Khanom Chin – Reisnudeln anderer Art

Khanom Chin sind feine Nudeln, hergestellt aus Reis, sie sind aber nicht dasselbe wie Reisnudeln, sie sind nicht trocken erhältlich, sondern ausschliesslich frisch, nur kurz haltbar. Sie werden noch heute meist durch Familien in gewerblichem Massstab gefertigt und über Händler auf den Märkten verkauft, namenlos. In den Supermärkten gibt es welche aus Fabriken.

Normaler Reis (Khao Suai) wird 3-4 Tage in Wasser fermentiert, dann abgeschüttet und in mit Bananenblättern ausgekleidetem Bambuskorb 2 Tage stehen gelassen. Danach wird der fermentierte Reis gestampft, zu einer Paste aufgeschlämmt, in einem Gewebe mit Gewichten entwässert wie Käse, erneut gestampft und geknetet, dann im Dampf nicht ganz gegart und erneut gestampft. Durch Zugabe von Wasser, little-by-little, wird eine fliessfähige Paste erstellt, ähnlich einem Spätzleteig, und durch eine gelochte Dose oder eine brausenähnliche Düse in heisses Salzwasser gelassen. Die gekochten Nudeln werden mit einem Feumer (Netz) aus dem Sud genommen und sofort in kaltes Wasser gegeben, dann schön drapiert für Auslieferung und Verkauf.

Hier rechts Khanom Chin, wie man sie kauft, inklusive Plastik-Körbchen, links Bohnensprossen und Minze als Beigaben, unten Gaeng Ohm.

So wird in der Regel zuhause serviert, und jede nimmt sich von den Dreien. Das Titelbild oben zeigt einen Teller mit dem fertigen Gericht.

Das Wort „Khanom“ allein ist der Sammelbegriff für alle Naschereien von Schokolade über Kekse, Bonbons, Kaugummi, Salzstängel, Pretzel, Potato oder Corn Chips, bis zu Algen-Blättern. In Thai und gleich geschrieben heisst „Chin“ chinesisch, also Khanom Chin für „Chinesische Nascherei“ als liebliche Erklärung, die aber nicht zutrifft. Der Name stammt wie die Nudeln von der Minorität der Mon, einer über Thailand und Myanmar verstreut lebenden Volksgruppe, und in Mon heisst „khon ohm jin“ zwei mal kochen, deshalb Khanom Chin.

Khanom Chin werden auch in Garküchen und Restaurants angeboten. Üblich sind die folgenden Nam Ya (Saucen) dazu:
– Khanom Chin Nam Ya Pla, auf Fisch basierend
– Khanom Chin Nam Ya Gaeng Kiao Wan Gai, mit grünem Chicken Curry
– Khanom Chin Nam Ya Nam Ngiao, auf gestocktem Schweineblut basierend, aus dem Norden Thailands
– Khanom Chin Nam Ya Gati, basierend auf Kokosnussmilch.

Hier Khanom Chin Nam Ya Gaeng Kiao Wan Gai, mit grünem Chicken Curry.

Andere Gaeng können natürlich auch mit Khanom Chin gegessen werden, wie das oben vorgestellte Gaeng Ohm, enthaltend verschiedene Gemüse und Schweinefleisch, Zwiebeln, Knoblauch, Chili, daneben für den Geschmack die beiden Kräuter Pak Chi Lao und Maeng Lak.

Meow sagte, als ich Capellini machte, diese könnten einwandfrei Khanom Chin ersetzten, falls gerade keine da wären. Das schien mir eigenartig, da Capellini aus Hartweizen sind und nicht aus Reis. Wir bereiteten dann mehrmals Khanom Chin mit Capellini n 1 von Agnesi zu, und sie schmeckten wirklich kaum anders als die richtigen. In Europa kann also Khanom Chin easy zubereitet werden, zusammen mit einer thailändisch angehauchten Sauce, diese dünn machen, suppig.

Und noch was anderes zu Thailand

Nachträge

Hier noch ein Bild zum Bananen-Blüten-Curry.

So viel nur kann gekocht werden, die Blätter aussen sind zu zäh.

Klebreis, Khao Niao, nach dem Einweichen über Nacht, am Dämpfen, vor dem Wenden.

Hier nach dem Wenden. Den Korb in leichtem Bogen hoch ruckeln, der Reis löst sich und bildet beim Weiterruckeln eine Kugel. Schön, nicht?

