Tempelbesuch und Bloggen

Weil ich glaube oder mir einbilde, andere könnten auch mögen, was ich interessant finde, berichte ich, aber vielleicht bin ich nur überaus mitteilungsbedürftig und brauche das Berichten für mein Glücklichsein. Ich bin neugierig, immer zu Neuem bereit, suche das Neue, bin aber jetzt etwas limitiert für das Reisen, also reise ich im Internet, u.a. in der Blogosphäre. Foodblogs waren vor 7 Jahren der Ausgangspunkt, sie motivierten mich zu Houdini’s. Hätte ich Chüngel gezüchtet, wären es vielleicht Kaninchenblogs, das gibt es natürlich auch, warum sollen Rezepte interessanter sein als Kaninchen. Da reichen die Stichwörter dann halt von Appetitlosigkeit (passte auch zu einem Foodblog) über Dreck .. Fressen (aha, Foodblog für Kaninchen) .. Gehege .. Hinterläufe .. Hitze (!) .. Köttel .. Panacur (?) .. Spielzeug (!?) .. Stubenrein .. Vergesellschaftung .. zu Zähne kürzen. Ich sollte mich da mal reinlesen.

Aber wieso lese ich, wie der Fritz sein Risotto Milanese macht und x andere vor und nach ihm auch, wieso lese ich über Restaurantbesuche so weit weg von zuhause? Ich lese diese Sachen gerne, wenn es nicht nur schlicht das Rezept ist, weil ich miterleben kann, welche Mühe ein Gericht gekostet hat, spüren kann, wieviel Freude es der Köch*in macht, weil ich die Gerüche in der Gaststube beim Lesen und durch die Bilder rieche, durch gute Beschreibungen den Geschmack im Gaumen und auf der Zunge registriere, lerne, dass ein guter Koch in Tronzano Vincenzo heisst, sehe, wie schön und liebevoll Marco seine Sushi präsentiert, und … einfach, weil es mir Freude macht, wenn Leute sich freuen.

Ja, und weil mir vieles hier in Thailand Freude macht, anders ist als in Europa, und weil nur fast alle schon hier waren und auch die, die hier waren, wahrscheinlich nicht alles gesehen haben, macht es mir auch Freude, meine Eindrücke mit anderen zu teilen.

Hier bringe ich ein paar Eindrücke, Einblicke von unserem Tempelbesuch letzte Woche. Es ist der Wat Phra That Doi Kham, auf einem Hügel hinter der Night Safari und dem botanischem Garten Ratchaproek. Es sind halt nur Bildchen, aber wie sagte Ansel Adams: Twelve significant photographs in any one year is a good crop. Das Jahr hat hier erst gerade begonnen.

Traditionelles Wassergiessen auf die Schulter der Buddhafigur, 3x, for good luck

Besucher tupften Goldblättchen in das Gesicht dieser Figur

Kerzenvorrat

Traditionen werden früh vorgelebt

Mönchsaudienz, um ihn geschichtet sind Gaben von Besuchern

Blick in die improvisierte “Vorratskammer”, auch rings um die Buddhafiguren ist Platz

Ding, dang, dong, Glockenschläge bringen Glück

Ausserhalb der meisten Tempel (Wat) steht ein Geisterbaum (spirit tree), in dem die Geister wohnen (sollen), wie auch in den spirit houses bei Gebäuden, damit sie nicht im Tempel und im Gebäude wohnen

Als wir über Ostern und deren christlichen Hintergrund sprachen, Auferstehung, ewiges Leben nach dem Tod und so, erzählte mir Meow ein Witzchen zur Wiedergeburt. Im Theravada Buddhiusmus geht es nach dem Ableben für sehr gute Menschen recht rasch zur Wiedergeburt, schlechte müssen zuerst noch nach Massgabe ihrer Untaten in einer Hölle (Naraka, in Thai Narok) büssen, bevor sie dann als Knecht, Hund oder noch schlimmeres wiedergeboren werden. Also:

Wenn Du nach dem Sterben auf einem Dschungelpfad gehst, wo du beinahe eine Machete brauchst und es Schlangen hat und anderes Getier, dann bist Du auf dem Weg zur Wiedergeburt, denn der Weg zur Narok, zur Hölle, ist durch die vielen Vorgänger breit und abgetrampelt und die Schlangen haben sich verzogen.

