Farang Food – Spargel Omelette und anderes

Es ist Grünspargelzeit hier, ein hier relativ teures Gemüse, durch uns geschätzt und in verschiedenen Varianten gegessen. Ich machte ein Omelette mit Spargel, von der Miao so sehr begeistert war, dass sie für den nächsten Morgen dasselbe erbat, sie, die Farang Food wohl essen kann, aber meist etwas fade findet.

2 Eier mit Milch, 3 Spritzer Sojasauce und Pfeffer verschlagen und bereit halten. Von 6 Spargeln die Spitzen beiseite legen, den Rest in kleine Stücke schneiden und anbraten, die Eier zugeben, braten, dann zur Omelette falten, die Spitzen in der leeren Seite der Bratpfanne anbraten, dann auf die Omelette legen. Fertig.

Das war die Originalversion. Am nächsten Morgen erhielt Miao, was sie noch lieber mochte, siehe Bild, mit 7 Shrimps (Gung) halbiert in dem Omelette, zusammen mit den Spargeln, und ein Gung obendrauf. Dazu gab es noch einen Gschwellten vom Vorabend mit Rucolapesto. Ans Bett gebracht, so kann frau leben.

Allen, die noch nie selbst Ravioli gemacht und weder viel Zeit noch viel Geduld haben und auch ungerne Nifeliarbeit machen, rate ich dringend ab, dieselbigen machen zu wollen, oder schafft euch vorher ein Raviolibrettchen oder einen Betty Bossy Täschler oder sowas an. Enthusiastisch machte ich mich an die Arbeit, befolgte Felixens Ratschlag, den Teig nur mit Mehl und Ei und sonst nichts zu machen – obwohl ich bei Marcella Hazan gelesen hatte, es müsse für Ravioli Milch rein – und zählte nach Felix auch die 20 Faltungen auf Stufe 1, bevor ich bis auf Stufe 4 quetschte. Die Stufe 4 und das Rezept der Füllung mit Spinat und Ricotta hatte ich auf Barbara’s Spielwiese gefunden. Ich spielte alles schön durch, schnitt mir mit Maßstab und Messer 34 Ravioliplätzchen von 5×10 cm zurecht (die Abschnitte immer wieder zusammenballen und neu auswallen) und verteilte kleine Häufchen der Füllung drauf, strich mit Eiweiss und verschloss die Nähte mit einer Gabel, vom Mehl zu den Ravioli eine Heidenarbeit – ein eigenartiges Wort für mühselige Arbeit.

Ich fand folgende Erklärung dafür: “ Heiden waren im Mittelalter alle die das nicäischem Bekenntnis nicht praktizierten. Dazu zählten nicht nur „Nichtchristen“ und Menschen, die sich nicht zu einer der anderen Schriftreligionen bekannten, sondern auch Christen arianischen Glaubens. Eine direkte Übersetzung gibt es zum Lateinischen mit dem Wort sclavi (das meint, „die welche ausserhalb der Gemeinschaft stehen.“.)“. Sklavenarbeit also, in gewissem Sinne, oder jedwelche strenge mühevolle Arbeit Niedrigstehender. Hier noch etwas über Nicäer und Arianer für Leute wie mich, der nicht alles weiss, aber wissen möchte.

Geschmeckt haben die Ravioli sehr gut, an Thai Salbei in Butter, mit Shrimps, aber so bald werde ich keine mehr machen. Von der Füllung war übrigens noch einiges übrig, vermutlich wegen meiner „kleinen“Ravioli, die dann aber doch recht gross wurden während des Ziehenlassens.

Solche Spaghetti mag Miao auch. Es sind aber eigentlich Capellini oder Fideli, wie Schweizer sie nennen, oder Kanom Jin (Tschin) Farang, wie Miao sie nennt, weil sie sehr ähnlich sind wie die thailändischen Kanom Jin Nudeln. Shrimps, Squid (nur sog. Bärte), grüne Peperoncini, Knoblauch, Olivenöl, Salz, Pfeffer, die Capellini am Schluss in die Bratpfanne geben und kurz mitbraten.

Und noch anderes aus Thailand

Ein Blick auf Thailand, wer möchte da nicht Astronaut sein? Gewaltig, wie die Lichter der Städte sichtbar sind, im Hintergrund sogar Teile Chinas, vermutlich Kunming, Chengdu, Chonqing und ein paar andere Millionenstädte. Bemerkenswert ist auch der Unterschied zwischen dem Isan in Thailand und Kambodscha mit dem Tonle Sap See, wo nur Siem Reap mit Angkor als Pünktchen sichtbar ist. Meine Heimat Chiang Mai ist gut zu sehen.

