Appezöller Südwööscht und letzte Fahrt


Es ist halt wieder eine Geschichte mit diesem Gericht verbunden, denn ohne die Geschichte wären die Appenzeller Siedwürste bei uns nicht nicht auf den Tisch gekommen, und Fotos posten ohne kleine Story? Das Rezept ist bescheiden: man reise dorthin, wo Appenzeller Siedwürste feil geboten werden, kaufe welche, und lasse sie im heissen Wasser nicht sieden, sondern ziehen, Ziehwürste sind es wohl.

Die Rohwürste
Prall nach dem Ziehen lassen

Dazu kochte Frau H Saucen-Kartoffeln, respektive Sossen-Herdäpfel. Kartoffelsalat passte auch, das sieht frau und man. Blöd ist sie in dieser Sache, die deutsche Sprache, ich könnte mich minuten- oder stundenlang darüber auslassen. Wär ich eine Frau, so wär ich Koch, oder Arzt, oder Pilot, und nicht -in. Hab ich das schon mal geschrieben?

Julierpass, der See
MV Agusta auf dem Julier

Noch rasch die Saucen-Kartoffeln erledigen: Kartoffeln, wieviel weiss jeder wissen alle, wir nehmen 250 g pro Person, pellen (ha!) und in Würfelchen schneiden, 1 EL Mehl in Erdnussöl anschwitzen, ablöschen mit Gemüsebrühe, Kartoffeln zugeben, Brühe bis auf etwa die halbe Höhe der Kartoffeln aufgiessen und zugedeckt köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind. Petersilie oder andere Kräutchen darüber streuen, heiss servieren, fertig. Den Senf für die Siedwurst nicht vergessen.

Siedwürste sind weich, fühlen sich ungekocht an wie gefüllt mit Apfelmus, das ist Rinderbrät, abgerundet mit etwas Schweinefleisch und Speck. Die Münchner Weisswurst ist nur vom Schwein, soviel ich weiss, aber [siehe Kommentar Nathalie] am Fusse der Appenzeller Berge hat die Schweinemast nicht Tradition. Das Gefühl beim behutsamen Berühren der gefüllten Därme ist einzigartig, denn andere Brühwürste oder Weisswürste kommen gebrüht zum Verkauf, werden dann im heissen Wasser nur aufgewärmt. Wenn es sonstwo ungebrüht verkaufte weiche Würste gibt, bitte melden, es interessiert mich.

 

Ein Sechs-Spänner mit Original Postkutsche auf am Flüela-Pass

Und so kam ich zu den Siedwürsten. Mein Motorrad war zum Verkauf ausgeschrieben und ein Interessent aus dem Engadin meldete sein Interesse an, und weil für ihn eine Besichtigung schwierig gewesen wäre und ich mir Zeit nehmen konnte, fuhr ich mit meiner MV Agusta im schönsten Spätsommerwetter die gut 500 km vom Untersee ins Engadin und zurück, auf dem Rückweg mit einer Anzahlung und dem unterzeichneten Kaufvertrag in der Tasche. Über Chur und Julierpass nach St.Moritz und weiter zum Ziel der Natureis-Bobbahn ging die Fahrt, dann retour über Zernez, Flüelapass, Davos, Prättigau.

Auf der Flüela Passhöhe, lieber Wandern als Töff-Fahren

Den Abstecher über St.Luzisteig, ein kleines Pässchen, ausser Landes nach Liechtenstein führend, wollte ich mir auch nicht entgehen lassen, kurz beim Fürsten in Vaduz vorbei, und zum Abschluss die Kurven hoch ins Toggenburg nach Wildhaus. Die Würste kaufte ich, nicht zum ersten mal, beim Metzger Murer in Alt St.Johann, voralpine Landschaft, aber Kanton St.Gallen, nicht Appenzell. Ob bald auch AOC die Namensgebung ausserhalb Appenzells verbietet?
Toggenburger Häuser in Alt St.Johann, wo die Würste herkamen

Ergänzen möchte ich mit Freude, aber doch auch ein bisschen Wehmut, dass ich mit Motorradfahren aufhöre und dies meine letzte Fahrt war, mit Ausnahme einer 10-tägigen Motorradtour, die ich für Oktober in den Bergen von Nordwest-Vietnam buchte und auf die ich mich als Abschluss meiner Motorradphase sehr freue.

Ach, fast vergessen hätte ich den Käufer der MV, er ist Bäcker, und ich fragte ihm Löcher in den Bauch über alle Kniffe zum Brotbacken, worin ich mich ja intensiv übe. Und heute versuchte ich zum erstenmal in meiner Brotback-Neuzeit, den Teig komplett händisch zu fertigen, also kein K-Einsatz. Dies nicht wegen dem Bäcker-Käufer, sondern weil ich vor zwei Tagen zuschaute, wie mein Brotback-Lehrer Richard Bertinet im Video den Teig bearbeitet und sah, wie gut es funktionierte. Und es funktionierte auch bei mir einwandfrei, das Bearbeiten mit anfänglich vollgekleckerten Fingern, dann aber zu einem Wunderteig führend, was sich auch im Brot auswirkte, obwohl es ein bizzeli zu heiss kriegte und recht dunkel wurde aussen. Weil mir beim Bearbeiten selbst auch heiss wurde zweifle ich, ob dies nun die Methode des Hauses wird.

15 thoughts on “Appezöller Südwööscht und letzte Fahrt

  1. Puhhhhhhhuuuuuu … da schüttelt sich die Bayerin, denn: Die Münchner Weißwurst besteht größtenteils aus Kalbsbrät, ein bißchen Schweinerückenspeck kommt noch dazu. ;-))

    In München gibt es meines Wissens einen Metzger, der noch ungebrühte Weißwürste verkauft.

