Som Tam – Salat von grüner Papaya

Wenn Käsefondue oder Rösti als schweizerische Nationalgerichte genannt werden, so darf Som Tam mit Fug und Recht den thailändischen Titel in Anspruch nehmen. Som = sauer, tam = stampfen, som heisst in anderer Betonung auch Orange, tam gibt es auch andere, so Tam Gung = lebendig gestampfte 2-3 cm kleine Süsswasser-Shrimps, sehr lecker, schreien nicht vor Schmerz, da wirbellose Tiere keinen Schmerz empfinden, wie es heisst, jemand ist da anderer Meinung. Rezepte für Som Tam gibt es im Internet zur Genüge, hier nur einige Hinweise.

Als erstes eine unreife Papaya vom Baum holen. Schälen, mit dem Julienne-Schneider feine Streifen aus der grünen Papaya ziehen, oder auf Thai Art mit einem grossen Messe längs reinhacken, tuctuctuc, dann dünn abschälen, gibt echtere unregel-mässige Julienne-Streifen.

Som Tam gibt es in 2 Hauptversionen, aus dem Nordosten der schärfere Som Tam Lao, oder Tam Pu Pla Ra (Tam haben wir gehabt, Pu = Krabbe, Pla Ra = übel riechender fermentierter Fisch), und Som Tam Thai aus dem übrigen Thailand, mit kleinen getrockneten Garnelen, ohne fermentierten Fisch.

Meow ist aus Khonkaen und liebt den schärferen Som Tam, schwört auf fermentierte Krabbe und Fisch als Zugabe für den Geschmack. Auf dem Bild ist etwas von der Krabbe zu sehen, man isst sie jedoch nicht! Die Säure kommt von grünen Limonen, Zitronen gehen auch. Alle Zutaten werde gemischt und der Salat im grossen Holzmörser zerstossen.

Som Tam ist für Thai Damen, die essen ihn immer und überall, machen einen U-Turn mit dem Auto, wenn sie einen Verkaufsstand sehen. Männer stehen nicht so drauf, ich kann ihn essen.

Und noch was aus Thailand

Die Fächerpalme

Am Anfang war das Dunkel, so oder ähnlich beginnt eine andere Geschichte, aber hier war es noch dunkel und wir waren im Bett, als Meow als erstes sagte, die Fächer-Palme und der Mango, der wegen des Neubaus umgesetzt worden war und nun lahmte und ohnehin noch nie blühte, müssten weg. Eine andere Meinung zu haben als Meow im Halbschlaf ist in Ordnung, sie zu äussern ist hochgefährlich, also murmle ich nur, der Mango würde vielleicht zum Blühen kommen, wenn ich unten ein paar Äste wegschnitte, no no, cut it, okay okay, will do it. Manchmal lohnt es sich nicht.

Es ist unglaublich, wie viel Wasser die Palme speichert. Als ich in die grünen Palmblätter mit der Machete abschlug, hoch oben auf der Leiter, spritzte Wasser wie aus einer geborstenen Leitung, literweise. Es war in den Hohlräumen zwischen den Blattstielen. Dass es gesammeltes Regenwasser war ist zweifelhaft, da es seit mehr als einem Monat nicht mehr geregnet hatte, könnte aber doch möglich sein.

Gewaltig, die Kanäle im weichen Palmenstamm
Grössenvergleich

Das Frühstück schmeckt doppelt so gut in einer Arbeitspause, erinnerte mich an den Kibbuzaufenthalt mit 21, frühmorgens aufs Feld und um 9 zum Frühstück. Der damalige Einsatz in Israel reut mich keineswegs, wäre dies aber heute ein Thema für mich, so ginge ich zu den Palästinensern. Vor einigen Jahren war ich zufällig geschäftlich im gleichen Kibbuz, interessant nach 35 Jahren.

Fried Rice, mein Teller aufgemotzt mit Mozzarella, da ich jeweils 1 kg kaufe muss er irgendwie vertilgt werden. Gut war’s.

Palmentorte, so gesägt für leichtere Teile und weil es Spass machte
Der Wurzelstock, fast so weich wie ein Rettich

Beim Bearbeiten des Wurzelstocks mit der Gartenhacke lässt sich schön den Gedanken nachhängen, über den Zmorge im Chadarochel in Shamir, über Oasen voller Palmen, dass vor dem Löcherbuddeln in Thailand übungshalber an einer archäologischen Ausgrabung teilzunehmen sei, über den Alzheimer, der noch nicht im Anmarsch ist, sonst hätte ich die Abwasserleitung bereits vergessen, die mitten unter dem Zwilling dieser Fächerpalme durchführte, und derentwegen sie, die andere, vor einigen Monaten dran hatte glauben müssen, über die Haupt-Stromzuleitung zum Haus, die ich vor 2 Wochen angehackt hatte beim Lochbuddeln für eine Bougainvillea, über meine junge Frau und unser Töchterchen, und sonst noch schöne Dinge, wie dem so ist beim Hacken oder Joggen oder Radfahren.

Wie war das mit dem Alzheimer?
OK, do-it-yourself wie ein Thai Profi

So schlimm wie sie ausschaut ist die Reparatur nicht, ein PVC Rohrstück aufgeschnitten, Heizfön, PVC-Kleber, Klebeband. Das Abwasser muss nur in den nächsten Schacht, gleich daneben, von dort nicht mehr weit. Ich frage mich nicht mehr, ob Chiang Mai eine Abwasser-Reinigungsanlage hat, denn von uns kommt das Abwasser nicht mal bis zur Strasse, es versickert, die dicke Zementröhre ist verstopft und dies trotz Schächten alle 10 Meter. Für das Gröbere gibt es einen Untergrundtank mit Feststoff-Schranke und Innereien, die angesichts der guten Luft in der Tankumgebung ihre Wirkung haben müssen. Feststoffe bleiben zurück und werden abgebaut bis auf einen Rest, der etwa jährlich durch einen Tankwagen abgesaugt werden muss.

