Kunst in der Kartause

Die Portraits fotografierte ich am Sonntag in der Kartause Ittingen, einem ehemaligen Kartäuser-Kloster. Einige Schauspieler sassen dort in einer Gruppe beisammen. Abwechslungsweise rezitierten sie Texte, einer imitierte von Zeit zu Zeit Tiergeräusche, sie schauten uns an, hatten manchmal die Augen geschlossen, wenn ein anderer sprach.

So sassen sie da, mit Wolldecken bedeckt. Auf den Knien war bei jeder Figur ein Projektor, der einen Movie auf den Kunstkopf projizierte. Es sah sehr echt aus. Am Anfang trauten wir uns gar nicht nahe heran. Die Augen und die Lippen bewegten sich, Lidschlag, stechender Blick, Lächeln, alles. Bei den vier Portraits sind die beiden oberen die gleiche Figur, in der Gruppe ganz rechts. Ein Durchgang durch die Texte dauert etwa 20 Minuten, dann wiederholt sich das ganze.

Geschaffen wurde die Installation von Daniel Glaser und Magdalena Kunz, beides Schweizer, jetzt in NY lebend. Auf ihrer Website sind noch andere ähnliche Werke, sog. Cinematographic Sculptures, wie sie sie nennen. Grossartig. Gefiel uns sehr.

Ein Saal innerhalb des Museums ist zur Zeit dem 86-jährigen Österreicher Franz Huemer aus Feldkirch gewidmet. Er bezeichnet sich als suchenden Surrealisten, ich sehe ihn eher als komischen Vogel. Seine Kunst beinhalte einen umfassenden Lebensentwurf, in dem er sich selbst in einen grossen kosmologischen Zusammenhang stelle.

Unter Huemers Arbeiten sind viele Wurzel- und Baum-Skulpturen, übermalte Kopien von Landschafts-Fotos, in denen er Geister sieht und diese den Zusehern kenntlich macht, sowie umfassende Texte. Er betreibe auch ufologische Forschung! Das sagt schon (fast) alles.

Hier noch ein Blick auf den Altar der auch reich mit Holzschnitzereien verzierten Kirche des ehemaligen Klosters der Kartause Ittingen.

Die Kartause Ittingen ist heute ein Tagungs-Zentrum mit Hotelzimmern und Restauration. Das Kunstmuseum des Kantons Thurgau ist in den Räumlichkeiten der Kartause untergebracht.

Jetzt am Lesen

The Thousand Autumns of Jacob de Zoet, by David Mitchell (2010)

I love it.

6 thoughts on “Kunst in der Kartause

  1. Die schauen ja ein wenig unheimlich aus. Hab ich das schon richtig verstanden, das waren keine echten Schauspieler, sondern Figuren, denen ein Projektor Leben ins Gesicht projeziert hat?

    1. @Toni
      Sie waren sehr sympathisch🙂
      Es waren modellierte Köpfe, Material unbekannt, die Mimik als Film auf das Gesicht projiziert. Während der Aufnahme war dem Schauspieler vermutlich der Kopf fixiert und die Kamera ebenso, so dass die Projektion immer richtig auftrifft, die Augen nicht auf der Backe erscheinen.

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