Zu obigem Rindsfilet haben scharfe Messer wenig Bezug, denn das Fleisch war superzart, ein normales Tischmesser schnitt wie durch Butter. Zum Filet gab es Pasta mit Gemüse. Mit dabei war auch etwas Crème Fraîche.
Kürzlich las ich von einem Gemetzel bei dem Feinschneiden von geräuchtem Lachs und der guten Massnahme zur Vermeidung dessen, nämlich den Lachs vor dem Zerschneiden leicht anzufrieren. Da mit meinen Messern bei keiner Schneideaufgabe Probleme aufgetreten sind, seit mir Georg das richtige Messerschleifen beibrachte, möchte ich einen bescheidenen, in meinen Möglichkeiten liegenden, Beitrag zur Verbesserung der Messerschärfe in Bloggerkreisen beitragen.
Wer einmal mit wahrhaft scharfen Messern gerüstet und gekocht hat, will nicht mehr anders, kann nicht mehr anders.
Ich schärfe mit einem Wetzstein, nicht mit dem Stahl.
Die am häufigsten angewandte Technik ist die mit Wasser, es gibt aber auch Steine für Schleiföle. Wasser oder Öl reduzieren das Füllen der Poren des Steins mit Schleifstaub, der Staub lässt sich leichter wegspülen.
Den Stein lege ich vor der Anwendung ins Wasser, damit er sich vollsaugt.
Ich arbeite mit nur einem Stein, Hobbyschleifer mit mehreren verschiedener Körnung.
Vor meiner Bekehrung zog ich die Messer häufig mit einem Wetzstahl ab, wie es die Metzger den ganzen Tag tun, auch im Laden, wo sie den Hausfrauen damit Eindruck machen wollen. Sie waren auch scharf, meine Messer, aber nur für kurze Zeit. Mit dem Wetzstahl wird ein Grat gebildet, mit dem Grat wird geschnitten, nicht mit der Schneide, lernte ich. Beim Schliff mit dem Stein hält mein täglich für beinahe alles verwendete Messer mindestens 2 Wochen durch, bis ich es wieder kurz am Stein nachziehen muss.
Für den erstmaligen Grundschliff eines versauten stumpfen Messers verwende ich meine Schleifmaschine mit nassem rundem Schleifstein, die ich zusammen mit dem Haus vom Vorgänger übernommen habe. Die hat auf der rechten Seite auch noch einen Schmirgelstein für das ganz Grobe. Für den Hausgebrauch empfiehlt Georg statt der Schleifmaschine eine diamantbesetzte Schleifplatte, oder eine mit 2 unterschiedlichen Körnungen auf jeder Seite. Er besitzt dazu noch 4 Schleif- und Abziehsteine verschiedener Körnung, beginnt mit dem gröbsten Stein und endet mit einem sehr feinen Stein, zuletzt 6 links und rechts, 4 links und rechts, dann zuallerletzt 2 links, 2 rechts. Messerschleifen, nicht Stricken.
Hier meine Standardmesser, von links:
Kochmesser, hintere Schneidekante abgeschmirgelt & -geschliffen
chinesisches Hackmesser
Santoku Japanmesser
Tranchier- od. Filetiermesser
Weitere Messer, die einfach da sind, weil sie zum Wegwerfen zu schade sind und weil Helen lieber mit den kleinen rüstet.
Rechts ein Gemüseschnitzmesser von Helens Kochkurs in Taiwan.
So sind die Messer untergebracht, vertikal, damit die Schneide frei hängen kann, im selber gebastelten massgenauen Messerblock
Ich prüfe die Schnittqualität zuerst, indem ich das Messer hinten am Kopf rechtwinklig, wie einen Kamm, an den Haaren herunterziehe. Gleitet es über die Haare, zupft es nicht, hängt es nicht an, sind wir noch weit entfernt von einem guten Schliff. Zupft es, können wir weiter sehen, etwas feiner schleifen und weiter zum Tomatentest, am schwierigsten mit lahmen, überreifen Tomaten. Abgeschrieben, die Formulierung gefällt mir: “Wenn Du eine reife Tomate nur mit dem Eigengewicht des Messers schneiden kannst, allein durch das Ziehen des Messers, und wenn keine Quetschung zu sehen ist, dann kannst Du den Schärfvorgang als gelungen betrachten!” Versucht es mal mit Euren Messern. Bei den kleinen Rüstmesserchen kriege ich es nicht so hin, sie sind zu leicht.
Mit einem scharfen Messer schneide ich eine halbe Fleischtomate zuerst horizontal in Scheiben, dann kreuz und quer in kleine Würfelchen, immer noch schön geschichtet in Form einer halben Tomate. Dies ist nicht das Testprozedere, sondern ein Teil meines Frühstückzubereitungsrituals, Tomate, Gurke, Joghurt, Zitrone, Salz, Pfeffer.
