Mu Daet Diau – Schwein allein im Sonnenschein

Schwein allein im Sonnenschein, so etwa ist der Name einer sehr beliebten Zubereitung von Schweinefleisch, meist Nierstück oder Hals, in Streifen an der Sonne kurz getrocknet und darauf frittiert oder eher in reichlich Öl gebraten, da hier zuhause eigentlich nicht frittiert wird.

Links sind Fleischstreifen am Trocknen, rechts sind sie bereits gebraten, bereit zum Verzehr.

Mu = Schwein, Daet = Sonnenschein (nicht Sonne), Diau = einer, allein, hier wie 1x. Die Streifen sind also nur kurz angetrocknet, während einem Tag an der Sonne gelassen. Die gebratenen Streifen sind überhaupt nicht zäh, nicht zu vergleichen mit beef jerky.

Vorgehen: Die Streifen mit etwas Salz und Zucker vermantschen, Meow gibt auch noch schwarzen Pfeffer zu und etwas zerstampften Knoblauch, für einen Tag an die Sonne legen, angetrocknet in 1-2 cm Öl braten oder frittieren, mit Haushaltpapier abtupfen.

Die gebratenen Mu Daet Diau sind nicht ölig. Sie werden nebst anderem als Beilage zu Klebreis serviert oder als Snack gegessen. Das könnt ihr gut auch in Europa machen, Meow legte im letzten Urlaub Dutzende Streifen aus. Hier oben eine Mahlzeit zuhause, als take away von unserem Lieblings-Isaan-Restaurant. Info für Auswanderungswillige: Som Tam Mango Salat, Sonnenschein-Schwein, Gemüse, Sauce, Klebreis, total etwa EUR 2.50

Ja, und dann sah ich bei Toettchen einen Spargelsalat, und da ein Bund grüner Spargel im Hause war wurde nachempfunden, mit kleinen gebratenen Kartoffeln, roten Thai Schalotten, einem TL Dijon Senf, Kräuteressig mit Honig. Gut war es, auch von Meow so beurteilt. Die Erdäpfel sind gebraten, weil sie Meow so wollte, es waren Gschwellti, Pellkartoffeln, vom Vorabend.

Über den Unterschied zwischen Spargel und Spargeln will ich mich hier nicht auslassen, aber über den thailändischen Namen für Spargel = No Mai Farang. Der Name passt zu Toettchens Spargel-Geschichte. Farang heisst Westler, Caucasian, No Mai nennt man die Bambussprossen, Spargeln sind also westliche Bambussprossen, macht Sinn, auch wenn Bambussprossen mitunter armdick sind. Gehen wir in die Details. Bambus als Pflanze heisst Dton Mai Pai, alle Bäume heissen Dton, Mai heisst Holz, Pai ist der Name von Bambus. Teak ist Dton Mai Sak, die ersten beiden Silben sind klar, Sak ist der Name von Teak, ein Tisch ist aus Mai Sak, wenn er aus Teakholz ist. No heisst spriessen, No Mai also spriessendes Holz, Pai für Bambus wird bei Bambussprossen weggelassen. Somit schliesst sich der Kreis zum hölzernen Spargel des Bischofs von Belley, No Mai Farang = spriessendes Holz des Westlers.

Und noch anderes aus Thailand

Abfall-Entsorgung auf Thailändisch

Abfall wird aus dem Wagen geschmissen, einfach fallen gelassen wo es gerade ist, aber die ordentlichen Leute hier, scheint mir, da oft gesehen, klemmen Abfall in die Bäume.

Es tut’s auch ein Betonmast, wenn der Baum mehr als 2 Meter entfernt ist.

Die 3 Bilder hier sind nicht „gesucht“, ich nahm sie innerhalb von etwa 10 Metern in der Nähe unseres Hauses auf.

