Curry vom Warzen-Gemüse / Gaeng Pak Ki Hud

Heute kommt wieder ein mir vorher unbekanntes Thai Gemüse, dazu noch mit einem skurrilen Namen. Hud sind Warzen, wie sie Asiaten recht häufig auch im Gesicht haben, oft mit einigen Haaren, die für gutes Glück nicht ausgerissen oder geschnitten werden und darum immer lang sind, bis 15 cm lang und mehr. Die Verdickungen der Stängel gaben dem Gemüse den Namen, es sind aber wider Erwarten keine Bohnen, keine Samen drin, es sind die Stängel.

Pak heisst Gemüse. Ki ist hier ein verbindendes Wort ohne eigentliche Bedeutung, ist aber sonst Exkrement von Tieren, wie Ki Nok = Vogelkot, Ki Ma = Hunde- oder Pferdekot, je nach Betonung von Ma. Ein Farang Ki Nok ist ein vergammelter, schlampig angezogener Farang, also ein Vogelscheisse-Westler. Farang ist wohl den meisten Thailand-Touristen bekannt für Ausländer. Es wird entgegen verbreiteter Touristenmeinung jedoch nur für westliche Ausländer verwendet und ist kein abschätziger Begriff.

Auf dem Markt, das Warzen-Gemüse im Vordergrund, erkennbar an den Verdickungen, rechts davon das früher vorgestellte Pak Gaat Guangtung, hinten Blumenkohl, 2 Stück für 10 Baht, 22 Cent. Ein Grund, nach Thailand auszuwandern?

Der getrocknete Fisch ist auf dem Markt erhältlich, die Spezies nicht so wichtig. Das Fleisch wird von Knochen und Kopf abgelöst und im Mörser leicht gestampft, nur sehr leicht, wie hier gezeigt. Der Fisch hier ist etwa Handtellergross, dürfte aber problemlos auch grösser sein🙂

5 kleine rote Thai Zwiebeln und 5 kleine rote und/oder grüne Chili-Schoten, etwa 5-6 cm lang, zum Himmel steigende (Prik Chi Fa) heissen sie, weil sie nach oben wachsen, im Mörser leicht zerstampfen.

Das sind die gewaschenen und geschnittenen Pak Ki Hud, Menge wie hier gezeigt, in etwa.

Zubereitung

Etwa 1 Liter Wasser mit einem Würfel Brühe (Schwein) zum Sieden bringen, vorbereiteten Fisch, Zwiebeln und Chili zugeben, 5 min sieden, abschmecken mit Salz , 2 tl Shrimp Paste, 1 tl Palmzucker, dann das Gemüse zugeben und etwa 5 min köcheln, bis das Gemüse bissfest gar ist. Pfanne vom Feuer nehmen, resp Gas abstellen, und eine Handvoll Maeng Lak Blätter, eine der 3 Thai Basilikumsorten, zugeben und servieren.
Meow gab auch Kürbisblüten dazu, solche wie Blumen und solche mit ganz kleinen Kürbissen, sagt aber, es sei schön und passe gut, aber kein Muss.

Und noch was zu Thailand

Warten, nicht auf Godot …

… und nicht ganz sinnlos, denn am Ende hatte ich, auf was ich wartete. Warten ist normal in Thailand, vor allem auf Ämtern, und hier im Immigration Office in Chiang Mai ist es nicht anders. Ich habe jetzt no. 204, ein kleines Zettelchen, vorher hatte ich eine grosse Nummer 11. Leute die jetzt ankommen, erhalten Nummern über 100. Die Arbeit hat noch nicht begonnen, ich denke, das wird dann so um 08:30 der Fall sein, in einer Viertelstunde. Ich kam um 6 Uhr hier an und es waren schon einige am Warten. Um 07:30 begann Personal, die grossen Nummern zu verteilen und als no. 11 aufgerufen wurde, prüfte eine junge Dame meinen Pass auf das korrekte Visa und gab mir eben die 204. Jetzt sind sie bei 105 mit den grossen Nummern, für den Wechsel auf die kleinen Zettelchen mit den hohen Nummern.

Die Pulte hinter dem Tresen sind alle noch leer, nur die Nummernverteilerinnen sind am Tresen. Der alte Herr neben mir, der wie ein Deutscher aussieht, hat die 536. Vermutlich gibt es verschiedene Abteilungen mit verschiedenen Sequenzen, ok, meine 204 könnte die 4 sein in meiner Kategorie.

Gestern kam ich um 07:40 hier an, wollte früh sein, denn Ämter öffnen normal um 08:30, keine Nummern mehr, morgen wieder kommen, wir öffnen um 07:30. Ist es OK, wenn ich um 07:25 komme? That’s up to you, some arrive at 6 am already. Aha, man lernt.

08:45 Meine Dokumente sind geprüft, in Ordnung, ausser für das Multiple Re-entry Permit müsse ich eine separate Nummer lösen und ich hätte nur eine Nummer für die Verlängerung des Retirement Visas um ein Jahr. Ich könne die Nummer nicht jetzt erhalten, erst nach Erteilung des neuen Visums, es gehe aber nicht lange. Weiter warten. Ich sehe 2 Schalter für „Teacher Student Retirement Studying“, an einem ist jetzt die 201 dran, seit 10 Minuten, der andere ist unbesetzt. Das kann ja noch dauern.