Sprachliches

Es wird oft gesagt, Asiaten verwechselten L und R, mehrfach gehört als flied lice oder harro harro in Japan. Hier in Thailand ist es so, dass alle L und R kennen und sie nicht verwechseln, aber trotzdem in English L für R verwenden, weil sie es auch in Thai tun. Kaum ein Thai sagt konsequent R, wenn ein R geschrieben steht, eher je nachdem, in der Regel jedoch sagt er L.
Also: arroy heisst schmackhaft, wird mit dem Thai R geschrieben, aber alle sagen alloy, zumindest hier im Norden (wenn sie nicht im Dialekt lam sagen). Fisch heisst Pla, aber ich höre 3 Varianten, Pla, Pa und Pra. Als ich hörte, Banane heisse Gluay, fragte ich als erstes, ob es mit R geschrieben werde. Es ist aber wirklich mit einem L.

Miao sagt, es wäre komisch, wenn ich alles richtig ausspräche, ausser ich wolle wie ein Nachrichtensprecher reden, auch die Schauspieler in den Movies würden „normal“ sprechen. Wieso die Chinesen und Japaner, wie gesagt wird, L und R verwechseln, ist mir nicht bekannt. Spielwiesen-Barbara könnte zu den Chinesen sicher etwas beitragen.

Ich aber weiss, wieso es vorkommt, dass Koreaner P und F verwechseln, nämlich weil sie in ihrer Schrift kein F haben. Beim Lernen notieren sie sich fremde Vokabeln in ihrer Schrift, die P mit P und die F mit P, eben weil sie kein F haben. Dann kommt halt manchmal ein F statt ein P oder ein P statt ein F bei der Anwendung. Dazu eine Anekdote. Ein europäischer Besucher, einer unserer koreanischen Mitarbeiter und ich waren zum Dinner verabredet. Als der Koreaner verspätet erschien, entschuldigte er sich, I had to fark first, sorry. What did you have to do? It was not easy to find a farking place. Wir machten grosse Augen. But then I farked my car here in the basement. Aha, sein Auto geparkt hat er.

Fazit, auch für Thais und auch für uns, für das Erlernen von Fremdsprachen: Die Vokabeln nicht in der eigenen Schreibweise notieren. In der thailändischen Sprache gibt es kein sch oder englisches sh, so notieren sich die Studenten das sch oder sh als tsch oder ch (choo chang ช) und sagen konsequent Fitsch für Fisch und chip for ship. Es gibt zum Thema Thais sprechen Englisch noch vieles mehr, für heute nur noch eins: Ein L am Ende des Wortes oder der Silbe wird als N ausgesprochen, so halt auch im Englischen. Das klingt dann so: „There is a botten in the midden of the taben.” Ein andermal mehr darüber.

Zum Abschluss noch etwas Persönliches

Erich mit Sohn Michael (Mike), 1980, und mit Tochter Emma, 2013

Die Decke strickte meine Mutter aus Wollresten etwa um 1965, schätze ich.

Und HURRAH, ich habe heute seit ewig wieder einmal Brot gebacken, und es wurde sehr gut, Ciabatta von magentratzerl via myfoodprints. Ich backe weiter.

Die Musik heute

The Best Of Antònio Carlos Jobim, 2014

Vielleicht funktioniert das Reinhören

23 thoughts on “Farang Food – Spargel Omelette und anderes

  1. die kurzen, dünnen Spargelspitzen aus Thailand werden hier auch verkauft, vermutlich als Brötlispargel. Deshalb ist er in Thailand vielleicht so teuer. Hier verwendet man auch Heidenmehl zum Kochen, das aber nichts mit Heidenarbeit zu tun hat. Wieder ein lesenswerte Beitrag. Wer hat da was von „Gefasel“ gesagt ?

    1. „Gefasel“, weil ich bei einem Puristen las, bei ihm gebe es nur Rezepte ohne Gefasel. Ohne Geschichten würde ich jedoch kaum Foodblogs lesen, denn bei Google kommen allein 1.5 mio Nennungen für „Risotto Rezept“.
      Dein Hinweis auf das Heidenmehl schloss eine Lücke bei mir, ich danke, wobei ich nur ahnen kann, wieso es so heisst.

  2. Willkommen zurück unter den Brotbäckern. Machst Du auch Brot mit Sauerteig? Ich habe immer gemerkt dass mein Brot den Chinesen überhaupt nicht geschmeckt hat, die wollten immer nur das langweilige Weißbrot essen. Wie steht es mit den Thailändern?