Woher diese Sitte stammt ist mir unklar. Aufgefallen ist mir auf einer Wanderung beim Inle See in Myanmar, dass der Führer leere Wasserflaschen aus Kunststoff in Astgabelungen am Wegrand steckte, und als ich sagte, ich nähme die Flaschen zurück ins Tal, erklärte er mir, die Bauern würden die Flaschen gerne für Öl oder was auch immer mitnehmen, wenn sie vorbei kämen. Vielleicht war dies in Thailand auch so und ist eine Tradition ohne heutigen Sinn geworden, wie beispielsweise gewisse religiöse Regeln und Vorschriften, die zur Zeit ihrer Entstehung Sinn haben mochten.

Die Musik heute

Liszt, Années de Pèlerinage, Bertrand Chamayou, 2011

„Le Mal du Pays“ von Liszt kommt in Murakamis neustem Buch Tsukuru Tazaki vor, das ich eben zu lesen begonnen habe.

Vielleicht funktioniert das Reinhören

30 thoughts on “Mu Daet Diau – Schwein allein im Sonnenschein

  1. Nicht überall auf der Welt wird wie in der Schweiz entsorgt. Wobei man auch hier sagen muss, dass es auch schon Mal besser war… Interessante Idee, dass allenfalls die Bauern die Flaschen gebrauchen könnten

    1. In den Bergen von Myanmar haben die Leute nichts, leben sehr einfach und bescheiden. Vor 60 Jahren wurde auch in der Schweiz vieles behalten und weiter benutzt, so Papiertueten fuer den Znueni oder Plastiksaecke, Schnuere, Draehte, Naegel, you name it.

  2. Das Schwein allein im Sonnenschein.🙂 Herrlich. Das werde ich probieren, sobald die Sonne genug Kraft hat.
    Und der Müll? Die „Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität“ ist, fürchte ich, ein global menschliches Probelm, hier in Hamburg auch allerorten zu bewundern…
    Liebe Grüße,
    Eva

    1. Ja, in „entwickelten“ Ländern Europas war es auch schlimm bis in die 60er-Jahre, dann setzte Aufklärung ein in Medien und Schulen, Bussen wurden ausgesprochen, es besserte über die Jahre massiv. Dann wurde es normal und Aufrufe gegen Litterng gingen zurück, mit dem Ergebnis, dass die Sauerei wieder zunimmt, durch junge Leute und Immigranten, sorry.

  3. Ein äusserst interessantes Gericht, dass du uns hier wiedermal präsentierst. Und -wie du vielleicht schon vermutest- ganz nach meinem Geschmack😉 Für Schweinefleisch habe ich eine grosse Schwäche, lässt es sich in meinen Augen doch mit fast allen kombinieren und bietet daher (im Vergleich zu rotem Fleisch) enorme Möglichkeiten. Schlimm die Leute, die immer darüber schimpfen, sie mögen kein Schweinefleisch, aber fleissig Rohschinken futter mögen… Das Rezept wird definitiv ausprobiert, da schliesse ich mich Eva an!

    Punkto Abfallentsorgung kann ich nur den Kopf schütteln. Erstaunt mich allerdings nicht wirklich. Woher es wohl kommt, dass meist das Abfallentsorgungsproblem wie von dir beschrieben in Ländern mit weniger ausgeprägter Mittelklasse in der Bevölkerung auftritt?

    1. Ich zweifle, dass es an der fehlenden Mittelschicht liegt, oder vielleicht hängt es indirekt damit zusammen, nämlich über die Bildung. Bei starker Mittelschicht wird auch die Bildung besser, auf Soziales, Umwelt, etc. mehr Wert gelegt.

  4. Das sind ganz interessante Beiträge, an denen Du uns teilhaben lässt. Mach bitte weiter so, damit wir etwas mehr über die authentische Küche aus Thailand kennen lernen.
    Ich werde auf jeden Fall einiges davon ausprobieren.

