Gemüse vom Meerrettichbaum aka Wunderbaum Gaeng Som Marum

Ein essbarer Baum, alles an ihm ist geniessbar, ein Wunderbaum! Der Meerrettichbaum (Moringa oleifera) stammt aus der Gegend südlich des Himalaja und erhielt seinen Namen, weil seine Wurzeln wie Meerrettich riechen. Er kann bis 12 m hoch werden. Der Baum sei die vitaminreichste Pflanze der Welt, heisst es. Die essbaren Teile enthalten viel Protein und sind reich an Mineralstoffen (Ca, Mg, K, Fe, Na).

Pro 100 g essbarem Anteil enthält Marum, oder Moringa,
Vitamin A 6780 mg, Karotte 1890 mg
Vitamin C 220 mg, Orange 30 mg
Calcium 440 mg, Kuhmilch 120 mg
Kalium 259 mg, Banane 88 mg
Protein 6.7 mg, Kuhmilch 3.2 mg

Heute ist der Baum in Indien, Südostasien, Afrika und Lateinamerika verbreitet. Der kubanische Ex-Präsident Fidel Castro pries den Baum als Wunder und propagierte den Massenanbau in Kuba.

Der Saft stabilisiert den Blutdruck, die Blätter wirken entzündungshemmend, die Wurzeln lindern Rheuma. Von Moringa/Marum findet man in Thailands Drogerien Shampoo, Seife, Lippenpaste, Öle, Samen, Tee.

Nun zum Rezept, das mangels Moringa-Bohnen eher nicht nachgekocht werden wird. Es ist ein Gaeng, herkömmlich übersetzt als Curry. Ich nannte Gaeng auch Suppen, aber eigentlich sind es keine Suppen, sondern Eintöpfe mit etwas Fleisch oder Fisch oder Meeresfrüchten und Gemüse, mit reichlich dünner Sauce, die wie Suppe gegessen wird.

Brühe aufsetzen, oder Wasser mit Brühewürfel. Etwas, Menge gemäss Vorliebe, Wun Sen, feine Nudeln aus Mung-Bohnen, in kaltem Wasser einweichen. Sardinen von 1 Dose – die Dosen hier sind grösser als in Europa, rund und hoch – ableeren und etwas zerteilen. 5 kleine rote Zwiebeln und 5 kleine scharfe Chili zusammen im Mörser zerstossen, in die heisse Brühe geben. Wenn siedend, die geschälten, etwa 10 cm langen Marum-Sticks zugeben, eine rechte Schüssel voll. Die Sticks werden bereits geschnitten und geschält auf dem Markt angeboten. Würzen mit Nam Pla (Fischsauce), Gapi (Shrimp Paste) und etwa 3 EL Tamarindenextrakt (aus Tamarindenpaste und Wasser bereitet, nur das Wasser zugeben).

Weiter leicht sieden bis die Marum nahezu gar sind. Wun Sen ohne Wasser beigeben, ebenso die Sardinen (traditionell und in Garküchen wird getrockneter Fisch egal welcher Art verwendet, aber Meow mag Sardinen für dieses Gericht lieber) und etwa 10 halbierte Cherry-Tomaten. 5 Minuten weiter köcheln, vom Feuer nehmen, Maeng Lak Blätter (einer der 3 Thai Basilikum) zugeben und servieren. In Fischgerichte wird oft Maeng Lak beigegeben, da es den Fisch-Geschmack etwas neutralisiert. Gegessen wird dazu steamed rice = normaler weisser Reis = Khao Suai.

Die Blüten des Marum/Moringa duften nach Honig, schmecken nach Pilzen, können roh in Salaten verzehrt, als Tee zubereitet oder gekocht werden.

Marum/Moringa ist ein Kreuzblütler, wie viele nahr- und schmackhafte Gemüse, u.a. Kohl, Broccoli, Blumenkohl, das kürzlich hier vorgestellte Senfkraut, Pak Choi, Raps, Rettich, ja auch der „richtige“ Meerrettich, Kresse und Wasabi🙂

Bei Amazon.de sind Samen erhältlich, der Baum könne gut im Haus gezogen werden. er wird ja dann wohl kaum 12 m hoch werden.

Mehr über den Meerrettichbaum bei Wikipedia. Ein Video einer SWR Technik-Sendung mit Ranga Yogeshwar zeigt, wie Moringa-Samen verunreinigtes Wasser reinigen können, dass es bakterienfrei und trinkbar wird. Googlen mit Moringa hilft auch weiter, klar.

Die Früchte des Marum/Moringa sind grün, können bis zu 30 cm lang werden, lassen sich roh verspeisen oder auch als Gemüse kochen. Die Früchte enthalten 20 bis 30 Moringasamen.

Die Stängel werden durch die beiden Zahnreihen gezogen, ähnlich der Artischocken, die Bohnen und das Fleisch werden verspiesen, und die faserigen Anteile bleiben zurück.

Das hier sind die leeren Stängel, der Abfall.

Begleitmusik zum Blog-Erstellen

Hesperion XXI, Orient – Occident, 2006

Vielleicht funktioniert das Reinhören

Hesperion XXI ist ein Kammerorchester,
gegr. durch Jordi Savall 1974 in Basel.

11 thoughts on “Gemüse vom Meerrettichbaum aka Wunderbaum Gaeng Som Marum

  1. Hochinteressant ! Das bzw. dä Baum han‘ i nit kennt. Danggscheen fir d‘ Erklärige.
    I wynsch dir und dinere Familie e guets Neys Joohr !

    1. Solche Süppchen sind im Mandarin Oriental oder im Four Season natürlich nicht auf der Speisekarte, da musst Du schon auf den Markt, oder das kleine Restaurant an der Strassenecke.
      Scheen, dass Du au doo jetz Baseldyytsch schribsch. Dangge scheen.
      Und auch nach Basel ein gutes neues Jahr.

      1. I ha grad miesse Schmunzle🙂
        Die beide Hotelkèttene sin mir nur vom Hèèresage e Begriff. I bagg bedytend glaineri Batzelaibli. Es isch für mi dr greesseri Reiz, in‘ ere Fäld-Wald-und Wiese-Gaarkuchi go z‘ Spachtle. Und dodermit kumm‘ i au mit de Lyt und dr Kultur in Birierig.
        P.S. Einzig bi Ratze, Flädermyys, Schlange und Inseggte muess‘ i passe …

  2. Wow! Ein echter Wunderbaum scheint das ja zu sein! Wirklich informativ und spannend geschrieben, da konnte ich viel dazu lernen! Schade nur, dass wohl tatsächlich ein Grossteil der Zutaten bei uns nicht mal in gut sortieren Asia Stores erhältlich sind… Freue mich schon auf weitere kulinarische Entdeckungen dank dir🙂

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