    1. Genau so, und keine Rinde, oder sogar bei weichem Toastbrot die Rinde wegschneiden, aber es hätte auch Australier, die das täten, erzählte eine Freundin aus Brisbane.
      Thais, die in Europa, ausser UK, studiert haben, essen teils auch richtiges Brot und Müesli.
      Sauerteig frustrierte mich, also bis auf weiteres nicht.

  3. Um L und R weiss ich natürlich und habe ebenfalls meine liebe Not damit. Dazu kommt, dass ein geschriebenes L je nachdem als N ausgesprochen wird. Gerade weil ich Thai-Schrift lesen kann, ist es manchmal zum Verzweifeln, vor allem auch mit den vielen nicht ausgesprochenen Buchstaben, ganz zu schweigen von den Akzenten (hoch/tief).
    Vielleicht wäre ich erfolgreicher, wenn ich nächstens auf dem Markt eben nicht nach «bai horapa» (Basilikum) frage, sondern nach «holapaa»?!

    1. Wenn Du auf dem Markt den Mund aufmachst, denken die Marktfrauen, es sei Englisch oder was immer, und sie hören nicht richtig hin, und sie sind sich vielleicht nicht an Farang gewohnt oder nicht so smart, zu überlegen, was man wohl meinen könnte. Geht mir manchmal auch so.

      Als wir eine Woche weg waren, fragte eine Frau im Restaurant, wo wir gewesen seien und ich sagte Khonkaen, sie, wo das sei, ich, Jang Wat Khonkaen, sie, es gebe keine Provinz Khonkaen. Ich sagte das Wort ein paar mal, dann erinnerte ich mich, dass das zweite k ein Gogai ist und sagte Khonggaen, AHA, ja klar.

  4. Ein toller Beitrag, den ich jetzt heute früh mit Begeisterung gelesen und gleich zwei Tassen Kaffee dazu geschlürft habe! Die Spargelzeit hier neigt sich langsam dem Ende zu. Ein trauriger Abschied, den ich habe viel zu selten damit gekocht in dieser Saison. Nun gibt es dann bald nur noch die Auslandware zu kaufen. Die kleinen grünen Thaispärgelchen gibt’s in den Asia Stores auch zu kaufen, sind aber meist ziemlich fade. Wohl wegen des langen gekühlten Transports.

    Dass dein Ciabatta jedoch so gut geglückt ist freut mich🙂 Und ja, was mir besonders ins Auge gestochen ist beim Lesen: Thai Salbei! Hört sich sehr spannend an, wird gleich mal gegoogelt…

    1. Die grünen Spargel hier sind nicht alle so fein, es hat auch dickere drunter, Qual. 1A geht vermutlich in den Export. Aber der Geschmack ist voll da, aber wir kaufen immer auf dem Markt. Beim Grossverteiler hat es auch aus China.

      „Thai Salbei“ ist nicht Salbei, schmeckt nur ähnlich, und ich sage ihm so; ich werde berichten.

  5. Bevor Pfingsten vorüber ist, muss ich schreiben, dass mich Dein Beitrag voll begeistert hat. Aber ich werde noch ausführlicher schreiben, denn einiges darin reizt mich, meinen Senf dazuzugeben. Nur die Zeit …. wenn man nur genug davon hätte. Aber morgen Abend bin ich frank und frei und werde in die Tasten greifen.
    Liebe Grüße
    Toettchen

  6. Nur kurz (ich muss Brötchen formen ;-)): Ravioliteig mit viel Eigelb lässt sich viel leichter bearbeitenn, so dass es gar keine Sklavenarbeit, sondern eher „Meditation“ ist.🙂
    Und die Fotos von dir und den Babies, herrlich!
    Liebe Grüße,
    Eva

    1. Das behaupte ich nicht, aber wenn in einer Sprache ein Buchstabe nicht vorkommt, und man notiert sich die Wörter in seiner eigenen Phonetik (zB Katakana?), dann ist es schwieriger, diesen Buchstaben nachher richtig zu verwenden. Daher das Witzchen wegen dem flischen Blötchen.

      1. Ja, das stimmt schon. Selbst meine Eltern verschlucken oft die fremden Buchstaben. Das L klingt dann „verwaschen.“😀

  7. „Arroy heisst schmackhaft, wird mit dem Thai R geschrieben, aber alle sagen alloy, zumindest hier im Norden (wenn sie nicht im Dialekt lam sagen). Fisch heisst Pla, aber ich höre 3 Varianten, Pla, Pa und Pra. Als ich hörte, Banane heisse Gluay, fragte ich als erstes, ob es mit R geschrieben werde. Es ist aber wirklich mit einem L.“

    Die Lischte losst sich beliebig ergänze. I ha z.B. zerscht lon statt ron glehrt. I seh, es goht dir au nit besser …😉

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