  5. Das ist definitv der schönste Rezeptname, den ich je gehört habe „Schwein allein im Sonnenschein“ – das könnte ja ein Kinderlied sein! Den Geschmack kann ich mir nur schwerlich vorstellen, das müsste ich probieren…
    Ich finde es schön, dass ihr euch gegenseitig bekocht, da kommt viel mehr zusammen aus zwei Kontinenten!
    Das Bewusstsein für eine saubere Umwelt aufzubauen, scheint nicht so einfach zu sein. Wir haben da ja auch unsere Probleme, obwohl wir schon mit den Kleinsten „Piccobello-Tag“ mit Mülleinsammeln machen.
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    1. Danke, Cheriechen, für Deine Umweltarbeit in der Schule. Mangelnde Aufklärung durch die Schule ist demnach nicht der Fall, wie ich fälschlicherweise in meiner Antwort an Eva äusserte oder vermutete.

      Der Geschmack der Mu Daet Diau Streifen ist sehr europäisch, für mich lecker, der Biss speziell, aber nicht in negativem Sinne.

  6. Nachtrag zum Thema Littering:
    Durchgreifen bringt’s

    In Taiwan wurde alles irgendwo weggeschmissen, nur nicht unmittelbar vor der eigenen Haustüre, Berge von Abfallsäcken türmten sich in Strassenecken, Wanderpfade waren gesäumt von Styropor Essensschachteln, Plastiksäcken, Verpackungen, etc. Das war so 1992, als ich Taiwan verliess.

    Bei einem Besuch 8 Jahre später ging ich abends gegen 10 Uhr vor das Hotel und sah auf der anderen Strassenseite ein Dutzend oder mehr Leute mit schwarzen Abfallsäcken stehen. Kurz dardauf hörte ich ein Klingeln, der Müllwagen kam angerollt. Aha.

    Ein ehemaliger Mitarbeiter sagte mir am nächsten Tag, auch er stünde am Abend auf der Strasse und warte auf den Müllwagen, man müsse den Sack dem Müllmann in die Hand geben, sonst werde er nicht mitgenommen. Zigarettenstummel auf die Strasse werfen werde gebüsst. Es werfe kaum mehr jemand etwas auf den Boden.

    So schnell wird es besser, wenn massiv durchgegriffen wird. Siehe Singapur, blitzsauber seit mehr als 30 Jahren.

  7. Mit jedem Biitrag bringsch du mir di Heimet und au d‘ Sprooch e Stiggli nèècher. Sig‘ s die Mu-Mimpfeli, aber au d‘ Erklärig vo dem zämmegsetzte Wèèrter. I ha scho sinerzyt bi de Man Farang dèrfe schmunzle.
    Das mit em Abfall isch mr grad in Chiang Mai scho speziell ufgfalle. Leider ! Die Aasammlige speziell vo Ässräschte und d‘ Kanalisation sin‘ e Paradies fiir Ratze, speziell in dr Nacht.

  8. Der Spargelsalat sieht sehr aamächelig aus!!!
    Was den Müll betrifft, so fällt mir auch auf, dass es die Leute bei uns mit der Entsorgung nicht so eng sehen – vorallem, wenn sie unterwegs sind. Da fliegt schon mal etwas aus dem Auto oder wird beim Wandern einfach achtlos fallen gelassen. Ich kann das nicht verstehen, denn wenn ich etwas mit mir bringe, dann kann ich es doch wieder mit zurück nehmen und dann zuhause entsorgen. Leidtragend ist dann die Umwelt, insbesondere die Tiere, welche z.T. eingehen, weil sie irgendwelchen Plastik verschluckt haben. Und letztendlich schadet Mensch sich mit diesem Müll ja selber, weil wir nur diese eine Welt haben. Nur schauen die meisten nicht weit genug über den Tellerrand hinaus, um das zu erkennen. Traurig!
    Liebe Grüsse
    Charlotte

