Montag 29.11.2010

Kurze Strecke, 120 km, oberhammer, bezüglich Töffahren und landschaftlich, endlich Berge, Reisterrassen, Flüsse, Dreck, Schlamm, Wasser in der Strasse. Von Tuguegarao nach Tabuk war die Strasse perfekt betoniert. In Tabuk sah ich in einem Bereich +/- 100m etwa ein Dutzend Apotheken, überall, dazu auch in Nebenstrassen. Danach war die Strasse eine zeitlang noch sehr gut, ich dachte schon, der deutsche Töffvermieter sei wohl 20 Jahre nicht mehr in den Bergen gewesen.

Verschiedene Abschnitte des gleichen National Highways.

Dann begann es aber, heftig, zuerst vereinzelte umgestürzte Riesenbäume, dann Erdrutsche, dann Dreck, nass, teils 10 cm dick nasser Schlamm, bis 30 cm tiefe und 5 m lange Wasserlöcher, Bächlein die Strasse hinunter fliessend. Es war lustig, challenging sometimes, aber ich schaffte alles. Hin und wieder kam ein Jeepney, voll gestopft mit Leuten, auch auf dem Dach sitzend, einige Mopeds und Lastwagen, einige Baustellen mit Baggern.

Die Strasse führte in ein Tal mit einem reissenden grossen Fluss, zuerst auf der linken, dann auf der rechten Seite. Auf dem GPS war nur noch weiss, aber verfehlen konnte ich den Weg nicht, da es nur einen gab. In Dörfern sagten mir Leute, wo es weiter ging. Unterwegs erklärte mir einer, wie die Japaner gekommen seien, was sie bombardiert hätten.

Die Menschen hier in den Bergen sind sehr freundlich, überall wurde ich gegrüsst und angelacht, nicht nur von Kindern und Frauen, auch von Männern, aber nicht von allen.

Dorf am Chico River, das nur zu Fuss über die Hängebrücke erreicht werden kann.

Ich sitze jetzt in dem nach dem hiesigen Hausberg benannten Guest House Sleeping Beauty in Tinglayan, und es regnet in Strömen. Mein Zimmer ist in einem anderen Haus, zu dem ich über eine wacklige Hängebrücke über einen Seitenzufluss gehen muss. Das Haus steht auf einer Kuppe zwischen den beiden Flüssen, vom Fenster sehe ich den Hauptfluss direkt vor mir. Das Zimmer ist das schäbigste, das ich auf dieser Reise je hatte, keine Dusche, nur ein Wasserhahn, ein Kübel und eine Schöpfkelle. Aber es geht, ich wurde sauber, und die Protektoren und Handschuhe sind auch gewaschen. Bei der Ankunft hier war ich brutal dreckig! Die Hose lasse ich trocknen und bürste sie dann ab, denn morgen wird es wohl wieder ähnlich werden, zumal es jetzt noch regnet.

Ein kleiner Teil des Chico River Valley

Erstaunlich ist, wie viele verschiedene Kirchen hier aktiv sind. man denkt sich, alle hier seien römisch-katholisch, doch ich sah jede Menge anderer Kirchen und Andachtshäuser, von Baptisten, Anglikanern, Zeugen Jehovas, Free Church of Philippines, Adventisten, Believers in Christ und noch andere, die ich vergessen habe.

Im Zelt war eine verstorbene Frau aufgebahrt.

Das Highlight war heute etwa 4 km vor dem Ziel. In einem Dörfchen war eine Menschenmenge auf der Strasse, durch die ich nur langsam fahren konnte, und alle waren am Essen fassen . Eine Frau sprach mich an, sagte, ich solle auch essen, ich sei hungrig, sie könne es sehen. Nach der Ansammlung hielt ich an und stellte meine Honda ab und ging zurück.

Hier hatten sich die Leute bereits wieder verteilt.

Sie machten mir auf einem Bänklein Platz und brachten mir einen Teller, hoch gefüllt mit Reis und verschiedenen Fleischstücken, dazu ein Schüsselchen mit Suppe. Alle assen von Hand, und auch ich erhielt kein Besteck, also los, von Hand essen übte ich ja bereits in Indien und bei Sue und V. Für viele unantastbar, gar Ekel erregend, war ein Stück Darm, das dazu noch mit grünbraunem Zeug beschmiert war, das aussah wie Darminhalt. Aber es roch okay, und alle anderen assen es auch. Schwierig war das Abbeissen, aber von Hand essend konnte ich mit den Zähnen Stücke abreissen. Andere Stücke waren vom Schwein und vom Wasserbüffel. Die Fleischbrühe schmeckte kräftig, nichts von Maggi oder Knorr. Die Frau sagte, es sei Tradition, dass alles aufgegessen werde, es handle sich um ein Leichenmahl, eine 80-jährige Frau sei gestorben. So stopfte ich mich halt voll. In einer schmutzigen PET-Flasche wurde Wasser gereicht, Quellwasser vom Berg. Was Dich nicht umbringt, macht Dich stark.

Einige Männer in meiner Gruppe begannen kauernd und die Hände als Trichter vor den Mund haltend zu singen, ohne Worte, wie Klagelaute oder Zäuerlen der Appenzeller, allerdings melancholischer. Mein Nebenmann sagte, es sei spezieller Trauergesang, der nur bei Totenfeiern und nur von Männern gesungen werde. Es war sehr bewegend, im Kreis der singenden Männer zu sitzen.

Heute war ein herausragender Tag, keineswegs beispielhaft für meine Motorradtour durch Luzon. Wäre ich hingegen nicht gefahren, hätte ich den heutigen Tag nicht erleben können. Es ist wie bei den Fischen, sie beissen nicht jeden Tag, geht man nie, fängt man sicher keine. Durch meine Art zu reisen, allein, mit dem Motorrad, in die hintersten Täler fahrend, kann ich ab und an erleben, was den meisten Normaltouristen verwehrt bleibt.

Die ersten Reisterrassen auf meiner Reise.

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