Die Musik heute

Chet Atkins, Mr. Guitar, 1959

Vielleicht funktioniert das Reinhören

22 thoughts on “Tempelbesuch und Bloggen

  1. Das erste Bild gefällt mir sehr und deine Einleitung hätte ich, wenn ich nicht ich wäre, glatt auch so schreiben können. Ich folge deine virtuellen Reisen sehr gern, zumal ich noch nicht das Glück hatte, nach Thailand reisen zu können. Aber was nicht war, kann ja noch werden.
    Liebe Grüße,
    EVa

  2. Nein, lieber Erich, es ist keine Einbildung, sondern es ist wirklich so! Ich finde deine Berichte interessant und freue mich immer wieder auf neue Einblicke in deine mir unbekannte Heimat. Bitte weiter so. Und wenn du dich dann auch noch über Berichte über Vincenzo aus Tronzano freust, ja, dann macht es uns doch beiden Freude😉
    Im übrigen zählt auch nicht, wie viele hier bei dir kommentieren oder wie viele Leser du hast. Das einzige, was zählt ist, wie viel Freude und Spass du persönlich daran findest, denn es ist dein Blog.
    Mich kümmert es z.B. auch nicht, wie oft ich meinen Lesern das mindestens zehnte Cordon Bleu-Essen zumute, denn mein Blog ist MEIN persönliches kulinarisches Tagebuch und das ist schliesslich dann nicht für andere, sondern für mich. Natürlich freue ich mich sehr, wenn es den kleinen Kreis von Bloggern gibt, der mir gewogen bleibt und der auch bei mir kommentiert. Ansonsten ist für mich immer eine schöne Bestätigung, dass mein Tessiner Blog in den Wintermonaten eine monatliche Besucherzahl von rd. 15.000 hat und diese Zahl in der Touristensaison dann sprunghaft ansteigt. Wenn es dann davon ein paar gibt, die zu Vincenzo nach Tronzano zum essen fahren, dann macht mich das glücklich😉
    Uffff, das ist jetzt lang geworden, aber es war mir ein Anliegen, weil ich das Gefühl hatte, du stellst ein wenig in Frage, ob das, was du schreibst, geschätzt wird. JAAAA! Es wird sehr geschätzt!

    1. Ich freue mich an Deiner ausführlichen Antwort, und ich danke Dir für Deine Worte. Es ist mir nicht so wichtig, wie viele zum Lesen kommen, aber es freut mich, je mehr sich dafür interessieren. Ich weiss durch Emails auch von Freunden, die regelmässig lesen, aber nicht kommentieren. So weiss ich, dass ich nicht nur für die kommentierenden Blogger berichte.
      Gratuliere zum Zulauf beim Ticino-Blog, Hut ab, das sind ja dann 500 pro Tag in der Nebensaison!!

  3. Ich liebe Deine Berichte. In Thailand war ich noch nie, und werde wohl auch nicht mehr hinkommen. Du leitest mich in eine andere Welt, so authentisch, dass es eine Freude ist.
    Die Thailanderzählungen von diversen Bekannten haben mich immer davon abgehalten, dort hin zu reisen. Egal ob es alternative BackPack-Touristen oder Pauschalurlauber waren. Bitte mach weiter so. Ich freue mich auf jeden neuen Beitrag.
    Toettchen

    1. Reisende, die in Bangkok und in den Touristenorten im Süden waren, bringen andere Eindrücke nach Hause als vom Norden oder vom Isan. Klar hat es auch einige Pubs mit Bargirls, aber Sextourismus und Anmache existieren hier praktisch nicht, und ich rede von Chiang Mai City. Ausserhalb gibt es Null Nachtleben für Ausländer, nur Schnapssaufen und Karaoke für Thai Männer.
      Land und Leute geben im Norden etwas her, die abgelegenen Gegenden, die Berge, die Dörfer mit den verschiedenen Minoritäten.