Ich erhalte kein Werbegeld, empfehle aber einen Blick zu Dick Feine Werkzeuge, Info über das Schärfen und Infos über Messer.
Die Messerschärfenthusiasten diskutieren in Foren über Details, wie High End Audio-Freaks über den Qualitätseinfluss der Flechtart der Kupferfasern in einem Lautsprecherkabel. Bei Interesse kann gegoogelt werden. Umfassende Information zum Thema Messerschärfen bietet Leos Messerschärfseite.
Begleitmusik


23 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
April 24, 2010 um 07:22
lamiacucina
Irgendwo hab ich noch einen Wetzstein, um die Gartensense zu schärfen, der wird wohl zu grob sein ? Im übrigen schneide ich notorisch auf Graten.
April 24, 2010 um 08:16
Freundin des guten Geschmacks
Sehr beeindruckend diese Messerei! Wir haben auch so einen Schleifstein, darum kümmert sich der Herr des Hauses. Er sagt, die Körnung muss min. 1000 betragen, was auch immer das heißt.
April 24, 2010 um 09:07
Evi
Mein Vater ist so ein gewohnheitsmäßiger Wetzstahlbenutzer, die Messer bei meinen Eltern sind immer traumhaft scharf. Ich selbst habe immer Angst beim Schleifen die Messer zu versauen, kann aber mit dem Wetzstahl nicht umgehen. Furchtbares Dilemma.
April 24, 2010 um 10:08
zorra
Nun gut der Metzger kann ja auch nicht jedesmal nach hinten rennen und sein Messer mit dem Schleifstein schleifen.
Wer gerne das Lachsgemetzel sehen möchte bzw. nicht, hier ist noch der Link: http://kochtopf.twoday.net/stories/lachstartar-fein-schneiden-ohne-gemetzel/
April 24, 2010 um 18:15
kulinaria katastrophalia
Angesichts unserer stumpfen Messer hatten wir schon den Gang zu einer professionellen Messerschleiferei erwogen, aber so ein Stein hat auch was, aber da muss sich ja erst mal genauestens schlau gelesen werden.
April 24, 2010 um 18:53
Erich
Robert, auf Graten schneiden geht natürlich auch, nur ist häufiges Nachwetzen nötig, was ich jeweils auch sehr genoss, das beherrschte Fiedeln mit Messer und Stahl.
Freundin, ich habe auch nur einen und denke, für das Niveau meiner Ansprüche genüge dies, denn Rasiermesserschärfe benötige ich nicht. Die Körnung des Steins kenne ich leider nicht. Ich glaube, es gäbe welche bis 8000 oder 10000 für die Schärfe-Freaks.
Evi, bei einem meiner angegebenen Links ist eine Anleitung, mit der auch nicht so Handfertige mit dem Stahl sauber schleifen können.
Zorra, müsste er auch nicht, denn beim Steinschliff bleibt das Messer auch beim Metzger eine Tag scharf, bei mir 2 Wochen.
Kulinaria, mach das, auch die Schärf-Foren sind mindestens so interessant wie die Geheimtipps der Chüngelizüchter (Kaninchenzüchter), was heissen will, den Ausführungen irgendwelcher Freaks zu folgen ist nicht uninteressant, zu sehen, auf was für winzige Details die Kenner/Könner achten und Wert legen. Das Studium birgt die latente Gefahr ohne jetzige Absicht trotzdem nachher viel Geld für 4 oder 5 Steine inklusive eines Diamantsteins auszulegen, bei bescheideneren Ansprüchen genügt weniger, wie in meinem Fall, und vermutlich gibt es auch auf diesem Gebiet Einsteigersets.
April 24, 2010 um 20:16
Evi
Ist gebookmarkt, danke nochmal. Die Fülle der Informationen ist bei diesem Thema etwas erschlagend, ich werde zusehen, dass ich bei Gelegenheit einen laienfreundlichen Zugang finde. Bislang hatte ich einfach immer nur Angst, dass ich mir die Messer versaue.
April 25, 2010 um 10:22
Isi
Da bin ich sehr nachlässig. Ab und an erbarmt sich zum Glück A. meiner Messer, dann geht es wieder besser…
April 25, 2010 um 19:51
chriesi
Ich muss auch ein Schleifstein besorgen.
April 26, 2010 um 08:25
Claudia
Ich habe zwar einen Wetzstein, den habe ich allerdings noch nie benutzt. Wenn ich wieder zurück bin, werde ich das sicher einmal ausprobieren. Hier in Irland wird man mich in den Gebraucht des Wetzstahls einweisen. Darauf freue ich mich schon.
