Kochlektion in Hoi An, Vietnam

Küchen- und Servicepersonal geniessen die Spaghetti Houdini.

Kochschule mal umgekehrt, der Reisende lehrt die Lokalen europäische Küche. Wir assen im Restaurant Faifoo in Hoi An frittierte flache Wonton, belegt mit einer leckeren asiatischen Tomatensauce, die wir als Pasta-Sauce empfahlen. Yam Yam, die vietnamesische Serviererin, war erstaunt und sagte sie hätten 4 Arten Spaghetti auf der Karte, aber andere Saucen. Also wählten wir beim nächsten Essen die Spaghetti nach vietnamesischer Art, einmal mit Gemüse und Garnelen, einmal mit der Wonton-Tomatensauce als Spezialwunsch. Die asiatische Wonton-Sauce bewährte sich für Pasta nicht besonders, und die „normalen“ Spaghetti aus der Karte waren fad, die Sauce mit Tomaten, Zwiebeln, grünen Bohnen, Karotten, Zucker, Zitronensaft war sweet-and-sour, unpassend für Spaghetti. Die 4 Arten Spaghetti auf der Karte waren alle mit dieser Gemüsesauce enthaltend wahlweise Shrimp, Chicken, Beef oder Pork.

Mein Angebot, mit ihnen zusammen einige Portionen „richtige“ Spaghetti zu kochen, wurde ohne Zögern freudig angenommen.

Also ging es heute Vormittag los mit dem mise-en-place für eine einfache Tomaten-Hackfleisch-Sauce. Rind und Schwein, gehackt so gut es mit diesem Messer ging, Karotte, Zwiebel, Knoblauch, Tomaten und Tomatenpaste.

Zwei schauten genau zu, eine der beiden schrieb alles auf. Sie staunten, dass die Sauce lange köcheln soll. Nach 45 Minuten war kein Halten mehr, die Spaghetti mussten her.

Für das Tomatenkonzentrat hiess es am Morgen, den halben Markt zu durchkämmen, aber wir hatten ja bis 10 Uhr Zeit und fanden doch noch eine Dose, 20-25%ig, made in China, teuer für hiesige Verhältnisse, EUR 1.25 für 198 g.

Die Spaghetti werden im Faifoo Restaurant als Portionen gelagert, je mit einem Gummibändchen zusammengehalten, allerdings in die Hälfte gebrochen, damit sie in die Pfanne passen (!), wie es hiess. Das Kochwasser wird nicht gesalzen, Heisswasser aus der Thermosflasche in die Pfanne, die Spaghetti vor dem Sieden bereits rein. Diesmal natürlich nicht. Aha, Salz kommt ins Wasser und die Spaghetti dürfen bei Kochbeginn aus der Pfanne schauen?

Ich liess 3 der Faifoo Spaghetti-Portionen bis etwas vor al dente kochen und gab sie zur Hälfte der Sauce in eine Bratpfanne, etwas Spaghettiwasser dazu und fertig al dente köcheln, damit die Pasta den Saucengeschmack gut aufnehmen können. So mag ich es.

Das Personal mochte die Pasta sichtlich auch, denn gleich nach dem Degustieren setzten sie für die zweite Hälfte der Sauce neue Spaghetti auf, the ladies want to eat more, wurde uns gesagt.

Es wird sich zeigen, ob diese Spaghetti nun geübt und dann in die Karte aufgenommen werden. Ein Erlebnis war es für mich und eine Freude dazu.

18 thoughts on “Kochlektion in Hoi An, Vietnam

  1. Alles Liebe zum Neuen Jahr, Erich. Ich bin begeistert von deinen Erlebnissen, die so weit entfernt sind von dem, was wir bei organisierten Rundreisen mit der Gruppe erleben. Ich hoffe, noch ganz viel von dem lesen zu dürfen, was du entdeckst und bereist.

  2. Danggscheen fir dä eimol meh interessanti Bricht vo dinere Reis. I läb mit minere Seel mit.

    I wynsch dir e guets und gsunds neys Joohr – verbunde mit scheene neye Reise !

    Beschti Griess vo dert wo‘ s kalt isch und dr Bappe Rhy e Booge macht.

  3. Großartig und ein wenig anmaßend. So mag ich’s. Den Vietnamesen, die über die vielleicht spannendste Nationalküche der Welt verfügen, die cucina italiana vermitteln. Als Schweizer!
    Ich fand Hoi An langweilig, vor zwei Jahren. Vielleicht war ich schon zu satt von Hue?
    Übrigens: Schön, Deinen Blog gefunden zu haben (Dank Robert).

    1. Spaghetti gehörten schon in meiner Kindheit zur schweizerischen Standardküche🙂

      Anmassend? Wenn in einem Restaurant den westlichen Gästen zerbrochene Spaghetti angeboten werden, die in salzlosem Wasser weichgekocht wurden, ist das, was ich machte, hilfreich. Nach 11 Jahren Leben und Arbeiten in Asien glaube ich, das Thema auch in passender Art vorgebracht zu haben. Die Freunde im Faifoo freuten sich jedenfalls.

      Interessant: Hoi An fanden wir super, blieben 6 volle Tage, mit Fahrradausflügen in die Umgebung. Hue fanden wir fad, auch die lieblos und ungepflegt präsentierte Citadel hätten wir nicht sehen müssen.

  4. Ach, Deine schöne Geschichte macht mir Sehnsucht nach Vietnam. Wir waren 5 Tage in Hoi An gestrandet. Zurück blieb bei mir eine Mischung aus zu touristisch und netten Ecken mit unglaublich freundlichen Leuten.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s