Hühnerfüsse – Vorlieben sind frei

Andere Länder, andere Sitten, andere Vorlieben, andere Werte.

In Thailand sind die Farangs (westliche Ausländer) beim Fleischkauf preislich bevorteilt, denn was für „den Thai“ megalecker ist, gehört normalerweise nicht zu des Farangs bevorzugten Teilen.

Die unterschiedliche Wertschätzung ist beim Huhn krass, irgendwie amüsant. Fangen wir beim günstigsten an, Karkasse, 32 THB/kg (EUR 0.70/kg), das verstehe ich, gibt aber sehr gute Hühnerbrühe für Risotto. Das nächste sind die Drumsticks, die Keulen, Schenkel, für EUR 1.56/kg, was mich sehr freut, ich aber nicht verstehe. Letzteren Spruch lasse ich ab hier weg, denn er trifft praktisch für alles zu ausser für die Hühnerleber, die schätze auch ich hoch ein. Für die Knie, die gehen beim Huhn nach hinten, ach nein, es sind die Fersen, habe mich bei Wiki versichert, wollen sie hier EUR 2.11/kg, und das ist nur das Gelenk und auf beide Seiten etwa 1 cm Haut und Knochen, und die Sehnen, mehr dazu später. Die Hinterteile, also die Bürzel, ein Dutzend oder so Hühnerhintern auf einem Styropor-Tray, nur diese fettigen Bollen, auch die mit Haut, kosten bereits EUR 2.78/kg, beinahe doppelt so viel wie die Schenkel.

Die 2-teiligen Flügel sind nahe bei der Leber, mit Bronze und Silber auf dem Podest, aber Gold geht mit ziemlichem Abstand an nicht sehr ansehnliche Sehnenteile, von denen auch Meow nicht weiss, wieso sie so teuer sind, vermutlich weil es nur wenig gute Sehnenteile hat am Huhn und sie mühsam ausgetrennt werden müssen.

Hühnersehnen werden in einer Anzahl Gerichten verwendet, so als
– frittierte gesalzene saure Hühnersehnen (Gai Een Tod)
– auf Spiesschen gegrillt, mit Honig bestrichen und mit Sesamsamen bestreut
– mit Basilikum gebraten
– Suppen beigegeben, z.B. Tom Saep und Tom Yam

Hier die Rangliste, alle Preise in Baht/kg:

Sehnen 198
Leber 165
Flügel 2-teilig 159
Brustfilet 139
Bürzel, Hintern 125
Hühnermagen 120
Füsse (siehe Bild) 109
Knie 95
Brust 95
Bein, d.h. Schenkel mit Oberschenkel 90
Flügel-Spitzen 85
Wing Stick, Flügel „Oberarm“ 85
Drum Stick, Schenkel 70
Karkasse 32

Und noch anderes aus Thailand

Schade um die Mangos

Wir haben im Garten einige Mangobäume, einen recht grossen mit gutem Ertrag und einige kleine, die noch wenig bringen, aber leider wird dieses Jahr nichts mit Mango, rein gar nichts. Unter den Bäumen sah ich schwarze Verfärbungen und viele Blätter waren mit einer sirup- oder honigartigen, süss schmeckenden, ja, ich habe daran geleckt, Schicht bedeckt. Dann sah ich auch Schwärme von kleinen Insekten, etwa 3-4 mm lang, die teils flogen, teils weite Sprünge machten.

Internet bringt Rat: „Of all the mango pests, hoppers are considered as the most serious and widespread pest … Hopper population shoots up in February-April and June-August.“ Die Hopper saugen die Pflanzensäfte undd schwächen den Baum derart, dass sich keine Früchte ausbilden können.

Auf den „Honig“-Schichten können leicht sooty mold, Russtau, und eine andere Parasiten heranwachsen. Die Ernte ist verloren. Trotzdem muss ich spritzen, denn sonst könnten die Bäume zu stark leiden oder gar zugrunde gehen. Ein biologisches Mittel half nichts, also muss ich nun noch mit Carbamaten spritzen.

Neue Freunde

Auf der Hauptstrasse in der Nähe unseres Hauses sahen wir dieses Gefährt geparkt und ein Paar vom Auto weggehen. Meow meint, wir sollten ihnen rasch nachgehen, Swiss, your people! Als ob die so selten wären hier. Also selber parken, rasch Fotos mit dem iPad schiessen, suchen, in alle Shops schauen, und wir finden sie zu guter letzt im Vorhanggeschäft, wer denkt denn bei Globetrotters an Vorhänge. Nein, sie hätten nicht vor, sich hier niederzulassen, bräuchten den Tapezierstoff und Polster für neue Sitzbänke. Ein Schweizer Weltenbummler, Paraglider und Kitesurfer ist mit dem Allrad-Pinzgauer Jahrgang 1976, gekauft von der CH-Armee, seit 12 Jahren unterwegs, seit einigen Jahren und Indien zusammen mit einer amerikanischen Frau.

Bei einem Dinner erfuhren wir dann mehr über die Reise. Die ersten Jahre bereiste er Afrika, dann fuhr er durch einige xyz-istan in Zentralasien, in den Iran, „phantastisch, wunderbar zum Reisen“, Transfer durch Pakistan, Indien, Nepal, Tibet, China, hinunter nach Laos, Kambodscha, Thailand. In Südostasien ist er vor 3 Jahren angekommen. Jedes Jahr fliegt er für 3 Monate in die Schweiz zum Arbeiten, um die Kosten für die anderen 9 Monate decken zu können.