April 26, 2010 um 09:44
Suse
Oh man, ich hatte das schon fast verdrängt. Bei Zweifachzucker gabs auch schon so eine ähnlich ausführliche Anleitung zum “richtigen” Schärfen von Messern. Ich habs interessiert gelesen, gedacht,”OK, dann musst du dich vielleicht doch mal von dem Wetzstahl trennen” und dabei ist es geblieben.
Und nun reißt du den Schorf des Vergessens wieder auf, und bringst mein schlechtes Gewissen wieder zum Vorschein.
Das finde ich nicht in Ordnung!!!!!!!
April 26, 2010 um 10:31
Erich
Suse, meine Einführung ist ja nur die Spitze des Eisbergs oder ein Kratzen an der Oberfläche. Sei gewarnt, falls Du in die Diskussionen der Freaks eintauchst besteht Ansteckungsgefahr.
Claudia, wenn die Wetzerei mit den Steinen in Deiner tollen Kochausbildung nicht durchgenommen wird, tut das der Cookery School sicher keinen Abbruch.
Chriesi, mach das, aber Du brauchst einen groben, evtl Diamant, und einen feineren. Die Sache macht Freude! Vor allem die scharfen Messer.
Isi, da entgeht Dir was.
Evi, übe mit einem “Mauerblümchen”-Messer, das Du mit Deiner Wetzerei aufblühen lässt.
April 26, 2010 um 15:04
Toni
Und mal wieder geht’s mir wie Suse… Wir haben allerdings so ein Messerschleifset daheim, das könnte ich echt mal wieder vorkramen.
Schleifst Du das Santoku anders als die “normalen” Messer?
April 26, 2010 um 15:47
Erich
Santoku schleife ich genau gleich, halte es ein bisschen tiefer für spitzeren Schneidewinkel.
Es haut bestialisch! (schwz.dtsch haue = schneiden, abhaue = abschneiden, wir verwenden aber heutzutage auch schniede, eindialektetes Deutsch, wie viele andere Wörter auch, zB ichaufe = einkaufen, statt früher und richtig einkaufen = poschte)
April 26, 2010 um 15:54
Ellja
Ich benutze auch das Wetzstahl, mehrmals wöchentlich, ich gebe es zu. Und jedes Mal habe ich ein schlechtes Gewissen, gerade bei den teuren Messern… und hier wetzt du einfach so neue Kerben in meine Wunden?
April 27, 2010 um 11:27
Claus
Wenn man einmal den Bogen raus hat, macht´s sogar Spaß.
April 28, 2010 um 01:13
Jutta Lorbeerkrone
Also ich habe ja Angst vor scharfen Messern musste aber notgedrungener Weise ein paar wetzen lassen vor einem Jahr. Fand das ganz nett von mir mich an den Herrn zu wenden, der jede Woche hier mit seinem Fahrrad mit montiertem Schleifstein auftaucht und “arrotino” bruellt. Dem habe ich gleich 10 runtergebracht und so alles schleifen lassen, was mir in die Haende kam…und bin 30 Euro aermer geworden. Ab jezt nur noch mit Uma’s Wetzstein aus dem Rheinland, den habe ich naemlich noch!
Mai 26, 2010 um 14:09
Jutta
Bei der Volkshochschule im Nachbarort kann man über mehrere Abende lernen, wie man Messer richtig schärft. Auch mit einem (resp. mehreren) Schleifsteinen. Ich fand es faszinierend, dass man viele Stunden damit verbringen kann, sich über das Schärfen von Messern auszutauschen und hatte sogar in Erwägung gezogen, einmal einen solchen Kurs zu besuchen.
Nach deinem Bericht ist es noch interessanter geworden.
Juni 1, 2010 um 20:24
duni
Messer schleifen ist keine esoterische Geheimwissenschaft für freaks, wieder mal gilt: Usus est magister optimus! Ich nehm einen japanischen Doppelstein, schleife jede Woche, wenn man die Messer nicht so runterserfelt ( das Wort kennt jetzt wohl keiner; serfeln hiess in meiner Kindheit jener schleifende Gang auf den Aussenkanten der Schuhe, der diese bald ruinierte), reichen ein paar Handstriche.
Juni 2, 2010 um 22:24
Helen
Die Messer sind seit Einführung der Steinschleiferei immer scharf
August 25, 2010 um 23:56
cöttu
Woher hast du denn das hübsche China Kochmesser her? Wollt mir schon immer mal eins zuelege!
August 26, 2010 um 07:07
Erich
@cöttu
Gekauft, als wir in Taiwan wohnten. Mach Urlaub in China und kauf Dir eins
Ich denke, Messer-Fachgeschäfte hier verkaufen sowas auch.
April 27, 2011 um 20:34
Michael
Dies ist ein echt gelungener Beitrag zum Thema Messerschärfen. Wir selber haben gerade eine Blogparade zum Schärfen von Messern ins Leben gerufen. Vielleicht ist diese etwas für Sie oder Ihre Leser?