Die 3 jungen Frauen draussen beim Warten nach 6 Uhr sprachen koreanisch, 2 sahen auch so aus, die mittlere westlich, eine Bibel mit Goldschnitt (sagt man dem so?) in den Händen haltend. Chiang Mai ist voll von Missionaren und solchen, die es werden wollen, aus Europa, USA, Korea. Ein älterer Japaner bauzte einen Schweizer an, er habe die Warteschlange übersprungen, der Stuhl gehöre zum Coffee Shop, nicht zur Warteschlange. Ein anderer Japaner kam in Fahrradhosen und -Leibchen. Vieles sind ältere Männer und Frauen, Männer aber in Überzahl, sie scheinen auswanderungswilliger, flexibler.

Die 204 kam dann doch noch, gegen 08:15, freundliche Begrüssung, Platz nehmen, 20 Minuten sitzen und zuschauen, wie die Dame handschriftlich Blätter ausfüllt, mit den gleichen Angaben wie die auf meinem Formular, Name, Alter, usw., zuhören wie sie telefoniert, was immer, es klingelt wieder, no, this not at airport, this immigration office, no, this near airport, not passport control, this visa office. Dann zu mir, this copy no good, make new, come back. Hinter das Gebäude zum Copy Shop und zurück, die anderen warten. Now okay, pay 1900 baht, 2 Tausender zu den Dokumenten, your name will call and get passport at man there. Ich verstehe, warten. Eine Nummer holen für das Multiple Re-entry.

Langes Warten, dann erhielt ich den Pass und eine 100 Baht Note Rausgeld an die handgeschriebene Quittung getackert. Meine no. 32 war schon durch, no problem, make copy of new visa, ok, machen wir. 4000 Baht an das Formular für die Gebühr. Call your name, get passport and change from man there. Weniger als eine Stunde, auf meine Frage, wie lange es dauere. Ich verstehe wieder, warten, hoffe vor 11 Uhr.

Auf einem Tisch in der Ecke liegen Dutzende von Pässen mit Banknoten zwischen die Seiten geklemmt, dahinter ein fetter Mann in blauer traditioneller Kluft, wie einige andere, auch weniger fette, da am Freitag in den Ämtern trachtenartige Lanna Kleidung getragen werden darf, in den Schulen getragen werden muss. Der Mann, offensichtlich der Kassier, nimmt einen Pass, zupft die Noten und die Quittung raus, legt die Noten in die Schublade, tackert das Wechselgeld an die Quittung, rein in den Pass und auf die Seite, aber alles in Zeitlupe.

Staun, um halb elf habe ich meinen Pass und kann nach hause. Ach, der Zettel für die 90 Tage Meldung ist noch im Pass, fällig am 22.01.14, aber das wird ja jetzt wohl hinfällig sein mit dem neuen Visum, in 3 Monaten wieder, zur Sicherheit bei der Information anstehen und fragen. No no, you have to come for the 90 days reporting before the 22nd. Auf mein Geklöne sagt sie mir, ich könne es gleich jetzt erledigen, da es 15 Tage vor Ablauf möglich sei, ich solle das Formular ausfüllen, die Kopien der 5 Seiten aus dem Pass machen lassen, nein, die Wartenummer erhalte ich erst nach dem Prüfen des Formulars.

Diesmal ging es schnell, sogar ohne Nummer, weil der Schalter für die 90 Tage Rapportierung frei war. Ab nach hause um 10:45, vierdreiviertel Stunden nach meinem Eintreffen.

Begleitmusik zum Blog-Erstellen

Bon Iver, „For Emma, Forever Ago“, 2008

Vielleicht funktioniert das Reinhören

12 thoughts on “Curry vom Warzen-Gemüse / Gaeng Pak Ki Hud

  1. Ja, wir hier denken immer, Bürokratie sei etwas typisch deutsches.😉 Ich verfolge deine Einträge übrigens mit großem Vergnügen beim Lesen!
    Wie lange lebst du denn jetzt eigentlich schon in Thailand? Und sprichst du schon relativ flüssig? War es schwer, die Sprache zu lernen? So viele Fragen, verzeih!
    Liebe Grüße,
    Eva

    1. Seit bald 3 Jahren, vorher während ein paar Jahren intensiv in Südostasien gereist. Die Sprache ist schwierig wegen der Intonierung, Lesen, resp Buchstabieren, kann ich wie ein Erstklässler, verstehe aber wenig, kann mich ein bisschen ausdrücken, lernte nur von einem Buch, hoffe auf die Tochter, um zusammen mit ihr zu lernen.

  2. Lieber Erich, ich bin wirklich happy, dass ich über deinen Blog gestolpert bin und muss mich evazins anschliessen: deine Beiträge lesen sich mit grosser Freude und Neugierde, gerne immer wieder auch mit einem kleinen Schmunzler zwischendrin😉 Und sollte ich es dieses Jahr endlich mal schaffen, nach Thailand zu verreisen, dann hole ich mir vorher eine ganze Ladung Tipps & Tricks bei dir ab. Also sei gewarnt🙂

  3. Lieber Erich, das ist wieder so schön geschrieben!
    Ich weiß nur nicht, ob ich mir jetzt eine behaarte Warze für noch mehr Glück wünschen soll oder lieber doch nicht!?
    Liebe Grüße
    Cheriechen

  4. Du hast Dir schon Einiges an fernöstlicher Geduld angeeignet. Wie heisst es in China so schön: „Der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld. Nicht durch Aufschlagen, sondern durch Ausbrüten wird das Ei zum Küken“.

  5. Bim Ässe muess‘ i passe wägem Fisch wo‘ s drin het …
    Mit dinere Odyssee wäge dr Ufenthaltsbewilligung bisch in beschter Gsellschaft. Jedesmol wenn‘ i in Thailand bi muess‘ i als Erschts dr Geduldschalter drugge. „Mai ben rai“ isch glaub s‘ Dritte gsi, won‘ i glehrt ha.🙂

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