  4. Lieber Erich, Deine einleitenden Worte haben mir heute besonders gefallen. Mir geht es wie Toettchen, nach Thailand wird es mich nicht mehr verschlagen. Trotzdem lese ich deine Berichte gerne, im Alter wird der Horizont enger, da hilft das Bloglesen dagegen an.

    1. Ich dachte heute Nachmittag beim Rasenmähen an das Reisen – ich bin ja viel gereist – und dass es gar nicht so wichtig sei, physisch hinzufahren. Internet und TV bringen mehr und meist bessere Bilder und Informationen, vor allem wenn Reisende den Touristenpfaden folgen. Ich erinnere mich an Bücher meiner Kindheit, die mich ferne Länder erleben liessen, 2 sind mir speziell in Erinnerung, „Biggels im Dschungel“ und „Mit dem Faltboot nach Abessinien“, der Bericht eines Faltbootfahrers, der via Donau und Schwarzes Meer nach Konstantinopel fuhr und danach in Abessinien weitere Faltboot-Touren unternahm.

      Früher wollte ich auch überall hinfahren, träumte von Schweiz-Shanghai mit dem Motorrad und von langen Velotouren, heute bin ich zufrieden hier mit meiner Frau und unserer Tochter. Ich werde weiter reisen, aber nur, um den beiden die Welt zu zeigen, die ich schon gesehen habe.

  5. I läs fir‘ s Läbe gärn dini Bricht us Thailand. Scho zue de Zyte wo du mit em Motorreedli im hohe Norde umekurvt bisch. I ha jedes einzelne Mool e grossi Sehnucht und es git mir zuedäm neyi Idee, was‘ i s‘ nägscht Mool go aaluege mèchti.
    Mach bitte genau witer eso ! Bald dèrf‘ i‘ s ebeso gniesse und stuune.🙂

  6. Lieber Erich,
    ich habe in letzter Zeit auch viel darüber nachgedacht und philisophiert, was es eigentlich soll „das Bloggen“, manchmal habe ich auch das Gefühl mich bei Menschen dafür rechtfertigen zu müssen (Zeitfaktor usw.). Ohne groß nachzudenken, macht es mir aber so viel Freude, rund um die Welt ein Gedankennetz zu spinnen und mich mit Menschen auszutauschen, die ich doch niemals kennengelernt hätte ohne Internet.
    Und wenn ich deine Bilder sehe, hätte ich geradezu Lust, meinen verwunschenen Kirschbaum in bunte Bänder zu wickeln, vielleicht bringt es sogar noch Glück…
    Herzliche Grüße
    Cheriechen

    1. Danke. Wegen Deines Hinweises dachte nun ich daran, unseren grossen Apfelbaum, nicht richtige Äpfel, Chiang Mai Apple, werde berichten, auch mit Stoffbahnen zu umwickeln. Meow ist dagegen, und wir werden es lassen, weil man so einen Baum dann nie fällen kann, denn wenn die Spirits dort wohnen, darf man nicht mehr stören. Deinen Kirschbaum willst Du nicht fällen, er ist bereist schief, so kannst Du ihn getrost zum Geisterdomizil erheben🙂

      1. Oh! Meow ist eine kluge Frau. So weit habe ich gar nicht gedacht…
        Ich muss noch darüber nachdenken.
        In der Schule hat eine Kollegin mit Kindern einen „Baum“ aus umwickelten Ästen gebastelt (also zusammengebunden). Er sieht fantastisch aus und steht im Foyer.

  7. Ich mag die Einblicke, die Du uns Lesern in Dein Leben in Thailand gewährst, sehr gerne – sie sind so authentisch.
    Das erste Foto Deiner Serie finde ich übrigens SEHR schön!
    Liebe Grüsse
    Charlotte

  8. Asiaten haben einfach die bessere Einstellung zu Tod und neuem Leben. Und die Geschichte mit dem Dschungelpfad hat was. Wir sollten uns alle Macheten kaufen😉

  9. Dann werde ich wohl den ausgetretenen Pfad gehen müssen… das ist allemal besser als Schlangen… oder vielleicht auch Spinnen, Käfer und ähnliches Getier.😉

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