Der Nichtaufzieh-Vogel

Er hat ne Batterie, deshalb.

„Brauchen wir nicht!! Kauf das nicht, ist nur ein Staubfänger, Du immer mit dem Zeugs, das Du heimschleppen willst!“, meinte Frau H beim Trödler, als ich nach dem Preis des Dings fragte, hingerissen von dem sich beim Annähern drehenden Piepmatz und seinem Gezwitscher. Mangels Geld im Hosensack war ich wie selten von Frau H’s Wohlwollen abhängig.

Ich erinnerte Sie an den Vorfall in der Weihnachtszeit vor einigen Jahren, als Sie im letzten Moment, nachdem ich mich heimlich an die Warenhauskasse geschlichen hatte und bereits am Bezahlen war, eingriff und mir die Anschaffung des schwanzwackelnden und ein Weihnachtslied singenden Fisches für die Haustüre mit Nachdruck ausgeredet, ja richtiggehend verboten hatte, wo die Dame mit einem mitleidigen Blick zu mir den Kauf wieder stornieren und ich die Scheine wieder einstecken musste. So willigte sie denn wegen meiner Freude an dem Ding ein, und jetzt findet sie das Vögelchen und seinen Gesang ganz nett, gibt dies auch zu und erliess mir sogar die Rückzahlung des Darlehens.

Die Gitterstäbe des Käfigs waren so schmutzig wie der Boden, und am Kunsstoff-Baumstrunk waren 3 Kunststoff-Ästchen angebracht, aber das sollte sich ändern.

Die Putzerei hat ein Ende gefunden, alles ist rein, der Strunk und die Äste sind weg. Das Bauer selbst ist „echt“, d.h. aus Bambus und gebaut wie die richtigen, mit denen die Leute in Singapore frühmorgens in den Park gehen und sie ins Geäst der Bäume hängen, um ihre Vögel singen üben zu lassen.

Mit Naturbaum und Kiesel fühlt sich der Piepmatz ganz wohl. Der Mechanismus funktioniert wieder, er singt nicht nur, sondern hält während des Singens die Pirouette an, hebt und senkt Köpfchen und Schwänzchen, um dann weiter zu drehen.

Der Vogel leistet jetzt ausgezeichnete Wächterdienste. Kommt wer in seine Nähe, so singt, dreht, nickt und schwänzelt er; er kennt sogar 2 Melodien. Die Technik unter dem Boden ist altertümlich, vermutlich 70er Jahre, mit Endlos-Tape, Helligkeits-Sensor (Foto-Transistor?) und einer kleinen Platine.

Dieser Post ist so übergetitelt, weil mich das Vögelein an den Roman „Mister Aufziehvogel“ des japanischen Autors Haruki Murakami erinnert, eines Autors, dessen Bücher ich praktisch alle gelesen habe.

Begleitmusik zum Blog-Erstellen

Piepmatz, Vogelgetzwitscher, ca 1975
Hier unten reinhören, und sehen

Ich hoffe es gehe nicht so lange zum Laden.
Das Motorengeräusch hört man live nicht😉

5 thoughts on “Der Nichtaufzieh-Vogel

  1. Ich bin schockiert. Singende Fische? Batteriebetriebene Vögel? Hoffentlich erfindet kein Chinese steppende Plastik-Karotten, sonst ist in deiner Küche immer Unruhe!

  2. @Martina… Der singende Fisch ist weit bekannt, kommt aus USA, where else from, nicht aus China, sieht aus wie eine Fisch-Trophäe auf dem Brett, ein Ding leider nur für X-mas, absoluter Kitsch, hätt ihn gern gekauft um die Nachbarn zu schockieren. Ich vergass: Der Kopf wackelt auch, nicht nur der Schwanz.
    Der Piepmatz ist nicht in der Küche, sondern im Schlafzimmer, damit Frau H aufwacht wenn ich zu später Stunde nach Hause komme. Ich dachte vorher, der knarrende Holzboden wär schon arg genug.

    @Dandu… Bin froh, einmal so intensiv putzen genügte mir für ein Jahr, aber durch die Pflege hab ich ihn noch mehr ins Herz geschlossen, … andere tunen ihr Auto. Auch die Tuner sind übrigens Kindsköpfe.

  3. Ein altes Spielzeug der Menschheit. Früher wurden im Jurabogen die Vogelbauer aus Messing gefertigt, die Musik kam von Musikwalzen, nur die Bewegungssensoren fehlten. Ich schau mir die in den Musikautomatenmuseen immer gerne an.

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