Das Abwasser aus der Waschmaschine des Nachbarn fliesst in unseren Garten und lässt durch die Phosphate die Pflanzen spriessen, dazu riecht es frisch und parfümiert in dieser Ecke, und ein kleines Stück Sumpf erfreut die sauberen Frösche.

Ach ja, unter dem reparierten Abwasserrohr, 20 cm im Boden, sind 2 gelbe Rohre, links das Rohr für Telefon und Internet und daneben die Stromzufuhr zum Haus mit einem 15-20 mm dicken Kabel innen, das ich 3 Meter weiter, wie erwähnt, vor kurzem angeknackt habe. Wasser kam aus dem Rohr und beim Berühren surrte es am Finger, kein Spass. So viel für heute für potentielle Immigranten🙂

Nach der Technik hier Blüten eines Mangobaumes, wie sie der gleichentags auf Weisung entwurzelte auch hätte haben können. An einer Blütendolde bilden sich einige Früchte, die jedoch bis auf eine oder zwei abfallen.

Zum Abschluss für heute die von der lästigen Nachbarin befreiten, sich nun ungehindert enfalten könnenden anderen Palmen, deren Name ich nicht weiss.

Die orangen Früchte sind leider keine Datteln, heissen Maak und werden im Tempel beim Meditieren gekaut, Kaufrüchte also. Bezeichnenderweise heisst Kaugummi auf Thai Maak Farang, Maak der Westler.

Begleitmusik zum Blog-Erstellen

Tord Gustavsen Quartet, The Well, 2012

Vielleicht funktioniert das Reinhören

14 thoughts on “Som Tam – Salat von grüner Papaya

    1. Dazu muss man gut schreiben oder das Geld für die Publikation locker machen und die Bücher verschenken, ersteres kann ich nicht, zweites will ich nicht. Danke für die Motivation.

  1. Für Som Tam mach ich auch eine Kehrtwende, wenn auch zu Fuß. In Thailand fahre ich kein Auto. Ich will ja nicht einen der gefühlten Millionen Mopedfahrern auf die Hörner nehmen und mit der Polizei Bekanntschaft machen. Außerdem ist Songthaew-Fahren (schreibt man das so?) so schön entschleunigend.
    Ich Weichei nehme ihn aber nur mit einer Chili und ohne Pla Ra, gibt es im Süden nicht, ist vielleicht auch besser so😉 Ich habe ihn sogar schon selbst gemacht. Ich muss aber mit dem Messer noch ordentlich üben. In drei Wochen kann ich das wieder machen, in Thailand sind die Papayas nicht so abartig teuer.
    Und von diesen blauen Plastikrohren, besonders von immer wieder gekappten Telefonleitungen könnte ich auch kleine Geschichten erzählen *lach*
    Vielen Dank für deine schönen kleinen Geschichten, sie lassen die Vorfreude wachsen.

    Lieben Gruß
    Ulrike

    1. So wie Du den Som Tam magst, mögen ihn viele Farang-Ladies. Für mich gilt „kin dai, tää mai kooi choob“, kann ihn essen, aber mag ihn nicht besonders.
      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar.
      Laut Wiki Songthaew oder Songthaeo oder สองแถว. Letzteres kann ich buchstabieren, hätte aber nicht gewusst, welches T ich nehmen müsste und werde es auch wieder vergessen.

  2. Ich war noch niemals in Thailand, aber Som Tam ist für mich (und da hatte ich deiner treffenden Beschreibung nach anscheinend recht), der Inbegriff der Thai-Küche. Süss, scharf, sauer, salzig – eine echte Achterbahn im Mund, wenn du mich fragst!

    Hierzulande bereite ich ihn mangels restlichen Zutaten mit Fischsauce und getrockneten Crevetten zu. Und ich gebe reichlich frittierten Knoblauch, Schalotten und Erdnüsse darüber. Vielleicht sträuben sich dir (oder deiner Frau!) gerade die Haare, aber mir schmeckts🙂

    1. Hallo Felix
      Dein besuch freut mich. Dann gehörst Du auch zu den eher wenigen Europäern, wie ich, die Khao Niao gerne essen. Ich nehme dann halt mehr Gai Yaang und weniger Som Tam.

  3. Lieber Herr Houdini

    Ich freue mich sehr, dass ich nicht aufgegeben habe und immer wieder mal auf Ihrem stillgelegten Blog reingeschaut habe. Finde es toll wieder von Ihnen zu hören und zu lesen. Spannende Beiträge ein sehr sympathischer Blog,das Gitarren Album ist sehr schön habe es mir gerade angehört.
    Wünsche Ihnen alles gute beim Haus bauen.

    Da Sie nun sehr oft Thailändisch kochen, hätte ich eine Frage, welche Produkte sind Ihrer Meinung nach sehr gut, die man bei uns in der Schweiz ( Basel )im Handel bekommt ? ( Fisch Sauce Soja hell od. dunkel etc.) Koche sehr oft thailändisch und bin manchmal nicht so mit den Saucen zufrieden. Würde mich freuen von Ihnen zu hören.
    Herzliche Grüsse aus der Schweiz.

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