spargel und Bärlauch, sondern über die Aschewolke und die widrigen Unstände schreibt:) Ich dachte schon, hier gäbe es niemanden, bei dem der Vulkanausbruch auch nur im geringstren Einfluss genommen hätte.
Du bist echt ein netter Papa!!!!
Naja und zweitens, fiund ich das super, dass du auch was mit Liebstöckel, dem Stiefkind des Kräutergartens gemacht hast. Wo es uns doch mit so viel Wachstum bei fast null Pflege beglückt…
April 22, 2010 um 00:40
Erich
@Freundin….: Ist auch was tolles, er ist noch vom Herbst, wächst jetzt wie verrückt, wir könnten jeden Tag pflücken, auch als Salat super.
@Toni: Suses Pesto gefiel mir auch, hätte halt die Mandeln oder die Cashew Nuts nehmen sollen. Asche, oder so ähnlich, brachte ich bereits früher, hier
@Peter: Wieso wird der Sahara-Staub über Mitteleuropa in den Triebwerken nicht zu Glas, wo Sand doch zusammen mit Asche und Hitze schon 500 v.Chr. zur Glasherstellung benützt wurde.
@zorra: Ich mache, was ich kann, machen andere auch
@alissa: bei Wasser und Brot …
@tobias: Da bei mir Weinflaschen recht schnell leer sind und ich nicht jedesmal zum Kochen eine Fl Weisswein öffne, habe ich dafür eine Fl Sherry in der Küche. Die Asiaten geben Reiswein zu, der schmeckt auch nicht wie Weisswein. Ich frage mich allerdings jetzt, was ich denn ablöschte bei dem Geköch, tat es vermutlich nur wegen des Zischens und des Aromas.
@Suse: Liebstöckel war bei mir/uns auch nicht Liebkind. Er ist es erst, seit ich, weil er jetzt als Frühwachser auffällt, einige Blättchen abzupfte und zerkaute. Liebkind ist er vermutlich immer noch nicht, wird aber öfter eingesetzt werden. Ist es überhaupt er, oder eher es? Das Stöckerl? Der Liebstöckel-Stock? Laut Duden, gerade geprüft, der od. das.
April 22, 2010 um 10:47
Claus
Verwegene Mischung, ich kanns mir gut vorstellen!
April 22, 2010 um 20:07
Isi
Och, wie lieb bist du denn. Da kann dein Sohn sich aber freuen. Improvisierte Pasta ist die beste…
April 22, 2010 um 20:13
Mestolo
Einmal quer durch den Kühlschrank sind oft die besten Rezepte
Schönes Foto!
April 22, 2010 um 21:15
Toni
Das war ja quasi vorauseilender Gehorsam
! Das Öl wollte ich auch schon lang mal ausprobieren. Eure Bedenken bzgl. Konzentration schädlicher Stoffe lassen mich aber nochmal drüber nachdenken.
April 23, 2010 um 20:30
kulinaria katastrophalia
Liebstöckl wird bei uns ab und an gerne benutzt, um ein bissl Fleischgeschmack zu fabrizieren bzw. zu unterstützen. Leider gibt es den bisweilen nur noch sporadisch, sodass wir wohl auf unserem Heimbalkon respektive Küchenfensterbrett einen großziehen müssen.
April 24, 2010 um 07:36
Erich
Vertopf ihn in einen genügend grossen Topf, der LS wächst wie verrückt, bereits früh im Frühling, wirst Deine Freude haben daran, visuell und kulinarisch.
April 24, 2010 um 17:22
kulinaria katastrophalia
Heute einen vorgewachsenen “Liebstock” erworben, der große Topf folgt!