Ein kleiner Teil des Nationalparks “Hundred Islands” bei Alaminos, Pangasinan Province
In Alaminos war ich bei einer Familie zum Nachtessen eingeladen. Der Ehemann, Julius Cortez, arbeitet in Financing, as he called it. Ich dachte an Projektfinanzierungen oder dergleichen, aber er sagte, es seien Kleinkredite, die sie in den Dörfern anpreisen, beispielsweise für Saatgut oder ein Ladeninventar, eine Garküche, eine Nähmaschine für eine Schneiderin, also klassisches Micro Financing, für das der Bangladeshi Yunus den Peace Nobel Prize erhalten hatte. Ich hoffe, es werde in Bangladesh und anderswo wirklich im Sinne von Income Creation und zu vernünftigen Zinsen betrieben, nicht wie hier in den Philippinen.
Baguio City, 1500 m.ü.M., im Morgennebel
Als ich nach dem Zins fragte, nannte er 14%. Anständig für diese Weltgegend. Dann ergänzte er, es sei für 100 Tage. Aha, das gibt ja grob 3.6-mal mehr für den Jahreszins, also etwa 50% per annum, verrückt. Das ist mehr, als Sue in Burma im Pfandleihhaus zahlen musste, aber weniger als normale Kleindarlehen von privaten Leuten mit Geld.
Erste Klasse Primarschule in Paoay, Ilocos Norte Province
Koy, der Deutsche Verwandte, fragte nach der Rückzahlungsquote. Die sei gut, praktisch kein Problem, denn sie hätten Sicherheiten, zB einen Wasserbüffel, eine Kuh, TV, Moped, etc. Ja, und der Kreditnehmer erhalte nur 86% ausbezahlt, die Zinsen würden gleich im Voraus abgezogen, er erhalte also 8’600 Peso (EUR 172) und müsse 10’000 Peso zurückzahlen. Das bedeutet 14 auf 86, gleich 16.3% auf 100 Tage, vorgängig, also ist der effektive Zins noch höher.
Auf einer Kreuzung in Tuguegarao, Cagayan Province
Es kommt aber noch schlimmer, die Rückzahlung beginne nämlich bereits am ersten Tag, d.h. im Falle von 8’600 Peso Kredit zahlt der Kreditnehmer ab dem ersten Tag jeden Tag 100 Peso zurück. Geldeinzieher in den Dörfern würden die Zahlungen einkassieren. Falls ein Schuldner 7 Tage in Rückstand gerate, würde die Sicherheit eingezogen, und dann werde jeder Zahlungsverzug neu verzinst.
Ein flottes Trio, Pagasinan Province
Ich rechnete den Fall durch. Zahlt ein Kreditnehmer schön ordentlich während der Hundert Tage täglich seine 1%, ergibt sich ein effektiver Jahreszins, alles eingerechnet, von 110.5% per annum auf den jeweils ausstehenden Kreditbetrag. Unglaublich, aber wahr!!!
Reisterrasse in Maligcong, ob Bontoc, Mountain Province
Reis zwischen Bontoc und Banaue
Das ‘Amphitheater’ von Batad, 1.5 Std Fussmarsch von der Strasse, über einen Pass
Das Dorf Banga-an, 15 km von Banaue, inmitten von Reisterrassen
Strand bei San Antonio, Westküste von Luzon


13 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Dezember 10, 2010 um 09:26
Rosa
What magical landscapes!
Grüsse,
Rosa
Dezember 10, 2010 um 09:44
Sivie
Der Zins ist ja heftig.
Dezember 10, 2010 um 10:47
Ana Powell
Awesome clicks, loved the first one ♥
Dezember 10, 2010 um 10:53
Houdini
I apologize for the German text, sorry.
It’s about micro financing in the Philippines, for 14% interest, as they say. However, if somebody gets a credit of say 10’000 Pesos (GBP 145), he receives only 8’600, because the interest of 14% is payable up-front. The credit is for 100 days only, and repayment starts at day 1, 100 Pesos each day. This scheme corresponds to an annual interest rate of 110.5%!!!!!
Dezember 10, 2010 um 11:57
Toni
Wahnsinn! Da sieht man wieder wie gut’s uns geht und meine Erkältung ist gleich nicht mehr so schlimm.
Wieder ganz tolle Bilder!
Dezember 11, 2010 um 02:00
kitchenroach
Sehr schoene Fotos, vorallem die Doerfer in den Reisterassen sind bemerkenswert. Die Zinsen – ein Graus, die armen Teufel die sich darauf einlassen muessen.
Dezember 11, 2010 um 07:40
lamiacucina
reich wird man nicht durch seiner Hände Arbeit, sondern in dem man Armen ihr letztes Geld abnimmt.
Dezember 11, 2010 um 09:17
Christina
Beeindruckend gleich auf zwei Arten: Positiv wegen den wunderschönen Bildern, negativ wegen dieser Zinsgeschichte. Das ist ja der Hammer!
Dezember 11, 2010 um 13:51
missboulette
Nur noch das Wort micro financing erinnert wohl noch an Muhammad Yunus Bank, ansonsten läuft es ja komplett konträr zu seinem social business! Ohne Worte!
Dezember 12, 2010 um 22:14
Fritz
Leider ist der Begriff nicht geschützt und der Entwicklungshilfe vorbehalten.
Erich, sehr interessante Reiseberichte und schöne Bilder. Noch eine schöne Zeit!
Dezember 12, 2010 um 22:52
Suse
Wow!! Was für Fotos! Aber leider auch was für eine entsetzliche Geschichte über die Daumenschrauben der Banken…
Dezember 13, 2010 um 09:23
Susa
Bei dieser Geschichte leuchtet das Gras gleich nicht mehr so grün. wie ernüchternd!
Vorweihnachtliche Grüße!
Dezember 13, 2010 um 09:28
Peter
Schöne Bilder! Heile Welt?