Leider könnten sie nicht nach Australien, sagte er, denn der ganze Wagen müsste peinlichst gereinigt werden vor der Einschiffung und dies sei bei einem so alten Fahrzeug nicht möglich. Weitere geplante Etappen auf dem Weg sind die Mongolei und entweder irgendwie nach Alaska und dann durch Nord- und Südamerika, oder, falls dies nicht gehe, retour via Karakorum Highway nach Pakistan und per Schiff über das Arabische Meer nach Sansibar, dann durch Afrika und von der Westküste nach Südamerika.

Herrlich, die beiden leben ihren Traum

Die Musik heute

Pat Metheny/Brad Mehldau, Quartet, 2007

Vielleicht funktioniert das Reinhören

18 thoughts on “Hühnerfüsse – Vorlieben sind frei

  1. Immer wieder interessant die unterschiedlichen Vorlieben. Schmecken die Sehnen denn so sagenhaft oder wird ihnen eine besondere gesundheitliche Wirkung nachgesagt? Ich bevorzuge die Schenkel definitiv.🙂
    Und die Weltenbummler? Herrlich, obwohl ich nicht wüsste, ob ich es so lange ohne „Zuhause“ aushielte. Zur Zeit allerdings spüre ich wieder eine gewisse „Hibbeligkeit“, wir waren irgendwie schon zu lange an einem Ort…😉
    Liebe Grüße,
    Eva + ich halte die Daumen für die Mangobäume!

    1. Ich sah, dass es westliche Rezepte mit Rindersehnen oder so was ähnlichem im Internet hat, und die sehen lecker aus. Die dortigen Sehnen sehen aber besser aus als die Hühnersehnen hier.

  2. Verkehrte Welt! Bei uns würde die Aufstellung definitiv verkehrt herum aussehen… Und Sachen wie Hühnersehnen und Bürzel: da muss man hierzulande ja echt auf die Suche gehen! Mit Hühnerfüssen (und auch Hahnenkämmen) habe ich in Südamerika hin und wieder gekocht… anfänglich gewöhnungsbedürftig, aber geschmacklich kann man damit Gerichte durchaus auf ein anders Niveau katapultieren… Danke für den wiedermal sehr interessanten Beitrag!

  3. Auch, wenn Foodblogs nicht zu meinen Favoriten gehören, so lese ich deinen immer wieder gern. Ich mag die Mischung aus Rezepten und Informationen über das Land, die Menschen, die Kultur. So lernt man Land und Leute genießerisch kennen. Danke dafür.

  4. Haarr! Schon das Foto der Hühnerfüße ist für mich „geisterbahntauglich“!
    Es ist also offensichtlich alles Gewohnheitssache: Was wir als Kinder u junge Menschen häufig angeboten bekommen, verfestigt sich und wir wählen es auch später wieder aus, oder?
    Die Story mit deinen Mangobäumen ist ärgerlich, ich kämpfe derzeit gegen Schildläuse an 2 Lorbeerbäumen, von Hand u mit Spülwasser, ich will ja doch noch ernten. Und die Wühlmäuse bringen mich auch um den Verstand. Dass man alles Gute teilen muss mit Schädlingen!!
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    1. Läuse an den Stangenbohnen bekämpfte ich kürzlich auch erfolgreich mit Seifenwasser und Abschaben. Gegen die Mäuse? Vielleicht findest Du einen Jungen, der Fallen in die Gänge steckt und sie für Dich fängt. Ein Bauernbub und ich erhielten von seinem Vater 20 Rappen pro Maus, und das war schönes Geld vor 55 Jahren.

      1. Ich befürchte diese Art Jungen ist ausgestorben. Die Fallen habe ich auch schon selbst aufgestellt, sogar giftige Köder in die Gänge gelegt. Der Erfolg blieb bisher aus. Ich bin aber auch nicht sehr konsequent in diesen Dingen, es ist mir auch letztlich zuwider…

  5. In China gab’s immer fermentierte Hühnerfüße mit Chili Soße als Snack eingeschweißt am Busbahnhof zu kaufen (hier würde man wahrscheinlich Pringles an der Tankstelle holen). Wenn dann im Überlandbus die Snack Tüten aufgemacht wurden habe ich mich immer ein paar Sitze weiter weggesetzt. Andere Länder, andere Snacks.

  6. Liebe Erich, ich mag deine Rezepte und ich mag deine Berichte aus Thailand. Aber bitte… an diesen schlecht manikürten Hühnerfüssen musst du noch arbeiten, soll ich dir eine Hühner-Nagel-Feile zusenden? ;-))))
    (P.s. für Bürzel – meine absoluten Favoriten – würde ich auch einiges mehr als für Schenkel zahlen😉 )

    1. Ich versäume das Manicure auch bei meinen Nägeln, bis Meow mich mahnt.
      Interessant, das wegen der Bürzel. Was kochst Du denn mit den Bürzeln? Beim ganzen Huhn esse ich den Bürzel nicht, ist mir zu fettig irgendwie.

  7. Ich koche nichts Besonderes daraus, bekomme aber immer von meinem Mann, der bei uns für die Geflügelbraterei zuständig ist, den Geflügelteil an dem der Bürzel noch vorhanden ist. Bei gegrilltem oder gebratenem Hähnchen ist die Fettdrüse ohnehin ausgebraten und bei Gans oder Ente kann man diesen Teil ja entfernen. Bei unserem traditionellen Martinsgansessen wird mir dieses Teil sogar auf einem Extra-Teller serviert, schau mal hier (vor allem das letzte Foto):

    http://bonjouralsace.blogspot.fr/2012/11/das-groe-martinsgansessen-und-ich-hatte.html

  8. Ich lese mich gerade durch ältere Beiträge, habe ja durch den Urlaub etc. einiges verpasst. Ein großes Lob für dich und deine informativen Beiträge! Ich mag diese Einblicke ausgesprochen gerne🙂

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