Für Sparfüchse, potentielle Thailand-Immigranten, Einkauf auf dem Plant Market für EUR 27, CHF 33:

3 Rosen
5 Sträucher
6 Sack Pflanzenerde
1 Silberhaar
diverse Samen
1 Guava Jungbaum
3 Weihnachtssterne
2 Bai Thoei vorne

Die Musik heute

Brad Mehldau, Live in Tokyo, 2005

Vielleicht funktioniert das Reinhören

15 thoughts on “Khanom Chin – Reisnudeln anderer Art

    1. Sogar Meow wusste nichts von trockenen Khanom Chin, aber frische sind sicher besser, wie Du auch denkst. Ob bei rice vermicelli / Reisnudeln Biss, Texture, Geschmack, Aussehen gleich sind, bezweifle ich.

      Wie die Namen und Laksa deuten lassen, scheint Tes aus dem Süden zu sein, und da liegen Welten zwischen dem dortigen Food und dem aus Isan oder dem Norden🙂
      Laksa war eines meiner Standard Dishes in Singapore für Lunch im malayischen Restaurant.

      Reisnudeln sind auch sehr gut, die hier üblichen heissen Kwai Teow, wie in Singapore, Malaysia, etc., und werden mehrheitlich, nicht ausschliesslich, in Suppe gegessen, als Sen Mee = ganz feine, Sen Lek = feine, Sen Yai = breite.

  1. Ich lese wirklich jeden deiner Posts mit großer Spannung! Und, ah, Somen habe ich sogar da!
    Und ja, der Klebreis sieht geschüttelt wirklich schön aus, which reminds me, ich habe die Packung noch nicht geöfnet…😉
    Liebe Grüße,
    Eva

  2. Das sieht ja schon wieder soooooooooo gut aus. Aber die Herstellung der Nudeln scheint sehr aufwändig zu sein. Meinst Du, dass ein Pastateig mit Reismehl an den Geschmack herankommen würde? Bei mir zuhause steht nämlich noch Reismehl rum.🙂
    Vielleicht sollte ich auch nach Thailand auswandern: immer schön warm, gutes Essen, schöne Pflanzen… *seufz*
    Liebe Grüsse
    Charlotte

    1. Ob Nudeln, die Du oder ich wie Pastateig aus Reismehl machen, dann wirklich Nudeln wären, solltest Du versuchen. Ich nähme die Capellini, oder Fideli gingen auch, nur wäre der Geschmack bei den Fideli etwas anders, an den erinnere ich mich, oder vielleicht kam er mehr von der Brühe in der Fidelisuppe.
      Thailand: Du wärst nicht die erste, es hat diverse alleinstehende schweizerische Frauen hier in Chiang Mai, nicht nur alte.

  3. Wahnsinn welche Mühe du dir mit diesem Blog machst! Yuki liest schon ganz interessiert mit. Dankeschön für diese Anregung sagt sie. Und ein Danke auch von mir🙂

  4. Danke für den interessanten Beitrag, Erich! Bei dir lernt man echt immer was😉 Und du Fotos sehen echt mundwässernd aus!

    Spannend wäre es ausserdem die Bananenblüte zu probieren! Wie schmeckt das denn so?

    1. Für mich war es das beste Gaeng, das Meow kocht, bis sie das nächste andere supergute bereitete, jetzt gehört es zu den 3 liebsten. Den Geschmack kann ich nicht beschreiben, das Bananenblüten-Curry ist nicht wirklich scharf. Ich suche nach einem ähnlichen Geschmack, finde aber keinen. Der Biss ist ähnlich Bambussprossen.
      Mach Thailand-Ferien und versuche es.

  5. die herstellung dieser reisnudeln habe ich mal in einer sehr gut gemachten mehrteiligen reihe über die geschichte der nudeln gesehen. diese methode (teig durch eine art sieb drücken) ist scheinbar eine der ältesten. auch die koreanischen buchweizennudeln (für naengmyun) werden so hergestellt.

    hattest du dieses gaeng ohm schon verbloggt? ich liebe solche nudelschalen.

    1. Naengmyon fand ich am Anfang komisch, Eis im Wasser und Nudeln, aber später mochte ich das Gericht sehr. Interessant, dass diese Nudeln auch so gemacht werden, ins heisse Wasser wie Spätzle.

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