    1. Beim Spargelsalat bin ich nicht so erfreut ueber die Optik, ich haette schoener anrichten sollen, und das gilt fast immer bei meinen Fotos.
      Mit Deinen Gedanken zur Umwelt sprichst Du mir aus der Seele.
      Liebe Gruesse retour, Erich

  9. Schwein allein im Sonnenschein, herrlich :D!
    Die Art der Müllentsorgung ist schon befremdlich, leider aber wirklich ein globales Phänomen…und so schaufelt sich der Mensch selbstzerstörerisch fleißig sein eigenes Grab…

    1. Der Muell in den Baeumen ist ja harmlos im Vergleich zum hiesigen Industriemuell, den Fabrik- und Haus-Abwaessern (keine mir bekannten ARAs), den Autoabgasen (schlimm, was da rauskommt hier). Das Bewusstsein ist nicht vorhanden.

      Ich brachte Batterien in den Laden zur Entsorgung, und die Kassierin schmiss sie vor meinen Augen in den Abfallkorb. Jetzt verwende ich aufladbare Batterien, so muss ich sie nur alle paar Jahre selber in den Muell schmeissen.

  10. Schwein allein im Sonnenschein liest sich sehr poetisch, ob auch „Rind allein im Sonnenschein“ möglich wäre?
    Ich kann mich da übrigens Toettchens Worten nur anschliessen! Ich freue mich immer über neue Beiträge von dir und interessante Rezepte und Berichte aus deiner neuen Heimat.

    1. Noeah Daet Diau gibt es auch, Noeah = Fleisch, aber gemeint ist Rind. Sagt man nur Fleisch, dann ist Rindfleisch gemeint.
      Danke auch Dir fuer die Motivation.

    1. Danke. Mein Blog soll langsam aber sicher weg vom Foodblog-Image. Kochen und Food sind Teil meines Lebens und der hiesigen Kultur und werden deshalb weiter im Blog vertreten sein.

  11. Ach, ich liebe den Fachausdruck „vermantschen“😉 und dazu noch der tolle Titel: Schwein allein im Sonnenschein.

    Die Art Müllentsorgung kenne ich aus Indonesien aus dem letzten Jahrtausend … Dass man nicht aus Fehlern anderer Länder lernen kann, ts, ts.

    1. Ein Fachausdruck? Von welchem Fach, haha? Ich dachte, man wuerde es lautmalerisch verstehen. Nun suchte ich im Internet:
      vermantschen
      ver|mạn|schen, (seltener:) ver|mạnt|schen <sw. V.; hat (ugs.):
      [in nicht harmonisierender Weise] ineinandermengen, miteinander vermengen [u. dadurch verderben]:
      das Essen v.;

      Verderben war nicht meine Absicht🙂

  12. I’d love to taste those mouthwatering dishes. I wonder if I could dry pork on my balcony (during the summertime)…

    An interesting way of disposing of waste.

    Grüsse,

    Rosa

    1. Meow did it behind the window in April in Switzerland, they dried perfectly, but it took 3-4 days, because there was no daet (sunshine) last year in April.
      Good luck, Eric

  13. So, nach dem leckeren Schwein, dem Som Tam, der kleinen Lektion an Thai für Anfänger und einer Belehrung in richtigem Abfall Entsorgen (so habe ich das in vielen Teilen Asiens erlebt) habe ich richtig Hunger gekriegt. 2.50 für einen Som Tam Salat. Das kommen meinen Urlaubserinnerungen wieder hoch. Den würde ich echt jeden Tag essen, und gesund ist er auch noch. Ich muss mal noch nach Stangenbohnen und Papaya suchen, die normalen Bohnen in Europe sollte man nicht roh verwenden habe ich beim letzten Mal Som Tam machen gelernt!

    1. EUR 2.50 ist nicht nur fuer den Som Tam, sondern fuer alles, was Du auf dem Bild siehst, abgesehen vom Geschirr🙂
      Ja, andere als die langen „Schlangenbohnen“ sind ungekocht giftig.

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