  2. @Nathalie: Entschuldigung, muss ich sofort ändern *mich schäm*. Ich verliess mich auf Info aus dem Web. Das mit dem ungebrüht verkaufen der Weisswürste freut mich zu hören.

  3. Schöne Geschichte danke! – Letzte Fahrt mit deiner Maschine…da kommt bestimmt Wehmut auf oder?! – Ihr wohnt schon in einer wunderschönen Gegend, da kann man neidisch werden!

  4. Ach die Berge … seit letztens habe ich ja beschlossen, mir von ihnen nur noch erzählen zu lassen. Dazu Wurst und Kartoffeln, prima Sache.!😀

    Feine Wurst hatte ich noch nie roh, meine ich, nur die grobe Bratwurst. Die fühlt sich aber nicht an wie Apfelmus, sondern eher – ähm – menschlich. *räusper* Dabei heißt es doch [b]die[/b] Wurst, nicht der. Womit wir bei der Sprache wären.

    Manches geht mir auch schwer vom Mund oder der Hand, dieses blöde „man“ könnte mensch ja eigenmächtig gendergerecht ersetzen, wenn es genügend Leute machten, würde es irgendwann in die Sprache übergehen, man, frau, mensch. Das fände ich gar nicht so schlecht. Schlecht dagegen wird mir bei Texten mit dem großen I, da wo man LehrerIn oder KöchIn oder so lesen muss. Das tut so weh wie MitgliederIn, finde ich. Alles brauche ich nicht eingefraut (oder wie soll man dazu sagen?). Bin ich doch Fraus genug, mich auch mit „Fachmann“ angesprochen zu fühlen, wenn sich einer dazu bemüßigt fühlt. Da bleibe ich entspannt wie ungekochte Brühwürste. Und so bin ich wieder zurück beim Essen!

  5. Wunderschöne Bilder. Bin auf die Brotbacktipps gespannt! Ungebrühte Würste gibt es hier Mittelfranken auch – nenen sich grobe Bratwürste und werden gebraten oder erst gebrüht und dann gegrillt. Zumindest werden wir das demnächst beim Pfarrfest hier so machen.
    Kommen im Oktober dann auch Bilder von deiner Tour? Freue mich schon darauf.
    Liebe Grüße

  6. Ich kann mich Petra nur anschließen. Schöne Bilder und auf die Brotback-Berichte bin ich gespannt. Zum Essen sind mir geräucherte Würste, wie Frankfurter, lieber.

  7. @Eva: Wehmut schon auch, natürlich, aber die Vernunft sagt mir heute, was für ein Blödsinn es ist, nur für den Spass durch die Gegend zu fahren, sei es per Motorrad oder Auto. Weil Autofahren signifikant sicherer ist als Motorradfahren und ich ein Auto habe, und vor allem weil ich für ein paar Stunden in den Schwarzwald oder sonst wo hin gekurvt bin ohne dorthin zu müssen, entschloss ich mich, diesem Vergnügen ein Ende zu bereiten. Habe ich ein paar Stunden übrig und will weg, so setze ich mich jetzt auf das Rennrad.

    @Martina: Meine Meinung hab ich Kund getan, nämlich dass mir als Frau mit „man“ wohl wäre und mit der Konvention, alle männlich klingenden Wörter gälten auch für weibliche Individuen. Im Englishen ist auch eine Frau a lawyer or a pilot und Hillary was running for President und nicht for Presidentess.
    Bei uns gibt es auch eine männliche Wurst: Der Landjäger, und es ist eine Dauerwurst; merkste was?

    @Bolli: Über den Alpen, im Süden, gibt’s keine Siedwürste, höchstens Süd-Würste. Sie sind von diesseits, nur des Motorrad’s neue Heimat wird auf der anderen Seite der Alpen sein, halbwegs.

    @zorra: Mach mal Ferien.

    @Petra: Ich hoffe auf viele Internet Cafés.

    @Sivie: siehe @Petra, Brühwürste essen Houdinis VIEL weniger als die Bayern, ich muss ja auch 70km fahren dafür, und ohne Motorrad macht man dies nicht.

  8. So grün war mein Tal… und einen schönen Bericht gibt es dazu, was will man mehr? Die Bertinet-Methode habe ich auch ausprobiert, aber auf Dauer ist mir die Kenwood dann doch lieber.

    Vietnam im Oktober – ich beneide Dich! Wie ist das Wetter dort um diese Jahreszeit?

  9. @Jutta: Die Zeit mit viel Regen sollte dann vorbei sein, und in den Bergen sei es recht kalt, man brauche eine Jacke. Ich freue mich auch auf das vietnamesische Essen, aber sicher gibt’s dann mehr Fö, Nudelsuppe, als mir lieb ist.

  10. Jetzt sehe ich auch was du für eine Maschine verkauft hast. Ich bin noch nicht einmal soweit, einen Führerschein für ein Motorrad zu haben. Ich schiebe das seit geraumer Zeit vor mir her. Dieses Jahr war ich nah dran. Ich habe mich dann aber entschieden die Zeit lieber auf dem Rennrad zu verbringen.🙂
    Eigentlich der umgekehrte Weg.
    Vielen Dank für die schönen Bilder. Wenn die Kondition stimmt möchte ich gerne mal in der Schweiz den ein oder anderen Paß erfahren. Mal sehen.
    @Nathalie: Weißt du vielleicht wo der Metzger in München ist?

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